Hunderte demonstrierten in Chiasso gegen Stellenabbau bei SBB Cargo
Gegen die Umstrukturierung von SBB Cargo im Tessin haben am Freitagabend in Chiasso mehrere hundert Menschen demonstriert. Ein Beschluss der SBB-Direktion vom 19. Mai sieht den Abbau von 200 Arbeitsplätzen in der ganzen Schweiz vor, davon allein 40 im Tessin.
Die Massnahme sieht vor, dass bis 2027 das Lokführerdepot in Chiasso sowie die Güterverkehrszentren in Balerna und Maroggia südlich von Lugano geschlossen werden, was zum Abbau von 40 Arbeitsplätzen führen würde. Laut SBB handelt es sich dabei nicht um Entlassungen im eigentlichen Sinne, sondern um Versetzungen an andere Standorte oder zu Tochtergesellschaften.
In einem Schreiben vom 10. Juni an die SBB-Geschäftsleitung prangerte das Komitee gegen den SBB-Cargo-Abbau im Tessin die kritische Lage im Kanton an: Bis 2028 könnte diese sich mit einem Gesamtabbau von rund 350 Vollzeitstellen noch weiter verschärfen, heisst es dort. Diese Entwicklung sei für einen Kanton, der den wichtigsten Alpenkorridor der Schweiz und das Tor nach Italien und zum Mittelmeer darstelle, nicht akzeptabel.
Die SBB bestreiten allerdings diese Zahl, wie sie am Freitagabend durch einen Sprecher an die Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilen liessen.
Kantonsparlament gegen Abbau
Das Komitee erinnerte daran, dass das Tessiner Kantonsparlament am Donnerstag mit 87 Prozent der Stimmen eine Resolution gegen den Abbau von SBB Cargo im Tessin verabschiedet habe. Und diese sei auch vom Staatsrat angenommen worden.
Das Komitee forderte die SBB-Geschäftsleitung auf, die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten, die geltenden Lohnbedingungen beizubehalten, in Chiasso ein nationales Zentrum für Eisenbahnsicherheit zu schaffen und ein Kompetenzzentrum für den Schienenverkehr im Tessin aufzubauen.
In einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung präzisierten die SBB ihrerseits, dass der Standort Chiasso für SBB Cargo weiterhin wichtig bleibe. Die Standorte für das Personal und die Fahrzeugwartung des Güterverkehrs würden beibehalten, während der Standort für das Lokführerpersonal ab Anfang 2027 tatsächlich geschlossen und dessen Mitarbeiter nach Bellinzona versetzt würden. (sda)
