KOF: Ölpreisschock bremst Wirtschaft stärker als erwartet
Die KOF-Ökonomen erwarten im laufenden Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent, wie sie am Mittwoch verkündeten. Bislang hatten sie mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Und auch für 2027 sind die Auguren pessimistischer und senken die Prognose auf 1,5 von 1,7 Prozent (BIP real, ohne internationale Sportereignisse).
Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt wächst die Schweizer Wirtschaft pro Jahr um 1,8 Prozent. Ein überdurchschnittlicher Wert wurde allerdings letztmals im Jahr 2022 gesehen.
Aktuell ist der hohe Ölpreis schuld am langsamen Wachstum, wie das KOF-Institut schreibt. Der Iran-Krieg und die daraus resultierenden höheren Erdölpreise belasteten die wirtschaftlichen Aussichten stärker als in der letzten Prognose unterstellt, heisst es im Communiqué.
Es könnte noch schlimmer kommen
Für die aktuelle Prognose hat das KOF-Institut die Annahme getroffen, dass der Ölpreis im laufenden Jahr im Schnitt bei 93 US-Dollar und 2027 bei knapp 81 US-Dollar pro Fass notiert. In einem Alternativszenario mit einem Preis von gegen 130 US-Dollar im laufenden und knapp 100 US-Dollar im nächsten, sähe es nochmals deutlich düsterer aus.
Dann wäre lediglich mit Wachstumsraten von 0,5 Prozent (2026) und 1,0 Prozent (2027) zu rechnen, so die Konjunkturforscher. Handkehrum könnte sich die Lage bei einer raschen Einigung im Nahen Osten und einem tieferen Ölpreis aufhellen. Aktuell notiert der Ölpreis unter 80 Dollar.
Keine Gefahr droht in Sachen Teuerung. Selbst in einem Szenario mit einem sehr hohen Ölpreis sei nur mit einer Inflation von 1,3 Prozent zu rechnen – also einem Wert deutlich unter den von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als akzeptabel bezeichneten maximal 2 Prozent.
Konsum schwächelt
Der hohe Ölpreis dämpft laut des KOF-Instituts aktuell die Konsumbereitschaft und damit eine zuletzt verlässliche Stütze der Konjunktur. Indikatoren für das laufende Quartal deuteten zwar auf eine verhaltene Erholung hin, doch dürfte der private Konsum laut den Auguren durch anhaltenden Inflationsdruck, eine höhere Sparneigung sowie die schwache Lage am Arbeitsmarkt gedämpft bleiben. Konkret sagt das Institut für 2026 eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent voraus. Und 2027 werde sie auf hohem Niveau bleiben.
Weitere Probleme der Wirtschaft seien, dass die Unternehmen wenig investierten und die Exportindustrie nach wie vor unter der schwachen Auslandsnachfrage leide. Eine Erholung sei erst mit einer graduellen Entspannung der geopolitischen Lage und nachlassendem Energiepreisdruck zu erwarten.
Laut den KOF-Experten überwiegen bei der aktuellen Prognose generell die Abwärtsrisiken. Genannt werden eine erneute Eskalation im Nahen Osten und der Zollstreit mit den USA. (sda/awp)
