Wirtschaft
Schweiz

Partners Group in der Krise: Investoren sind in Panik

Analyse

Investoren in Panik: Schweiz-Retter von Partners Group im Krisenmodus

Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach droht die Beschleunigung einer Abwärtsspirale. Die politisch ambitionierten Vorzeigeunternehmer erwischt es gerade auf dem falschen Fuss.
05.06.2026, 10:3805.06.2026, 11:38
Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
Partners-Group-Mitgründer und Milliardär Alfred Gantner hat mit seiner Kompass-Initiative gerade viel um die Ohren.
Partners-Group-Mitgründer und Milliardär Alfred Gantner hat mit seiner Kompass-Initiative gerade viel um die Ohren.bild: Anthony Anex/Keystone

Es war ein Kurseinbruch von fast 18 Prozent in einer Aktie, die eines der 20 wertvollsten Unternehmen an der Schweizer Börse repräsentiert; was sich am Mittwochmorgen an der Six Swiss Exchange ereignet hat, kommt höchst selten vor. Den Partners-Group-Gründern Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach dürfte der Schock noch immer in den Knochen stecken. Vielleicht sind sie sogar brutal aus einem Traum erwacht.

Die drei Milliardäre hatten die Investmentfirma 1996 aus der Taufe gehoben und mit der üblichen Mischung aus Glück, Fleiss und Geschick zu einem Erfolgsunternehmen mit Seltenheitswert gemacht. Nach 10 Jahren kam die Firma an die Börse. Weitere 15 Jahre später (2021) war sie 25 Milliarden Franken wert – gleich viel wie die damals über 160-jährige Credit Suisse. Dann kam der Ritterschlag mit der Aufnahme von Partners Group in den Swiss-Market-Index, der die höchstkapitalisierten Firmen der hiesigen Börse abbildet.

Die Ultratiefzinspolitik der Notenbanken nach der Finanzkrise hatte Firmen wie Partners Group in die Hände gespielt. In Ermangelung renditeträchtiger Anlagemöglichkeiten auf den öffentlichen Märkten optierten grosse Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen zunehmend für nicht börsengehandelte Anlagen, wie sie Partners Group anbietet. Der Trend mutierte zu einem beispiellosen Boom, der spät, aber umso wuchtiger auch viele Privatanleger mitzog.

Privatanleger haben einen kurzen Anlagehorizont

Mit der Corona-Pandemie kamen die Probleme. Mehr Inflation, höhere Zinsen, konjunkturelle Unsicherheit. Inzwischen sind Kriege und die Risiken einer Rohstoffverknappung hinzugekommen. Die Gefahren der hohen Verschuldung vieler Staaten und Unternehmen werden in dem veränderten Umfeld zunehmend wahrgenommen, und sie machen die Börsen zu einem weit weniger sicheren Ort, als sie es in den Jahren des Aufstieges von Partners Group gewesen waren.

Nun rächt sich, dass Partners Group und viele andere Firmen, die mit Privatmarktanlagen handeln, im Höhepunkt des Booms über sogenannte Evergreen-Fonds viele Privatanleger ins Boot geholt hatten. Im Unterschied zu grossen institutionellen Anlegern, die solche Anlagen auf zehn Jahre hinaus planen, haben Privatanleger üblicherweise einen viel kürzeren Horizont. Eigentlich sollten sie wissen, dass illiquide Privatmarktanlagen schlecht zu einem kurzen Anlagehorizont passen und das Ergebnis deshalb negativ ausfallen kann. Aber offensichtlich wissen sie es nicht.

Torschlusspanik führt zu Massenexodus

Partners Group muss derzeit viele verkaufswillige Anleger vertrösten, die ihre Anteile an Evergreen-Fonds nicht so schnell wie erwünscht an Partners Group beziehungsweise an ihre Fonds zurückverkaufen können. Die branchenübliche Rücknahmebeschränkung von 5 Prozent des Fondsvermögens pro Quartal sei ein «Schutzmechanismus» für alle Anteilseigner der Fonds, erklärt ein Partners-Group-Sprecher. Eine Praxis, die nun offensichtlich bei vielen Investoren eine Art Torschlusspanik provoziert.

Die Partners-Group-Gründer Marcel Erni (l.) und Urs Wietlisbach sammeln Unterschriften für ihre Kompass-Initiative.
Partners-Group Ko-Gründer Marcel Erni (links) und Urs Wietlisbach weibeln für eine Schweiz ohne EU-Fesseln.Bild: Patrick Hürlimann

Tatsächlich kann ein ungebremster Massenexodus den Wert eines Fonds über Gebühr schmälern und somit allen Investoren schaden. Doch die kritische Situation zeigt jetzt auch, dass die starke Verbreitung von naturgemäss wenig transparenten Privatmarktanlagen unter wenig erfahrenen Privatanlegern ein Fehler gewesen sein könnte.

Partners Group versuchte am Donnerstag, die Wogen zu glätten, und hat die seit April geltenden Wachstumsprognosen einigermassen bestätigt. Auch bei den Evergreen-Fonds, die mit einem Gesamtwert von 56 Milliarden Dollar ziemlich genau 30 Prozent aller von Partners Group verwalteten Vermögen repräsentieren, würden im laufenden Jahr mehr Zuflüsse als Abflüsse an Kundengeldern erwartet. Angesichts der schlechten Stimmung ist dies gelinde gesagt eine optimistische Prognose.

Partners Group hat sich mit dem neuen Hauptsitz in Baar ein Denkmal gesetzt.
Partners Group hat sich mit dem neuen Hauptsitz in Baar ein Denkmal gesetzt.Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Partners Group muss sich auf schwierigere Zeiten einstellen. Es würde nicht überraschen, wenn amerikanische Wirtschaftsanwälte dereinst auf die Idee kämen, eine Kompensation der mutmasslichen Schäden von Evergreen-Investoren via Sammelklage auf gerichtlichem Weg einzufordern. Spätestens dann müssten Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach wohl nochmals voll und ganz für ihr Unternehmen in die Hosen steigen und ihre Kompass-Initiative zur Rettung der Schweiz vor der EU und ihrem Gerichtshof zur Seite legen.

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107 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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goodbunny
05.06.2026 10:45registriert Februar 2026
Goldbarren-Gantner droht also Gegenwind aus den USA. Meine Güte, diese Ironie ist ja gnadenlos.
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Pat Andrea
05.06.2026 10:45registriert Juli 2024
Wieso
..
Wieso nur...
..
Wieso fühle ich 0.0% Mitleid mit dieser "Gruppe"?
20515
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mrmikech
05.06.2026 10:51registriert Juni 2016
Tönt nach einer Blase, ähnlich wie damals bei den Subprime-Hypotheken. Entweder hat diese Firma ein spezifisches Problem, oder es ist ein Anzeichen dafür, dass es vielen Unternehmen in diesem Bereich nicht gut geht.

Irgendwann werfen Spekulationen keine Rendite mehr ab. Und wenn das passiert, läuft die Entwicklung plötzlich rückwärts.

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