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Heute wieder aktuell: Die Dekadenz beim Swissair-Grounding war immens

Analyse

Die Dekadenz beim Swissair-Grounding war enorm – weshalb das Thema höchst aktuell ist

Vor 25 Jahren blieb die Swissair am Boden. Eitelkeiten beförderten das Debakel. Politik und Wirtschaft müssten heute wieder enger zusammenrücken. Nur: Animositäten lassen aufhorchen.
03.10.2026, 08:3503.10.2026, 08:37
Othmar von Matt / ch media

Diese Dreistigkeiten, diese Bösartigkeiten, diese Eitelkeiten: Schaut man sich den Krimi «Grounding – die letzten Tage der Swissair» an, stockt der Atem. UBS-Chef Marcel Ospel wird als kaltschnäuziger Zocker dargestellt; Crossair-Gründer Moritz Suter denkt nur an sein Vermächtnis; Manager André Dosé wirkt wie ein trojanisches Pferd Suters; Lukas Mühlemann von der Credit Suisse steht im Dauerwettbewerb gegen Ospel; und der Rechtschef der UBS wird als Bösewicht gezeigt.

Die Bundesräte Kaspar Villiger (l.) und Moritz Leuenberger (rechts) mit UBS-Chef Marcel Ospel am 22. Oktober 2001.
Die Bundesräte Kaspar Villiger (l.) und Moritz Leuenberger (rechts) mit UBS-Chef Marcel Ospel am 22. Oktober 2001.Bild: pascal lauener/spb/chmedia

Als Journalist fragt man sich mit 25 Jahren Distanz: Geht es in diesem Film wirklich um die Schweiz? Um das Land, das für Kompromissfähigkeit steht, für sozialen Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Eigenverantwortung und Gemeinsinn, Bescheidenheit und Pragmatismus?

Im Rückblick zeigten sich 2001 erste Züge einer fast spätrömischen Dekadenz: die Selbstgefälligkeit einer Elite im Niedergang. 2008 und 2009 folgte die Rettung der UBS durch den Staat: zunächst finanziell und später rechtlich wegen Steuersünden in den USA. 2023 mussten Bund, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht wieder tätig werden: Unter ihrer Anleitung übernahm die UBS die CS, die vor dem Zusammenbruch stand.

Böse Wirtschaftskapitäne also? Und gute Politiker? Banken- und Airlinevertreter haben mit Missmanagement in der Tat massiven Flurschaden angerichtet. Die Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft sei um die Jahrtausendwende «sehr gross» gewesen, sagt der frühere Bundesrat Moritz Leuenberger heute.

Sie wuchs mit jedem Bankenskandal und wirkt nach, wie der Fall UBS zeigt. Das Parlament hat das Vertrauen verloren. Die Empörung über das, was UBS-Chef Sergio Ermotti zu schärferen Eigenkapitalregeln für seine Bank in der NZZ sagte, spricht Bände:

«Einige haben die Position der UBS nicht verstanden, andere wollen sie nicht verstehen, wieder andere sind verwirrt.»

Im selben Interview sagte Ermotti: «Das Finanzdepartement vielleicht auch, aber die Finma und die Nationalbank sind sicher mitverantwortlich für das, was mit der CS passiert ist.» Damit legt er den Finger auf einen wunden Punkt. Auch die Politik trägt Mitschuld an den Debakeln. Finanzminister Kaspar Villiger (FDP) reagierte zunächst ausserordentlich zögerlich, als ihn Swissair-Chef Mario Corti um Hilfe bat.

Derselbe Villiger gab mir als Journalist 2009 am WEF eine Absage auf meine Bitte für ein Interview für «Der Sonntag»: «Ihrer Zeitung gebe ich sicher kein Interview, so, wie sie über die UBS schreibt.» Villiger war Verwaltungsratspräsident der UBS. Die Zeitung hatte die UBS-Krise im Wesentlichen aufgedeckt. Der Vorfall zeigt einiges über Villigers Umgang mit Medien und Krisen: Möglichst nicht über Probleme reden, still weitermachen. Beim Untergang der CS war es Bundesrat Ueli Maurer (SVP), der nichts unternahm.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP), die Retterin der CS, hat zwar aus den Fehlern ihrer Kollegen gelernt. Sie unternimmt alles, um eine vierte Rettung einer Grossbank zu verhindern. Dabei öffnet sich aber eine andere Baustelle. Das Verhältnis zwischen Ermotti und Keller-Sutter scheint derart zerrüttet, dass sich ihre Umfelder gegenseitig bezichtigen, das Gegenüber grüsse nicht und spreche nicht mit einem. Das Klima sei «eisig», schrieb diese Zeitung. Konfrontation statt Zusammenarbeit.

UBS-Regulierung: Karin Keller-Sutter, Sergio Ermotti und die Forschung
Im Verhältnis zwischen Bundesrätin Karin Keller-Sutter und UBS-Chef Sergio Ermotti soll es alles andere als zum Besten stehen.Bild: keystone/watson

Das wirft Fragen auf. Keller-Sutter sieht sich auch aus den Umfeldern von Altbundesrätin Viola Amherd und Staatssekretärin Helene Budliger Artieda mit deutlicher Kritik zu ihrem Umgang konfrontiert. Ein kleines Land wie die Schweiz kann sich in diesen schwierigen geopolitischen Zeiten aber keine persönlichen Animositäten leisten. In Krisen wie beim Finanzplatz, in Zollfragen und bei der Sicherheit ist Kooperation essentiell. Von einer Finanzministerin als Querschnittspolitikerin erwartet man konstruktive Mitarbeit.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin betonte bei seinem Rücktritt, Wirtschaft und Politik müssten wieder ein besseres Verständnis füreinander entwickeln. Ein konstruktiver Umgang ist Grundvoraussetzung dafür. Nur so lassen sich Krisen gut bewältigen. Das gilt für das Swissair-Grounding genauso wie für die Bedrohungen von heute. (schweizheute.ch)

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