Elefantenhochzeit: Will UBS wirklich mit Morgan Stanley fusionieren?
Vergangene Woche hat das Schweizer Parlament der UBS signalisiert, dass sie sich auf ein schärferes Bankengesetz und ein deutlich strengeres Kapitalregime wird einstellen müssen. Lange davor warnte die Bank direkt und indirekt über die Bankiervereinigung, dass sie unter dem vom Bundesrat favorisierten «extremen» Gesetzesvorschlag ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und via Übernahme oder Fusion zur Flucht ins Ausland gezwungen werden könnte.
Nur drei Tage nach dem Entscheid des Ständerats, wollte der Finanzmarkt die Umzugsoption erstmals testen. Die von Nachrichtenagenturen gestreuten Gerüchte über mögliche Schulterschlüsse der UBS mit Morgan Stanley, der Deutschen Bank oder Standard Chartered haben zu markanten Kursaufschlägen in den UBS-Aktien geführt.
«Regulierungsarbitrage»
Hinter diesen Kursaufschlägen steht die Spekulation, dass sich die UBS durch eine Fusion mit einer ausländischen Grossbank aus der Schweiz und somit aus dem Einflussbereich der hiesigen Politik entführen liesse. In einer UBS, deren Hauptsitz nicht mehr in unserem Land wäre, läge auch die Zuständigkeit für die Regulierung und die Kapitalvorschriften nicht mehr primär bei den Schweizer Behörden und der hiesigen Politik. Manche UBS-Aktionäre scheinen zu glauben, dass sie unter ausländischen Regulatoren – im Vordergrund stehen bei vielen die US‑Behörden – grosszügiger mit Dividenden bedient werden könnten, weil die Bank dort weniger Eigenkapital zur Seite legen müsste.
Solche Überlegungen nennt man in der Fachsprache «Regulierungsarbitrage». Das ist der Kern der jüngsten Börsenspekulationen. Die Gerüchte insinuieren aber auch, dass die UBS-Manager mit ihren verletzten Egos jetzt erst recht bereit wären, dafür Hand zu bieten. Beide Argumente überzeugen nicht.
Gewiss, es ist ein Fakt, dass Morgan Stanley, die US-Bank der UBS bekanntermassen nacheifert, eine rund doppelt so hohe Eigenkapitalrendite erzielt wie die Schweizer Grossbank. Aber UBS-Präsident Colm Kelleher, der während 30 Jahren Karriere bei Morgan Stanley machte, weiss ebenso gut wie sein CEO Sergio Ermotti, dass sich diese Lücke auch mit einem weniger scharfen Eigenmittelregime nicht schliessen lässt. Der Grund ist ganz einfach die riesige Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und den USA, welche die Ertragskraft der US-Banken befeuert und jene der Schweizer Banken bremst.
Hinter dieser Zinsdifferenz verbirgt sich aber auch das Hauptmotiv der vielen superreichen UBS‑Kunden, einen Teil ihres Vermögens bei einer Schweizer Bank zu deponieren. Tiefe Inflationsraten, politische Stabilität, starke Währung: Das ist das Erfolgsrezept des Schweizer Private Bankings. Morgan-Stanley-Chef Ted Pick kennt es ebenso gut wie die UBS-Führung, und beide wissen: Die «Ultra High Net Worth Individuals», wie die Vermögensverwaltungskunden mit einem investierbaren Kapital von netto mindestens 50 Millionen Dollar in der Branche bezeichnet werden, wollen auf keinen Fall alle Eier ins gleiche Körbchen legen.
1+1‹2
Die Reichen und Ultrareichen dieser Welt verteilen ihr Vermögen gezielt und systematisch auf verschiedene Länder mit unterschiedlichen Systemen, Gesetzen und Währungen. Das Ergebnis einer Fusion zwischen Morgan Stanley und UBS würde deshalb niemals der Rechnung 1+1=2 entsprechen. Das Resultat würde mit Sicherheit kleiner ausfallen – vermutlich auch kleiner als den Mehrwert, den sich die UBS-Aktionäre von einer Regulierungsarbitrage versprechen könnten.
Vielleicht könnte die UBS-Führung für ihre Aktionäre einen Mehrwert schaffen, wenn sie die Bank in geeigneter Weise aufteilen würde. Das ist eine bekannte und erprobte Methode, mit der sich grosse Konzerne spezialisieren und effizienter werden können. Aber bekanntlich machen Manager ihre Firmen viel lieber grösser als kleiner. Das Dilemma der UBS-Manager könnte auch eine Fusion mit Morgan Stanley nicht beseitigen. Die US-Bank ist in puncto Börsenwert etwa doppelt so gross wie die grösste Schweizer Bank. Schwer vorstellbar, dass Sergio Ermotti und Colm Kelleher sich mit der Rolle als Juniorpartner zufrieden geben würden. Am wahrscheinlichsten ist deshalb, dass vorerst alles so bleibt, wie es ist. (schweizheute.ch)

