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Die russischen Tentakeln einer mutmasslichen Geldwäschereikrake

Die russischen Tentakel einer mutmasslichen Geldwäschereikrake

Neue Recherchen zum Geldwäscherei-Fall Swiss Remit legen Verbindungen zu russischen Schattenbanken offen.
16.07.2026, 03:3316.07.2026, 09:20
Christian Mensch / ch media
Eine internationale Organisation mit Schweizer Filialen. Hier der Luzerner Ableger der Swiss Remit.
Eine internationale Organisation mit Schweizer Filialen. Hier der Luzerner Ableger der Swiss Remit.Bild: Urs Füeler/Keystone

German Gorbuntsov hat den Anschlag nur knapp überlebt. Acht Projektile haben den russischen Banker 2012 in seinem Londoner Exil getroffen und ins Koma geschickt. Mutmasslich war er Opfer einer innerrussischen Abrechnung geworden. Denn Gorbuntsov, der «Black Banker», wie er genannt wird, hat sich viele Feinde gemacht.

Sein Name ist vor allem verknüpft mit einem Korruptionsskandal bei den russischen Eisenbahnen. Verträge in Milliardenhöhe seien dabei mit Briefkastenfirmen abgeschlossen worden. Gorbuntsovs Bankenstruktur habe geholfen, das Geld zu waschen. In Zusammenhang mit diesem Korruptionsfall hat die Schweizer Bundesanwaltschaft erst Anfang dieses Jahres 130 Millionen Dollar des Beteiligten Andrei Krapiwin auf einem Schweizer Konto blockiert.

Als Schattenbanker spielte Gorbuntsov auch in Moldavien gross auf. Dies bescherte ihm einen internationalen Haftbefehl, nachdem er sich mit einem nicht nur an Einfluss reichen Partner überworfen hatte. Gorbuntsov legte sich mit allen an – und bot sich den Behörden gleichzeitig als Kronzeuge an, um gegen ehemalige Partner auszusagen.

Gorbuntsov und die Swiss Remit

Seine Gegner scheinen jedoch darum bemüht, Gorbuntsov in ein schlechtes Licht zu stellen. So handelt es sich gemäss vorliegenden Informationen um eine gezielte Diskreditierung seiner Person, wenn auf mehreren Plattformen folgende Geschichte erzählt wird: Als Schweizer Banken nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sich anschickten, die Konten russischer Steuerzahler zu schliessen, habe Gorbuntsov sich anerboten, für einen sicheren Geldtransfer ins Ausland zu sorgen. Das Geld sei über seine Zürcher Firma Swiss Remit gelaufen – und spurlos verschwunden.

Gorbuntsov ist allerdings in keinen Akten der Swiss Remit vermerkt und hatte nach eigenen Angaben nie einen geschäftlichen Bezug zur Schweizer Firma. Was Fakt ist: Spätestens seit Ende April ist erwiesen, dass gegen Swiss Remit international wegen Geldwäscherei im grossen Stil ermittelt wird. In Razzien unter Führung der Zürcher Staatsanwaltschaft fanden an verschiedenen Orten Hausdurchsuchungen bei der Geldtransfer-Firma statt, mehrere Führungspersonen wurden verhaftet. Die Staatsanwaltschaft schloss die Filialen in der Schweiz und legte mittlerweile auch die Website lahm, über die weiter Transfergeschäfte online abgewickelt werden konnten.

Die Geschichte des Sergey Salpanov

Swiss Remit hiess J.C. Three Sixty Monex, bis sie 2020 zuerst anteilig, dann vollständig von Sergey Salpanov und Irina Crocket übernommen und umbenannt wurde. Auch eine Verbindung von Gorbuntsov zu Salpanov und Crocket ist nicht dokumentiert. Alle drei waren jedoch in London, bevor Swiss Remit aus der Taufe gehoben wurde.

Salpanow studierte Rechtswissenschaften in Petersburg, bevor er in das  globale Geldtransfergeschäft einstieg. In der Ukraine geriet er auf die schwarze Liste, weil ihm vorgeworfen wurde, im besetzten Donbass ein Schattenbankensystem aufgebaut zu haben, mit dem prorussische Kräfte mit liquiden Mitteln versorgt wurden. Wie Gorbuntsov verscherzte es sich Salpanov aber auch mit den russischen Behörden, weil er einer russischen Bank die Rückzahlung eines Kredits schuldig geblieben ist. Dies jedenfalls ist die Darstellung eines russischen Gerichts.

Salpanov fand Unterschlupf in Ungarn, wo er zumindest offiziell sein Domizil aufschlug. Gemäss Handelsregister wechselte er später seine russische in eine rumänische Staatsbürgerschaft. Dieser Ausweis sei allerdings gefälscht, erklärte die Zürcher Staatsanwaltschaft gegenüber der NZZ, die mit ihrer Darstellung Salpanovs vorangegangene Recherchen dieser Zeitung bestätigte.

Zürich, Athen, Paris, Nigeria

Das Ausmass des mutmasslichen Geldwäscherei-Komplexes Swiss Remit ist aktuell nicht absehbar. Doch allein die belegten Spuren lassen erkennen, dass Swiss Remit als Dienstleistungsbetrieb mutmasslich für verschiedene kriminelle Organisationen und kriminelle Aktivitäten tätig war. Dabei wurden Gelder verschoben, mit fiktiven Rechnungen gewaschen und dabei auch der besonders verschleiernde Waschgang mit Kryptowährungen eingesetzt.

Die Zürcher Firma Swiss Remit scheint als Holding funktioniert zu haben. Der nominelle Verwaltungsratspräsident war Filialleiter in Basel. Salpanov selbst soll sich teilweise in der Westschweiz aufgehalten haben. In Bern war Simon Amadi für Swiss Remit tätig, der wiederum als Drogenbaron von Nigeria bekannt ist und ebenfalls festgenommen wurde, was in seiner Heimat zu Schlagzeilen führte.

Operativ diente eine griechische Tochterfirma als eine Art Subholding, die wiederum Niederlassungen etwa in Deutschland oder auch in Frankreich unterhielt. Dieses System kam jedoch bereits im Februar ins Wanken, als die griechischen Behörden der Firma die Lizenz entzogen und dabei den Verdacht auf Geldwäscherei äusserten.

Katz- und Mausspiel mit den Behörden

Auch die französischen Behörden sind aktiv gegen die Pariser Filiale geworden. Dies berichtete jedenfalls das auf Kriminalitäts- und Geheimdienstoperationen spezialisierte Onlineportal «Africa Intelligence». Die neu gegründete besondere Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (PNACO) habe Untersuchungen gegen ein mutmassliches Geldwäschereinetzwerk eingeleitet. Dieses stehe im Verdacht, «Gelder in das russische Finanzsystem zu schleusen».

Seit die Ermittler in verschiedenen Ländern offen gegen Swiss Remit vorgehen, herrscht ein Katz-und-Maus-Spiel. Erst vergangene Woche tauchte plötzlich eine neue Website mit dem Namen Swiss Remit Capital auf.

Diese gibt zwar Telefonnummern in Zürich an, die nicht funktionieren, und führt das alte Bankverein-Logo auf, die angeblich als Partnerbank agiere. Doch die Behörden nehmen die Seite ernst. Auf der offiziellen Website Cybercrimepolice ist sie bereits auf den Index gesetzt, und die Zürcher Staatsanwaltschaft erklärt auf Anfrage, man prüfe Möglichkeiten, die Seite stillzulegen. Auch wenn Exponenten von Swiss Remit auf keinem Kommunikationskanal zu erreichen sind, gilt die Unschuldsvermutung.

(schweizheute.ch)

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