Weniger Millionäre ziehen in die Schweiz: Dieses Nachbarland ist plötzlich beliebter
Tiefe Steuern, politische Stabilität, Diskretion und Sicherheit locken Unternehmer, Erben und andere Vermögende in die Schweiz. Im letzten Jahr war jeder 30. Einwanderer Millionär. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab.
Im laufenden Jahr dürften nur noch rund 1800 Millionäre in die Schweiz ziehen – gegenüber 3000 im vergangenen Jahr. Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Hochrechnung von New World Wealth (NWW), die «Schweiz heute» vorliegt. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ist auf die Analyse globaler Vermögens- und Wanderungsbewegungen von (Dollar-)Millionären spezialisiert, sogenannten High-Net-Worth Individuals. Seine Schätzungen zur Millionärsmigration werden regelmässig von internationalen Medien aufgegriffen.
Damit würde der Nettozuzug innert eines Jahres um 40 Prozent zurückgehen. Andrew Amoils, Forschungschef von New World Wealth, sagt: «Die Schweiz ist aus steuerlicher Sicht nicht mehr so attraktiv wie früher.» Vermögende Personen orientierten sich verstärkt an anderen Niedrigsteuerstandorten, beispielsweise Monaco, Montenegro, Panama und den Cayman Islands.
Vor allem aber wächst die Rivalität direkt vor der Haustür: Italien. «Viele Vermögende aus Grossbritannien und Frankreich bevorzugen inzwischen Italien gegenüber der Schweiz», sagt Amoils. Das Land lockt zuziehende Vermögende mit einer Pauschalbesteuerung ihrer ausländischen Einkünfte.
Italienische Pauschalsteuer hat Zugkraft
Auch verschiedene Schweizer Kantone kennen zwar eine Pauschalbesteuerung, aber Italien bietet aggressivere Steuersparmodelle an. Das südliche Nachbarland bildete zusammen mit den USA und den Vereinten Arabischen Emiraten schon 2025 das beliebteste «Fluchtziel» für Millionäre.
2025 war die Schweiz auf Platz vier, nun rutscht sie ab. Isoliert betrachtet hat sie zwar keineswegs an Attraktivität verloren. Steuern wurden nicht erhöht, die Juso-Initiative für Erbschaftsteuern abgelehnt. Aber entscheidend ist immer die relative Wettbewerbsfähigkeit, und andere Standorte haben zugelegt.
Das Beratungsunternehmen PWC Schweiz hat eine Abteilung, die vermögende Personen bei internationalen Wohnsitzverlegungen berät. «Wir beobachten keinen Rückgang der Anfragen, aber auch keinen spürbaren Anstieg», sagt Lisa Cornwell, Partnerin und Leiterin des Bereichs Privatkunden und Family Offices bei PwC Schweiz.
Cornwell bestätigt jedoch: «Italien wird durch seine Pauschalsteuer ein grösserer Konkurrent der Schweiz.» Die stabilen Regelungen und die auf den ersten Blick niedrigeren Kosten ermöglichten manchen vermögenden Familien einen «einfacheren Einstieg». Die PwC-Spezialistin stellt fest, dass Unternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz durch die Vermögenssteuer stark belastet werden können – «vor allem, wenn sie zur Steuerzahlung Dividenden aus ihrem Unternehmen entnehmen müssen». Deshalb erhalte PwC vermehrt Anfragen von solchen Unternehmern, die auch Italien als Alternative prüfen.
Raubüberfälle auf Villen am Genfersee
Allerdings gibt es grosse kantonale Unterschiede. Cornwell sagt, die Niedrigsteuerkantone Zug, Schwyz, Luzern, Nidwalden und Obwalden seien nach wie vor am beliebtesten. Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) bestätigt: «Wir ziehen ungebrochen vermögende Personen an, zuletzt auch aus den Golfstaaten.» Insbesondere Dubai hat wegen des Golfkriegs an Sicherheit verloren. Tännler sagt aber auch, Italien und insbesondere die Region Mailand seien ernsthafte Konkurrenten.
Sicherheit gilt als Trumpf der Schweiz. Umso mehr erstaunen Schlagzeilen aus der Genferseeregion über eine Serie von Überfällen auf wohlhabende Bewohner. Die britische «Financial Times» berichtete letzte Woche über sogenannte «Homejackings»: Täter dringen in Villen ein, bedrohen die Bewohner teilweise mit Waffen und rauben Uhren und Schmuck. Zu den prominenten Opfern gehört der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost, dessen Haus bei Nyon von maskierten Tätern überfallen wurde. Die Polizei hat in sieben Fällen verschiedene Banden aus Südfrankreich ermittelt.
Laut «Financial Times» haben unter anderem die Privatbank Pictet und der Rohstoffhändler Trafigura bei den Genfer Behörden Sicherheitsbedenken geäussert. Eine aktuelle Umfrage unter Unternehmen ergab: 70 Prozent nehmen eine Verschlechterung der Sicherheitslage in den vergangenen drei Jahren wahr. Das sind Nachrichten, die in der mobilen internationalen Geldelite schnell die Runde machen. (schweizheute.ch)
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