So könnte Elon Musks Starlink die Schweizer Steuerbehörden austricksen
Mit 40 stationären Antennen würde die Satellitenbodenstation Brentjong-Leuk zu einer der grössten Starlink-Stationen weltweit werden. Die Frage nach den Gründen für die Standortwahl ist keine einfache. Ist es die günstige Topologie? Die bestehende Infrastruktur? Die schöne Lage?
Eine Recherche des «Nouvelliste» zeigt die wohl wahrscheinlichste Antwort: Die texanische Firma SpaceX, die Elon Musk gehört und welcher Starlink untersteht, dürfte sich aus steuerlichen Gründen dafür entschieden haben, ihre Satelliten im Oberwallis anzubinden. Und so soll das funktionieren:
Der Schweizer Briefkasten
Um das System hinter der Masche zu verstehen, braucht es zuerst einen Blick auf die Struktur von Elon Musks Starlink. Am 1. August des vergangenen Jahres wurde die Starlink Switzerland GmbH mit Sitz in Sion ins Walliser Handelsregister eingetragen.
Die Firma hat drei Zeichnungsberechtigte: ein Luzerner Anwalt (das Schweizer Recht sieht vor, dass mindestens ein Unternehmensvertreter in der Schweiz wohnhaft ist), Lauren Ashley Dreyer (sie ist die Vizepräsidentin der kommerziellen Aktivitäten von Starlink) und Richard Jinu Lee, Steuerchef von SpaceX. Keiner der drei habe auf Anfragen reagiert, so der «Nouvelliste».
Und auch ein Besuch im Büro der Starlink Switzerland GmbH trägt wenig Früchte – der Firmensitz in Sion besteht aus einem Briefkasten, der bei einer örtlichen Treuhandgesellschaft untergebracht ist. Also müssen wir eine Ebene weiter oben suchen.
Die niederländische Zentrale
Tatsächlich untersteht die Starlink Switzerland GmbH der Starlink Holdings Netherlands, welche ihren Sitz in Amsterdam hat. Doch auch dort ist eine Tour durch die Räumlichkeiten fehl am Platz: Das Unternehmen ist an einer Adresse in einem Coworking-Space registriert und beschäftigt keine Mitarbeiter.
Trotzdem ist die Zentrale in Amsterdam ein wichtiger Umschlagplatz für den Geldfluss innerhalb der Starlink-Subdivision von SpaceX. Denn über die Niederlande wird die Steuerbelastung innerhalb der Länder, in welchen Starlink tätig ist, drastisch gesenkt.
Ein Beispiel: In Sambia müsste die örtliche Tochtergesellschaft auf die Dividenden, die an den Hauptsitz in den USA ausgeschüttet werden, 20 Prozent Quellensteuer an die Behörden abdrücken. Leitet Starlink die Dividenden jedoch über Amsterdam, sinkt der Satz dank eines Steuerabkommens auf fünf Prozent. Somit können 75 Prozent Steuern gespart werden.
In der Schweiz sieht es noch krasser aus: Hier würde der Satz auf sage und schreibe 0 (null) Prozent fallen. Das Doppelbesteuerungsabkommen befreit die Dividenden, die die Schweizer Tochtergesellschaft der niederländischen Muttergesellschaft ausschüttet, von der Verrechnungssteuer, sofern diese mindestens zehn Prozent des Kapitals der Tochter hält. Die Starlink Netherlands Holdings hält sämtliche Anteile der Starlink Switzerland GmbH.
Das britische System
Noch besser aufzeigen lässt sich Starlinks Masche am Beispiel Grossbritanniens. Die Starlink Internet Services UK Limited wurde im August 2020 gegründet und betreibt acht Bodenstationen im Vereinigten Königreich. Wie die Schweizer Firma untersteht auch sie der niederländischen Muttergesellschaft, und auch hier ist Lauren Ashley Dreyer Geschäftsführerin.
Die Jahresabschlüsse, welche der «Nouvelliste» analysiert hat, zeigen auf, dass die Starlink UK ein Stammkapital von einem Pfund Sterling hat und keine Mitarbeitenden beschäftigt. Der Gewinn im Jahr 2025: 74'000 Pfund, das sind rund 80'000 Franken. Dafür, dass Starlink laut eigenen Angaben über zehn Millionen Abonnenten hat und einen weltweiten Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar erzielt, wirkt das recht bescheiden.
Die Idee dahinter ist, dass Starlink UK nur den Betrieb der Bodenstationen sicherstellt – also Mieten, Betriebskosten für Antennen und Netzanschlusspunkte bezahlt. Diese Kosten stellt sie dann der Muttergesellschaft in Amsterdam nach dem sogenannten Cost-Plus-Prinzip mit einem Aufschlag von fünf Prozent in Rechnung. Somit bleiben bei 100 Franken Ausgaben fünf Franken Gewinn.
Wenig Steuern in der Schweiz
Somit lässt sich erahnen, wie wohl die Zukunft der Starlink Switzerland GmbH aussehen wird. Zwar dürfte der Betrieb der Antennen Kosten generieren, die der Besitzerin der Brentjong-Plattform zugutekommen – doch der steuerpflichtige Gewinn dürfte marginal bleiben, so der «Nouvelliste».
Der Gemeindepräsident von Leuk hatte im vergangenen Jahr noch von einer «Chance, die Wirtschaft der Gemeinde zu beleben» gesprochen. Ein Zuzug wie derjenige von Starlink würde die Steuereinnahmen deutlich erhöhen, sagte er damals.
Wer sich aber so oder so freuen dürfte, ist SpaceX-Gründer und Mehrheitsaktionär Elon Musk. Sein Vermögen, welches seit dem Börsengang von SpaceX zumindest zwischenzeitlich die Marke von einer Billion US-Dollar geknackt hat, wird wohl weiter steigen – auch dank der Briefkästen in Sion und Amsterdam.
(cpf)
