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Die Eurozone wird bald zerfallen – Star-Ökonom Stiglitz sieht schwarz 

Nobel Prize-winning economist Joseph Stiglitz attends a keynote presentation during CLSA investors conference in Hong Kong, China September 19, 2016. REUTERS/Bobby Yip
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz ist sehr skeptisch, was die Eurozone betrifft.Bild: BOBBY YIP/REUTERS

Die Eurozone wird bald zerfallen – Star-Ökonom Stiglitz sieht schwarz 

06.10.2016, 10:4806.10.2016, 11:01

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz rechnet mit einem Zerfall der Eurozone in den nächsten Jahren aufgrund von mangelnder Entschlossenheit und Solidarität der Euro-Staaten. Er fürchtet, dass aus seiner Sicht nötige Reformen nicht rechtzeitig angegangen werden.

«Es wird in zehn Jahren noch eine Eurozone geben, aber die Frage ist, wie sie aussehen wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie immer noch 19 Mitglieder haben wird.»

«Mir macht die Geschwindigkeit Sorgen, mit der die Entscheidungen in Europa ablaufen», sagte der US-Ökonom im «Welt»-Interview. «Die Politik einigt sich darauf, was getan werden muss, aber dann wird blockiert, getrödelt und sich Zeit gelassen.»

Nötig seien tiefgreifende Reformen wie die Schaffung einer Bankenunion oder einer gemeinsamen Einlagensicherung. Er rechne aber nicht mehr damit, dass Europas Politik die wankende Währungsunion langfristig retten könne.

«Wenn ich mich mit Italienern unterhalte, spüre ich, dass die Menschen dort zunehmend enttäuscht sind vom Euro.»

«Es wird in zehn Jahren noch eine Eurozone geben, aber die Frage ist, wie sie aussehen wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie immer noch 19 Mitglieder haben wird», sagte der frühere Chefökonom der Weltbank. «Es ist schwer zu sagen, wer dann noch dazugehören wird.»

Deutschland habe sich etwa schon damit abgefunden, dass Griechenland die Eurozone verlassen werde, sagte er weiter. Nur durch die Auflösung der Gemeinschaftswährung oder deren Spaltung in einen Nord-Euro und einen Süd-Euro könne die lahmende Wirtschaft des Kontinents wieder in Schwung gebracht werden.

Als Negativbeispiel nannte Stiglitz Italien. «Wenn ich mich mit Italienern unterhalte, spüre ich, dass die Menschen dort zunehmend enttäuscht sind vom Euro.» Auch Wissenschaftlern und führenden Politikern des Landes werde immer klarer, «dass Italien im Euro nicht funktioniert. Das ist für die Italiener emotional wirklich schwierig, und sie haben sich lange geweigert, diese Einsicht zu akzeptieren.» (sda/dpa)

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