Vorräte bald aufgebraucht: Ölkonzerne warnen Trump
Firmen der amerikanischen Öl- und Gasindustrie sollen die US-Regierung vor weiteren ansteigenden Preisen gewarnt haben. Ausserdem befürchten die Unternehmen, dass die Vorräte zur Neige gehen, berichtet die «Washington Post».
Demnach hätten Mitarbeiter von Gas- und Ölfirmen mehrmals bei der Trump-Regierung Alarm geschlagen, berichtet die Zeitung und bezieht sich auf Quellen in den Firmen. Einige der Vorräte könnten bereits innerhalb weniger Wochen aufgebraucht sein, hiess es. Die strategischen Erdölreserven der USA sind auf 349,2 Millionen Barrel gesunken und nähern sich damit einem Tiefstand, der zuletzt 1983 verzeichnet wurde.
Am 10. Juni gab das US-Energieministerium erneut 40 Millionen Barrel zur Ausschreibung frei. Seit Trumps Amtsantritt sind es jetzt 172 Millionen Barrel, die aus der strategischen Reserve entnommen wurden.
«Wir schlagen Alarm, weil diese Lagerbestände auf Rekordtiefstände sinken», sagt Anfang Juni Mike Sommers, CEO des American Petroleum Institute, in der Sendung «Mornings with Maria» auf Fox Business. «Wir sollten uns Gedanken darüber machen, welche Preise uns in den nächsten Wochen erwarten. Wir müssen dieses Problem in der Strasse von Hormus lösen.»
Experte: Trump-Regierung weiss Bescheid über Probleme
Durch die faktische Sperrung des Handelswegs können Öl- und Gas aus den arabischen Ländern nur in geringer Menge transportiert werden. Der Engpass hat zum Anstieg der Preise für Öl und Gas geführt. Am Samstag liess die Trump-Regierung verlauten, dass es noch am Wochenende zu einer Friedensvereinbarung mit dem Irak kommen soll.
«Ich habe absolut keinen Zweifel daran, dass das Weisse Haus – vom Präsidenten bis hinunter zu den unteren Ebenen – sich der fast einhelligen Besorgnis unter Ölkonzernen und Analysten bezüglich der Entwicklung der Ölpreise in diesem Sommer voll und ganz bewusst ist», sagte Bob McNally, der als Energieberater in der Regierung von George W. Bush tätig war und das Forschungsunternehmen Rapidan Energy Group gegründet hat, der «Washington Post».
Preise könnten um bis zu 50 Prozent steigen
Modellrechnungen zeigen laut «Washington Post», dass ein Einbruch der Rohölvorräte innerhalb weniger Wochen die Ölpreise in den USA um 50 Prozent oder mehr in die Höhe treiben könnte. Führungskräfte der Ölindustrie befürchten, dass die Regierung daraufhin gezwungen sein könnte, Notfallmassnahmen wie die Beschränkung des Exports von US-Kraftstoffen zu ergreifen. Ein hochrangiger Vertreter des Weissen Hauses sagte der Zeitung, weitere Informationen aus der Branche seien «gut», und die Regierung werde die Informationen von Führungskräften der Öl- und Gasindustrie weiterhin berücksichtigen.
Die Trump-Regierung hat derzeit mit der höchsten Inflation seit drei Jahren zu kämpfen. Auch wenn der Präsident diese mit den Worten «Ich liebe die Inflation» wegzuwischen versuchte, werden offenbar Republikaner nervös. Denn im Herbst sind Zwischenwahlen, und angestiegene Lebenshaltungskosten dürften bei den Wählern nicht gut ankommen.
Der Verbraucherpreisindex des Arbeitsministeriums stieg im Jahr bis Mai um 4,2 Prozent im Jahresvergleich, was vor allem auf die stark gestiegenen Benzinpreise zurückzuführen war.
Verwendete Quellen:
- washingtonpost.com: "Oil executives warn White House that gas prices will get worse" (kostenpflichtig) (Englisch)
- energy.gov: "Energy Department Issues RFP to Advance President Trump’s 172-Million-Barrel Strategic Petroleum Reserve Exchange" (Englisch)
- foxbusiness.com: "Mike Sommers warns of US oil shortages as inventories hit multi-year lows" (Englisch)

