Bald keine Roaming-Gebühren mehr? Schweiz und Grossbritannien schliessen Handelsdeal
Nach über drei Jahren Verhandlungen steht ein neues Handelsabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien. Bundespräsident Guy Parmelin und Peter Kyle, der britische Minister für Wirtschaft und Handel, haben den Abschluss am Montag besiegelt.
Dank des Abkommens sollen Ingenieure, Berater und andere Fachkräfte künftig visumsfrei und damit einfacher für berufliche Einsätze ins Vereinigte Königreich reisen können. Firmen im Dienstleistungssektor erhalten mehr Rechtssicherheit, wenn sie britische Kundinnen und Kunden betreuen, in Grossbritannien investieren oder eine Niederlassung eröffnen wollen. Und für KMU erleichtert der Vertrag den digitalen Geschäftsverkehr.
Das neue Abkommen gehe «in mehreren Bereichen deutlich über die bisherigen bilateralen Regelungen hinaus» und stärke die Rechtssicherheit für Schweizer wie auch für britische Unternehmen, hält das Wirtschaftsdepartement fest.
Bald keine Roaminggebühren mehr
Die britische Seite verkündet den Abschluss deutlich euphorischer als die Schweiz. Was daran liegen dürfte, dass britische Firmen fast doppelt so viel Geld mit dem Verkauf von Dienstleistungen in der Schweiz machen als umgekehrt. Es handle sich um ein «wegweisendes Abkommen», heisst es in einer Mitteilung. Der Handel mit Dienstleistungen dürfte langfristig um rund 8 Milliarden Franken pro Jahr zunehmen, was einem Plus von 25 Prozent entspreche.
Der britische Premier Keir Starmer bewirbt das Abkommen bei seinen Landsleuten zudem mit dem Argument, dass sie künftig keine Roaminggebühren mehr in der Schweiz zahlen müssten. Das soll auch umgekehrt gelten, bestätigt das Staatssekretariat für Wirtschaft auf Anfrage. Noch können die Behörden aber nicht sagen, ab wann und wofür – also ob nur fürs Telefonieren oder auch fürs Surfen – keine Gebühren mehr anfallen. Details würden in den nächsten Wochen geklärt.
Schweiz findet Abkommen ein wichtiges Signal
Auch für die Schweiz ist Grossbritannien ein wichtiger Handelspartner. Aus Sicht des Bundes ist das Abkommen aber auch symbolisch wichtig. Dass zwei wirtschaftlich bedeutende Nicht-EU-Mitglieder in Zeiten zunehmender Fragmentierung und handelspolitischer Unsicherheit auf offene Märkte und verlässliche Regeln setzen, sei ein «geopolitisches Signal», so Parmelins Departement.
In trockenen Tüchern ist das Abkommen noch nicht. Die Unterzeichnung soll noch dieses Jahr erfolgen, anschliessend müssen die beiden Parlamente grünes Licht geben. Erst dann kann es in Kraft treten. (schweizheute.ch)

