GAV-Verhandlungen bei der Swiss fast durch – nur die Piloten sind noch unzufrieden
Ende 2026 läuft der GAV23, der bisherige Gesamtarbeitsvertrag zwischen Arbeitgeberin Swiss und ihrem Personal, aus – bis dahin müssen die Verhandlungen abgeschlossen sein. Doch scheint das Ziel einer Einigung noch in weiter Ferne zu stehen. Während das Bodenpersonal dem neuen Vertrag bereits zugestimmt hat, berichten die Piloten der Schweizer Airline von «zähen Verhandlungen».
So schreibt Aeropers, der Verband der Pilotinnen und Piloten von Swiss und Edelweiss, in einer Mitteilung vom Freitag:
Dass der deutsche Mutterkonzern die Swiss zunehmend enger an sich bindet und eine stärkere Zentralisierung erstrebt, ist kein Geheimnis. Für Aeropers ist das jedoch nicht zwingend eine gute Sache. So sagt Verbandssprecher Thomas Steffen gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Verhältnisse wie bei der Lufthansa sind nicht erstrebenswert.» Zur Einordnung: Regelmässig streiken die Arbeitnehmer der deutschen Airline, zuletzt während des 100-Jahr-Jubiläums der Lufthansa.
Die Verhandlungen mit der Swiss würden jedoch auf verschiedenen Ebenen weiterlaufen, so Steffen. Auch Aeropers-Präsident Janos Fazekas schreibt am Ende der Mitteilung, dass man einen dauerhaft eskalierenden Konflikt, wie er bei der Lufthansa beobachtet werden kann, vermeiden möchte. Das entspreche nicht den Schweizer Werten und sei weder zielführend noch nachhaltig.
Wo liegt also der Knackpunkt? Laut Sprecher Steffen habe sich die Situation bezüglich Planbarkeit des Soziallebens und der Arbeitsbelastung noch nicht gebessert. Zudem gebe es nach wie vor zu wenig Piloten, und es käme oft vor, dass man Flüge an sogenannte Wet-Lease-Partner wie etwa Helvetic Airways abgeben müsse.
Swiss bedauert Umstände
Die Swiss bedauere, dass Aeropers die GAV-Verhandlungen bis Ende August pausiere und geplante Verhandlungstage abgesagt habe, heisst es auf Anfrage des «Tages-Anzeigers». Die Airline sei weiterhin jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen: «In sechs Verhandlungsblöcken mit insgesamt 17 Verhandlungstagen hat die Verhandlungsdelegation von Swiss, geleitet von Dominik Jäggi, Head of Flight Operations, zahlreiche Themen diskutiert.»
Zum Lufthansa-Vergleich heisst es vonseiten der Swiss: «Swiss ist in der Schweiz zu Hause. Der direkte Austausch, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss gehören zu unserer schweizerischen Art, gemeinsam Lösungen zu finden.»
Es brauche von beiden Seiten die Bereitschaft, Anliegen zu priorisieren und Kompromisse einzugehen – tragfähige Lösungen würden nicht durch das Beharren auf Maximallösungen entstehen. Es sei legitim, dass sich Aeropers auf die Interessen ihrer Mitglieder konzentriere, jedoch trage schlussendlich die Airline die Verantwortung. Sowohl für das Wohlergehen der Pilotinnen und Piloten als auch für den stabilen Flugbetrieb, das internationale Netzwerk und die langfristige Entwicklung der Airline.
(cpf)
