Wirtschaft
Schweiz

Swiss: Darum stocken die Verhandlungen über den GAV

Abendlicher Flugbetrieb auf Start- und Landebahn des Münchner Flughafens, Oberding, 15.07.2025 Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Swiss International Air Lines vom Typ Airbus A220-100 rollt üb ...
Die Swiss lasse ihre Schweizer Werte liegen, werfen Piloten der Airline vor. (Archivbild)Bild: www.imago-images.de

GAV-Verhandlungen bei der Swiss fast durch – nur die Piloten sind noch unzufrieden

Das Bodenpersonal der Schweizer Airline hat dem neuen Gesamtarbeitsvertrag bereits zugestimmt – bei den Piloten harzt es noch. Das Unternehmen lehne sich an die Lufthansa-Kultur an, werfen sie der Swiss vor.
25.07.2026, 16:3925.07.2026, 16:39

Ende 2026 läuft der GAV23, der bisherige Gesamtarbeitsvertrag zwischen Arbeitgeberin Swiss und ihrem Personal, aus – bis dahin müssen die Verhandlungen abgeschlossen sein. Doch scheint das Ziel einer Einigung noch in weiter Ferne zu stehen. Während das Bodenpersonal dem neuen Vertrag bereits zugestimmt hat, berichten die Piloten der Schweizer Airline von «zähen Verhandlungen».

So schreibt Aeropers, der Verband der Pilotinnen und Piloten von Swiss und Edelweiss, in einer Mitteilung vom Freitag:

«Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Swiss im Moment den Lufthansa-Weg zu gehen scheint und Schweizer Werte vernachlässigt.»

Dass der deutsche Mutterkonzern die Swiss zunehmend enger an sich bindet und eine stärkere Zentralisierung erstrebt, ist kein Geheimnis. Für Aeropers ist das jedoch nicht zwingend eine gute Sache. So sagt Verbandssprecher Thomas Steffen gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Verhältnisse wie bei der Lufthansa sind nicht erstrebenswert.» Zur Einordnung: Regelmässig streiken die Arbeitnehmer der deutschen Airline, zuletzt während des 100-Jahr-Jubiläums der Lufthansa.

Die Verhandlungen mit der Swiss würden jedoch auf verschiedenen Ebenen weiterlaufen, so Steffen. Auch Aeropers-Präsident Janos Fazekas schreibt am Ende der Mitteilung, dass man einen dauerhaft eskalierenden Konflikt, wie er bei der Lufthansa beobachtet werden kann, vermeiden möchte. Das entspreche nicht den Schweizer Werten und sei weder zielführend noch nachhaltig.

Wo liegt also der Knackpunkt? Laut Sprecher Steffen habe sich die Situation bezüglich Planbarkeit des Soziallebens und der Arbeitsbelastung noch nicht gebessert. Zudem gebe es nach wie vor zu wenig Piloten, und es käme oft vor, dass man Flüge an sogenannte Wet-Lease-Partner wie etwa Helvetic Airways abgeben müsse.

Swiss bedauert Umstände

Die Swiss bedauere, dass Aeropers die GAV-Verhandlungen bis Ende August pausiere und geplante Verhandlungstage abgesagt habe, heisst es auf Anfrage des «Tages-Anzeigers». Die Airline sei weiterhin jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen: «In sechs Verhandlungsblöcken mit insgesamt 17 Verhandlungstagen hat die Verhandlungsdelegation von Swiss, geleitet von Dominik Jäggi, Head of Flight Operations, zahlreiche Themen diskutiert.»

Zum Lufthansa-Vergleich heisst es vonseiten der Swiss: «Swiss ist in der Schweiz zu Hause. Der direkte Austausch, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss gehören zu unserer schweizerischen Art, gemeinsam Lösungen zu finden.»

Es brauche von beiden Seiten die Bereitschaft, Anliegen zu priorisieren und Kompromisse einzugehen – tragfähige Lösungen würden nicht durch das Beharren auf Maximallösungen entstehen. Es sei legitim, dass sich Aeropers auf die Interessen ihrer Mitglieder konzentriere, jedoch trage schlussendlich die Airline die Verantwortung. Sowohl für das Wohlergehen der Pilotinnen und Piloten als auch für den stabilen Flugbetrieb, das internationale Netzwerk und die langfristige Entwicklung der Airline.

(cpf)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Steff la Cheffe: «Andere haben sich grosse Sorgen um mich gemacht – zu Recht»
Die Berner Musikerin ist zurück und spricht über ihre Auszeit, wiederkehrende Stresssymptome und darüber, warum selbst bekannte Schweizer Acts kaum noch von ihrer Musik leben können.
Im Februar zog Chef la Cheffe die Reissleine. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums. Die 39-jährige Berner Musikerin litt an einer Erschöpfungsdepression mit Herzrasen und Schlaflosigkeit. Jetzt hat sie sich zurückgemeldet, veröffentlicht ihr Album «Stoff» nachträglich und will im Frühling auf Tour gehen.
Zur Story