Wirtschaft
Digital

Meta vor Milliardenprozess wegen Jugendlicher und sozialer Medien

FILE - Meta CEO Mark Zuckerberg arrives for a landmark trial over whether social media platforms deliberately addict and harm children, Feb. 18, 2026, in Los Angeles. (AP Photo/Ryan Sun, File)
Mark Zu ...
Mark Zuckerberg sieht sich mit Klagen von Familien, Schulbehörden und US-Bundesstaaten konfrontiert. Seine Apps sollen die Gesundheit von Jugendlichen geschädigt haben.Bild: keystone

Zuckerberg muss aussagen – Meta drohen 193 Milliarden Dollar Strafe

Dem Meta-Konzern wird vorgeworfen, Jugendliche süchtig nach Facebook und Instagram gemacht zu haben. Am Dienstag beginnen in Kalifornien die ersten Plädoyers eines Prozesses, in dem mehrere US-Bundesstaaten fast 200 Milliarden Dollar an Strafzahlungen sowie eine grundlegende Überarbeitung der beiden Social-Media-Apps fordern.
18.08.2026, 11:2318.08.2026, 14:09

Nach der Jury-Auswahl in der vergangenen Woche beginnt vor dem Bundesgericht in Oakland nun die eigentliche Verhandlung in der Sache. Der Prozess soll rund sechs Wochen dauern. Es handelt sich um den ersten Bundesprozess in einem breit angelegten Rechtsstreit, der auch TikTok, Snapchat und YouTube betrifft.

Die Firmen sehen sich mit Klagen von Familien, Schulbehörden und US-Bundesstaaten konfrontiert, die ihnen vorwerfen, die psychische Gesundheit von Jugendlichen geschädigt zu haben. Der Meta-Konzern soll Facebook und Instagram bewusst so gestaltet haben, dass Jugendliche möglichst lange auf den Plattformen bleiben.

Was soll sich ändern?

Die Bundesstaaten fordern von Meta nach einer noch vorläufigen Berechnung rund 193 Milliarden Dollar an Strafzahlungen. Zusätzlich verlangen die Kläger eine grundlegende Neugestaltung der Plattformen für Minderjährige.

Vorgesehen sind etwa strengere Vorgaben für Bildschirmzeit und Benachrichtigungen, Einschränkungen bei automatischem Scrollen und Empfehlungen sowie eine verlässlichere Altersprüfung.

Thema: Essstoerung bei Jugendlichen. Smartphone Nutzung. Bonn Deutschland *** Topic Eating disorder in adolescents Smartphone use Bonn Germany Copyright: xUtexGrabowsky/photothek.netx
Der Meta-Konzern soll Facebook und Instagram bewusst so gestaltet haben, dass Jugendliche möglichst lange auf den Plattformen bleiben.Bild: www.imago-images.de

29 US-Bundesstaaten gegen Meta

Angeführt wird die Klage von den Generalstaatsanwälten von Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey. Insgesamt umfasst die Koalition 29 Bundesstaaten.

Die Kläger wollen drei Vorwürfe belegen: Meta habe die Öffentlichkeit über die Risiken seiner Plattformen für Jugendliche getäuscht, bestimmte Funktionen gezielt auf möglichst lange Nutzung ausgelegt und Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern gesammelt.

Die geforderten 193 Milliarden Dollar sind allerdings nur eine vorläufige Berechnung. Eine von Meta genannte Summe von 1,4 Billionen Dollar wiesen die Bundesstaaten zurück. Die genaue Höhe möglicher Strafzahlungen müsste letztlich die Richterin festlegen.

Über den Fall entscheidet Richterin Yvonne Gonzalez Rogers allein. Die acht ausgewählten Geschworenen haben lediglich beratende Funktion.

Zuckerberg als Zeuge geladen

Meta weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern argumentiert unter anderem, dass eine wissenschaftlich eindeutig definierte «Sucht» nach Social Media nicht existiere.

Bei den Daten von unter 13-Jährigen verweist Meta darauf, dass diese Altersgruppe auf ihren Plattformen verboten sei und entdeckte Konten gelöscht würden. Zudem könne die psychische Gesundheit von Jugendlichen nicht einer einzelnen Anwendung zugerechnet werden.

Eine zentrale Frage des Prozesses dürfte deshalb sein, was Meta intern über mögliche Schäden wusste und was der Konzern öffentlich darüber sagte. Als prominenter Zeuge ist CEO Mark Zuckerberg vorgesehen. Auch der ehemalige Meta-Ingenieur Arturo Bejar, der den Konzern wegen seiner Umgangsweise mit Jugendlichen kritisiert hat, soll aussagen.

Für Meta geht es damit nicht nur um mögliche Milliardenstrafen. Experten sehen vor allem ein Risiko für den Ruf des Konzerns und die mögliche Verpflichtung, seine Produkte grundlegend zu verändern – mit potenziell weitreichenden Folgen für das Geschäftsmodell der Plattformen.

(sda/awp/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So siehst du nicht aus, Influencer! 9 Mal Instagram vs. Realität
1 / 23
So siehst du nicht aus, Influencer! 9 Mal Instagram vs. Realität
Hier kommen ein paar Influencer, die im richtigen Leben ganz anders aussehen.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Kinder in den sozialen Medien? Das geht nicht!»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
26 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Reini Bauer
18.08.2026 11:28registriert März 2022
Es gibt auch noch gute Nachrichten, die Hoffnung verbreiten.
461
Melden
Zum Kommentar
avatar
Reinhard51
18.08.2026 12:22registriert November 2025
(A)soziale Medien sind die neue Pest.
251
Melden
Zum Kommentar
26
Kahlschlag: Zimmer Biomet will in Winterthur 580 Jobs abbauen
Hiobsbotschaft für die Mitarbeitenden des US-Medizintechnikkonzerns Zimmer Biomet in Winterthur: Im Zuge einer Umstrukturierung der Produktion könnten am Standort bis zu 580 der 730 Stellen wegfallen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.
Zur Story