Wirtschaft
International

Drei Gründe, warum die KI-CEOs ihre Entwicklung entschleunigen wollen

KI-Bosse Sam Altman, Elon Musk, und Dario Amodei.
Sam Altman, Elon Musk und Dario Amodei: Die KI-Bosse warnen zunehmend vor der ungebremsten Entwicklung ihrer eigenen Produkte.Bild: watson/shutterstock/keystone

Drei Gründe, warum die KI-CEOs gerade die Hosen voll haben

Drei KI-CEOs beschliessen, das Tempo aus dem Wettrennen um die künstliche Intelligenz zu verlangsamen. Doch warum genau jetzt?
13.09.2026, 12:0813.09.2026, 12:08

«Wir müssen die KI-Entwicklung bremsen», schreibt Dario Amodei, der Geschäftsführer der KI-Firma Anthropic, am Samstag in einem Blogbeitrag. Er sei nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, dass die gesamte Branche das Entwicklungstempo ihrer leistungsfähigsten Modelle verlangsamen müsse, «damit die Risikoprävention hinterherkommt».

Video: watson/lucas zollinger

Dazu kündigt Amodei gleich einige konkrete Massnahmen an, die Anthropic selbst von nun an trifft, um der Problematik entgegenzuwirken. Kurz darauf schreibt Elon Musk auf X dazu: «Dario is right.» Sogar Konkurrent Sam Altman von OpenAI pflichtete Amodei bei und sprach von einer «grossartigen Idee»; er werde die gleichen Massnahmen im eigenen Unternehmen treffen.

Warum kommen die KI-Fürsten der Welt genau jetzt darauf, gemeinsam das Tempo aus der Entwicklung zu nehmen? Hier sind drei mögliche Gründe.

Angst vor Recursive Self-Improvement wächst

In den vergangenen Monaten haben die Softwaremodelle von OpenAI und Anthropic technologisch grosse Sprünge gemacht. Derart grosse Sprünge, dass es längst nicht mehr um die althergebrachten Risiken der künstlichen Intelligenz – Jobverluste, unfreie Wahlen, Desinformationen etc. – geht, wie der «Spiegel» schreibt. Mittlerweile geht es um existenzielle Risiken für die Menschheit.

Konkret sehen viele die grösste Gefahr der künstlichen Intelligenz darin, dass sie mit Hilfe ihrer eigenen Fähigkeiten eigene Nachfolger entwickelt und optimiert und somit einen endlosen Kreislauf ohne menschliches Zutun generiert. Dieser Prozess wird in Fachkreisen «recursive self-improvement» (RSI), zu Deutsch etwa «rekursive Selbstverbesserung», genannt.

Zwar werden KI-Tools bereits heute zum Generieren von Algorithmen und Codes verwendet. Doch blieb bislang immer zumindest die letzte Entscheidung in Menschenhand. In einem echten RSI-Loop braucht es keine Eingriffe von echten Intelligenzen mehr, wodurch die Kontrollmöglichkeiten dahinschwinden.

Laut Anthropic-CEO Dario Amodei benötigen Forscher etwa ein bis zwei Jahre, um die mit der fortschreitenden Entwicklung der KI einhergehenden Risiken zu verstehen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen in die Codes einzubauen. Doch so viel Zeit bleibt nicht, denn die Entwicklung schreitet deutlich schneller voran, als die Sicherheit. Das liegt mitunter auch an den staatlichen Rahmenbedingungen.

Weiterhin Deregulierung statt Begrenzung

Denn während die EU oder China bereits KI-Gesetze erlassen haben, weht in den USA ein anderer politischer und wirtschaftlicher Wind. So hatte Präsident Trump am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit den KI-Erlass seines Vorgängers Joe Biden abgeschafft. Seither, so der «Spiegel», gelte die Maxime: Schnelligkeit vor Sicherheit.

Zwar haben einzelne Bundesstaaten KI-Gesetze erlassen oder planen dies zumindest, doch auf föderaler Ebene wird weiter dereguliert. Dies, obwohl über 1300 KI-Programmierer bereits eine Petition unterschrieben haben, in welcher sie die US-Regierung um Hilfe bitten. Sie verlangen, dass Washington der Technologie Grenzen setzen und das KI-Wettrennen künstlich verlangsamen oder gar pausieren soll.

Video: watson/Lucas Zollinger

Allerdings: In wenigen Tagen empfängt Präsident Trump in Washington sein chinesisches Pendant, Xi Jinping, zu Gesprächen. Ganz oben auf der Themenliste steht dabei die künstliche Intelligenz. Kann Donald Trump beim Gipfeltreffen umgestimmt werden?

Nein, sagt der frühere OpenAI-Manager Daniel Kokotajlo, der als einer der bestvernetzten Experten im Bereich der KI-Sicherheit gilt; seine Erwartungen an den Gipfel seien «gering bis nicht vorhanden». Trump werde einer umfassenden Regelung niemals zustimmen, denn:

«Trump glaubt immer noch, er könne das KI-Rennen gegen China gewinnen. Deshalb schlägt er all die Warnungen in den Wind.»

Sichere Börsengänge

Schliesslich bleibt ein dritter, von Amodei in seinem warnenden Blogbeitrag nicht explizit erwähnter Punkt, der etwas subtiler ist. Es geht, einmal mehr, ums Geld.

Denn sowohl OpenAI als auch Anthropic planen in den nächsten Monaten den Gang an die Börse. Käme in der Öffentlichkeit das Gefühl auf, die KI-Unternehmen aus dem Silicon Valley hätten ihre Produkte nicht mehr unter Kontrolle, liefen die Firmen Gefahr, ihre gesellschaftliche Akzeptanz – und somit auch die Gunst potenzieller Anleger – zu verlieren.

Nicht zuletzt aus aus diesem Grund verschob OpenAI-Boss Altman den für den Herbst geplanten Börsengang auf das Frühjahr 2027. Gegenüber Fortune erklärte er: «Ich glaube, dass es, mit all dem, was gerade passiert, in diesem Moment nicht klug wäre, an die Börse zu gehen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
iPhone Duo: Das erste Falt-Smartphone von Apple
1 / 10
iPhone Duo: Das erste Falt-Smartphone von Apple

Der neue CEO von Apple, John Ternus, mit dem «One More Thing» an der traditionell wichtigsten Produktevorstellung des Jahres. Es ist das iPhone Duo – ein faltbares Smartphone im Reisepass-Format, das sich aufklappen lässt.

quelle: keystone / jeff chiu
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Wie bei Terminator» – so könnte KI uns laut eines Ex-Anthropic-Entwicklers alle auslöschen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
53 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Haarspalter
13.09.2026 13:01registriert Oktober 2020
„Dario Amodei: Er sei nach langer Überlegung zum Schluss gekommen“

Das ist genau das Problem.

Menschen müssen lange überlegen.
KI entscheidet in Millisekunden.

Und von Donald Trump ist keine Hilfe zu erwarten:
Trump entscheidet zwar auch in Millisekunden - allerdings ohne etwas zu verstehen oder zu überlegen.
280
Melden
Zum Kommentar
avatar
Allkreis
13.09.2026 12:38registriert Januar 2020
Ich glaube nicht einen Augenblick daran, dass diese CEOs das Rennen bremsen wollen, weil KI gefährlich werden könnte. Es geht vielmehr um die Finanzierung des Wettrüstens, die unterdessen gigantische Ausmasse annimmt. Der grosse Profiteur, Nvidia, sahnt so viel ab, dass die KI-Anbieter unglaubliche Summen aufwerfen müssen für das Training ihrer Modelle. Nvidia verdient soviel daran, dass es begonnen hat, anderen Kredite zu geben.
Gleichzeitig kommen die Chinesen mit energieeffizienteren Open-Source Modellen, die den Platzhirschen nur leicht nachhinken, und effizienter Harsware kommt auch auf.
292
Melden
Zum Kommentar
53
Zugunglück in Frankreich: Fremde Schiene wirft Rätsel auf
Ein Regionalzug in der Normandie ist entgleist, 44 Menschen wurden verletzt: Was zu dem Unglück führte, ist nach wie vor unklar. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Der zuständige Staatsanwalt rief zur Vorsicht bei Spekulationen über eine mögliche vorsätzliche Tat auf. Ein Stück einer anderen Schiene wurde auf dem Gleis gefunden.
Zur Story