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Schweiz

Wohnen und Mobilität ziehen dreimal stärker an als die Inflation

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Heiz- und Mobilitätskosten bereiten den Schweizerinnen und Schweizern derzeit Sorgenfalten.Bild: KEYSTONE

Teurer Alltag: Wohnen und Mobilität ziehen dreimal stärker an als die Inflation

29.09.2026, 00:3029.09.2026, 01:00

Heizöl plus 50 Prozent, Diesel plus 23 Prozent: Wohnen und Mobilität haben sich im August 2026 fast dreimal so stark verteuert wie der Rest des Lebens. Das zeigt der neue Comparis-Womo-Preisindex, der zusammen mit der KOF-Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erstellt wird. Der Befund kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Am selben Tag verkündet der Bundesrat die Krankenkassenprämien für 2027, die im Schnitt um rund 5 Prozent steigen dürften – Kosten, die weder im Womo-Index noch im offiziellen Landesindex der Konsumentenpreise auftauchen.

Gemäss dem am Dienstag veröffentlichten Index, der die Preisentwicklung bei Mieten, Energie und Haushaltsgütern sowie bei Treibstoff, Auto und ÖV-Tickets abbildet, sind die Preise für Wohnen und Mobilität im Vorjahresvergleich um 2,4 Prozent gestiegen, der offizielle Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) im gleichen Zeitraum nur um 0,8 Prozent. Comparis begründet die Differenz damit, dass der LIK Posten wie Sozialversicherungsprämien oder direkte Steuern nicht erfasst.

Haupttreiber sind Heizkosten und Verkehr: Heizöl verteuerte sich innert Jahresfrist um gut 50 Prozent, Diesel um 23,3 Prozent und Benzin um 15,8 Prozent. Auch abseits der Zapfsäule wird Autofahren teurer: Die Motorfahrzeugversicherung kostete 7,4 Prozent mehr als vor einem Jahr, über fünf Jahre gerechnet 18,9 Prozent. Ersatzteile legten um 12,6 Prozent zu, Reparaturen um 8,6 Prozent. Neu- und Occasionswagen wurden dagegen leicht günstiger.

Für eine Familie mit 2500 Franken Miete, 1000 Franken Autokosten und 200 Franken ÖV pro Monat bedeutet der Anstieg laut Comparis rund 89 Franken mehr im Monat oder 1066 Franken im Jahr.

Nicht alle Haushalte spüren die Teuerung gleich stark. Am stärksten betroffen sind laut dem Index Paare ab 65 Jahren ohne Kinder (+2,5 Prozent) und die mittlere Einkommensklasse (+2,6 Prozent). Regional liegt die italienischsprachige Schweiz mit 3,0 Prozent an der Spitze, Deutschschweiz und Romandie folgen mit 2,4 Prozent.

Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert rechnet vorerst nicht mit Entspannung: Die «weiter unsichere geopolitische Lage in Nahost» dämpfe die Aussicht auf sinkende Preise. Er rät, Versicherungen und Treibstoffpreise zu vergleichen und den Energieverbrauch zu senken. (pre)

So funktionieren die Indizes
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamts für Statistik misst die Teuerung anhand von rund 1050 Waren und Dienstleistungen. Grosse Posten wie Krankenkassenprämien oder direkte Steuern fehlen darin.

Der Comparis-Womo-Preisindex, erstellt mit dem KOF-Institut der ETH Zürich, bildet dagegen gezielt die Teuerung bei Wohnen und Mobilität ab – aufgeschlüsselt nach Haushaltstyp, Einkommen und Sprachregion. Er basiert auf LIK-Daten und der Haushaltsbudgeterhebung (HABE), Referenzwert ist Dezember 2017 mit 100 Punkten.
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