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So wollen die SBB ihre Asbest-Züge verschrotten: Aufwändige Sanierung

So wollen die SBB ihre Asbest-Züge verschrotten

Die einstige Wunderfaser Asbest steckt auch in Zügen, die bald aufs Abstellgleis kommen. Die Sanierungsarbeiten sind aufwändig.
01.06.2026, 05:4701.06.2026, 05:47
Pascal Michel / ch media
Die zwei ersten der neuen Doppelstockpendelzuege (DPZ) der Zuercher S-Bahn wurden am Donnerstag, 8. Dezember 2011, im SBB Werk in Olten vorgestellt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Beinhaltet möglicherweise Asbest-Bauteile: Zugtyp DPZ der Zürcher S-Bahn.Bild: KEYSTONE

Die SBB müssen in den nächsten Jahren Züge ausrangieren, die mit Schadstoffen belastet sind. Konkret handelt es sich um rund 400 Fahrzeuge, die hauptsächlich mit Asbest, aber auch mit Schwermetallen oder anderen Stoffen versetzt sind.

Dazu gehören neben Güterverkehrs- und Infrastrukturwagen auch Züge des Personenverkehrs. Dort sind etwa der Fernverkehrszug EW IV, der Pendelzug DPZ (S-Bahn), oder der Regiozug NPZ Domino betroffen. Diese sind noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz. Für die Passagiere besteht laut SBB keine Gefahr. Denn das Asbest ist in abgetrennten Bereichen fest verbaut.

Nachdem eine spezialisierte Firma in den betroffenen Zügen Proben entnommen hat (CH Media berichtete), konkretisiert die Bahn das weitere Vorgehen. Kürzlich hat sie eine entsprechende Ausschreibung auf der Beschaffungsplattform des Bundes platziert.

Darin suchen die SBB eine spezialisierte Entsorgungsfirma, weil der Vertrag mit dem bestehenden Partner ausgelaufen ist. Die Firma soll «Betriebsflüssigkeiten und Bestandteile, die gefährliche Stoffe enthalten, entnehmen sowie bedarfsweise funktionstüchtige Ersatzteile demontieren und an die SBB zurückgeben». Damit soll die fachgerechte und umweltverträgliche Verschrottung der Fahrzeuge gewährleistet werden.

SBB rechnen mit Millionenkosten

Die Anforderungen der Ausschreibung sind hoch. Der gesuchte Anbieter muss nicht nur eine abschliessbare Halle für die Arbeiten bereitstellen. Dort muss gemäss den Vorschriften der Unfallversicherung Suva und des Bundes eine zusätzliche Innenhalle installiert werden. In dieser Halle muss ein permanenter Unterdruck herrschen, damit keine Asbestfasern in den Aussenbereich gelangen können. «Die Halle wird vor den Installationen irgendwelcher Geräte in ihrem jetzigen Zustand durch ein Fachlabor auf Asbest überprüft», heisst es in den Ausschreibungsunterlagen.

Die bereits durchgeführten Laboranalysen der SBB zeigen für jeden Zug einzeln, welche Zonen und Bauteile konkret saniert und entfernt werden müssen. Dafür haben die SBB insgesamt 2,25 Millionen Franken vorgesehen.

So heimtückisch ist die Asbestfaser

Die Kosten und die Vorsichtsmassnahmen sind hoch, weil es sich beim Baustoff Asbest um eine lebensgefährliche Faser handelt, die bis zu tausendmal dünner ist als ein Haar. Wer sie einatmet, kann an einem Mesotheliom erkranken. Da die Inkubationszeit dieses sehr tödlichen Tumors bis zu 30 Jahre dauert, wird das Ausmass erst viel später sichtbar. Die Suva zählt jährlich durchschnittlich noch immer 150 neue Fälle – obwohl die Faser in der Schweiz seit 1990 verboten ist.

Auf Anfrage schreibt die Suva, in den Jahren 2023 und 2024 seien die Fallzahlen zurückgegangen. Man hoffe, dass diese Entwicklung dauerhaft sei. «Da die Zahlen statistisch jedoch von Jahr zu Jahr schwanken, korrigieren wir unsere Prognosen noch nicht nach unten.»

Wie heimtückisch die Langzeitfolgen von Asbest sein können, betonte letzte Woche Urs Berger, Präsident der Stiftung «Entschädigungsfonds für Asbestopfer». Im SRF-«Tagesgespräch» nannte der langjährige Mobiliar-Präsident den Fall einer Frau, die die Kleider ihres Mannes wusch. An diesen hingen Asbestfasern. Die Frau erkrankte deshalb Jahrzehnte später an Krebs, ohne je direkt mit dem Stoff gearbeitet zu haben.

Vorsicht bei Umbauten in alten Häusern

Neben alten Zügen ist Asbest aktuell hauptsächlich noch in Häusern verbaut. Ein Teil der neuen Asbesterkrankungen ist deshalb auf Umbauarbeiten zurückzuführen. Viele Gebäude stammen aus den Fünfziger-, Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren, also aus jener Zeit, als viel Asbest verbaut wurde. Die Suva appelliert deshalb an die Hausbesitzer, bei Umbauarbeiten die Belastung vorgängig abzuklären. Solange das verbaute Asbest nicht abgeschliffen oder aufgefräst wird, besteht keine Gefahr.

Damit bei Sanierungsarbeiten wie jenen der SBB keine Arbeiter erkranken, schaut die Suva genau hin. Sie führt jährlich etwa 620 Kontrollen bei anerkannten Asbestsanierungsfirmen durch. «Dabei werden in rund 40 Fällen schwerwiegende Verstösse gegen die Arbeitssicherheitsvorschriften festgestellt. Im Durchschnitt verlieren pro Jahr fünf Asbestsanierungsunternehmen ihre Zulassung und sind nicht länger berechtigt, Asbestsanierungen durchzuführen», sagt eine Sprecherin.

Die einstige «Wunderfaser» Asbest verdeutlicht, dass sich vermeintlich unproblematische Baustoffe als toxisch entpuppen können. Ist also zu befürchten, dass auch in Zügen, die heute gebaut werden, dereinst solche Stoffe auftauchen? Diese Frage stellt sich beispielsweise mit Blick auf die SBB-Milliardenbestellung für 116 neue S-Bahn-Züge bei der Firma Siemens.

Die SBB setze bei Neubeschaffungen auf strenge Vorgaben, sagt SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg dazu. So verlangt die Bahn von den Herstellern umfassende Nachweise zu eingesetzten Materialien und Stoffen. «Dies wird vertraglich verankert.»

Dennoch sei zu berücksichtigen, dass der Stand der Technik und Wissenschaft nicht statisch sei, sagt Schellenberg: «Stoffbewertungen können sich ändern, sodass künftig heute zulässige Stoffe anders bewertet werden könnten. Deshalb werden stetig neue Erkenntnisse bei den SBB geprüft und bei Bedarf in Anforderungen und Nachweisen berücksichtigt.» (aargauerzeitung.ch)

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quelle: foto service sbb / str
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