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USA: Kita-Skandal bei Kinder-Care – Schweizer Partners Group unter Druck

Kleinkinder sitzen gemeinsam mit Betreuungspersonal der Kita 6a der Stiftung GFZ im Kreis singen und machen Spiele, aufgenommen am 9. Juli 2020 in Zuerich. Die Kita 6a der Stiftung GFZ wird in Zusamme ...
In diversen Kinder-Care-Zentren soll es zu problematischem Verhalten durch die Mitarbeitenden gekommen sein (Symbolbild).Bild: KEYSTONE

Baby auf Kokain getestet: Kita-Kette von Schweizer Partners Group in USA unter Druck

Für die Schweizer Partners Group entwickelt sich ihr Engagement beim US-Kita-Betreiber Kinder-Care zunehmend zum Problem. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Profite über das Kindeswohl zu stellen.
29.03.2026, 09:3429.03.2026, 09:45

Darüber berichtet die «NZZ am Sonntag». Seit dem Börsengang im Herbst 2024 hat die Aktie über 90 Prozent an Wert verloren. Von knapp 28,5 US-Dollar ist der Wert kontinuierlich auf bis aktuell 2,05 Dollar abgesackt.

Nun gerät das Unternehmen zusätzlich politisch unter Druck: Der demokratische Senator Jeff Merkley hat eine Untersuchung gegen Kinder-Care sowie die Learning Care Group eingeleitet, die beide Finanzinvestoren gehören. Merkleys Vorwurf: Private-Equity-Firmen wie die Partners Group stellten Gewinne über das Wohl der Kinder. Besonders kritisch sieht er, dass gewinnorientierte Betreiber Studien zufolge häufig beim Personal sparen, was sich negativ auf die Betreuungsqualität auswirken könne.

Die Partners Group
ist eine Schweizer Private-Equity-Investmentfirma. Sie investiert in noch nicht börsenkotierte Firmen, mit dem Ziel, diese wachsen zu lassen und deren Wert zu vervielfachen. Oft kommt es bei entsprechendem Wachstum später zu einem Börsengang. Die Partners Group wurde 1996 von den Schweizern Alfred Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni gegründet. Unter ihrer Führung wuchs das Unternehmen massiv und gehört heute zum SMI, also den 20 finanzstärksten der Schweiz überhaupt. Die Multimilliardäre Wietlisbach, Erni und insbesondere Gantner sorgten in der jüngeren Vergangenheit auch mit ihrem politischen Engagement in der Schweiz für Aufmerksamkeit.
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Urs Wietlisbach, Alfred Gantner und Marcel Erni.Bild: Gian Marco, Castelberg/13 Photo

Im Fokus steht Kinder-Care auch wegen hoher staatlicher Subventionen. Allein 2024 erhielt das Unternehmen über 850 Millionen Dollar. Trotzdem kämpft der Konzern seit der Pandemie mit Problemen: Die Auslastung stagniert, zuletzt schrieb die Firma Verluste. Bei einem Umsatz von rund 2,7 Milliarden Dollar lasten zudem etwa 1,5 Milliarden Dollar Schulden auf dem Unternehmen. Vor dem Börsengang sollen dennoch hohe Dividenden von mehr als 300 Millionen Dollar an die Eigentümer geflossen sein.

Baby positiv auf Kokain getestet

Zusätzlich belasten zahlreiche Skandale das Unternehmen. Medienberichte dokumentieren Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung in verschiedenen Bundesstaaten – von unangemessenen Strafen wie das Einsperren eines Kindes bis hin zu gravierenden Vorfällen wie Verletzungen oder Drogenfunden in Einrichtungen. Im US-Bundesstaat Wisconsin soll ein 11-monatiges Baby positiv auf Kokain getestet worden sein. Die Droge wurde daraufhin im Rucksack einer der Mitarbeitenden gefunden.

Ein 11-monatiges Baby wurde angeblich positiv auf Kokain getestet (Symbolbild).
Ein 11-monatiges Baby wurde angeblich positiv auf Kokain getestet (Symbolbild).Bild: Shutterstock

Kinder-Care will von der Kritik nichts wissen und betont gegenüber der «NZZ am Sonntag», man wolle «Familien unterstützen und eine sichere, fördernde und hochwertige Lernumgebung bieten, in der sich ihre Kinder entfalten können».

Auch die Partners Group äussert sich gegenüber der Zeitung und weist die Kritik zurück. Sie sieht die Vorwürfe des Senators als Chance, ihren «unternehmerischen Investment-Ansatz» darzustellen. Man habe in Qualität und Personal investiert, etwa durch höhere Löhne und bessere Ausbildung. Zudem erfüllten 85 Prozent der Kinder-Care-Zentren erhöhte Standards, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen.

Sammelklage gegen die Kinder-Care-Führung

Dennoch drohen rechtliche Konsequenzen. Eine Sammelklage wirft dem Unternehmen, der Partners Group sowie den beteiligten Banken vor, Anleger beim Börsengang unzureichend über Risiken informiert zu haben. Da die Partners Group als Mehrheitsaktionär grossen Einfluss hatte, könnte sie mitverantwortlich sein.

Finanziell bleibt der Schaden begrenzt, da Kinder-Care nur eine von vielen Beteiligungen der milliardenschweren Schweizer Private-Equity-Gruppe ist. Doch der Imageschaden ist erheblich. Ob und wann sich Partners Group aus dem Investment zurückzieht, ist offen. (hkl)

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gurgelhals
29.03.2026 09:44registriert Mai 2015
Naja: Skrupellose Finanzoligarchen machen halt so skrupellose Finanzoligarchendinge. Wenig überraschend, oder?
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banda69
29.03.2026 09:51registriert Januar 2020
850 Millionen Dollar Subventionen erhalten und sich dann 300 Millionen Dividenden ausbezahlt.

Und wo bleibt der Aufschrei der Rechtspopulisten? Oder gehen die unter tüchtige Geschäftsleute?
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mrmikech
29.03.2026 09:52registriert Juni 2016
Mit Arbeit wird man halt kein Milliardär. Dafür muss man andere für sich arbeiten lassen und so viele Gewinne wie möglich abschöpfen. Sehr christlich das Ganze, von Herrn Gantner 🤡
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