Wirtschaft
Schweiz

Weniger Millionäre ziehen in die Schweiz

An man looks through binoculars and smokes a cigar, pictured at the White Turf horse race, which takes place every winter on the frozen Lake St. Moritz, in St. Moritz, Canton of Grisons, Switzerland,  ...
Viele Reiche halten Ausschau nach einem steuergünstigen Zuhause. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

Weniger Millionäre ziehen in die Schweiz: Dieses Nachbarland ist plötzlich beliebter

Zwar bleibt die Schweiz ein Magnet für die Reichen dieser Welt. Aber statt 3000 Millionären wandern nur noch 1800 ein.
22.08.2026, 09:1222.08.2026, 09:12
Patrik Müller / ch media

Tiefe Steuern, politische Stabilität, Diskretion und Sicherheit locken Unternehmer, Erben und andere Vermögende in die Schweiz. Im letzten Jahr war jeder 30. Einwanderer Millionär. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab.

Im laufenden Jahr dürften nur noch rund 1800 Millionäre in die Schweiz ziehen – gegenüber 3000 im vergangenen Jahr. Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Hochrechnung von New World Wealth (NWW), die «Schweiz heute» vorliegt. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ist auf die Analyse globaler Vermögens- und Wanderungsbewegungen von (Dollar-)Millionären spezialisiert, sogenannten High-Net-Worth Individuals. Seine Schätzungen zur Millionärsmigration werden regelmässig von internationalen Medien aufgegriffen.

Damit würde der Nettozuzug innert eines Jahres um 40 Prozent zurückgehen. Andrew Amoils, Forschungschef von New World Wealth, sagt: «Die Schweiz ist aus steuerlicher Sicht nicht mehr so attraktiv wie früher.» Vermögende Personen orientierten sich verstärkt an anderen Niedrigsteuerstandorten, beispielsweise Monaco, Montenegro, Panama und den Cayman Islands.

Vor allem aber wächst die Rivalität direkt vor der Haustür: Italien. «Viele Vermögende aus Grossbritannien und Frankreich bevorzugen inzwischen Italien gegenüber der Schweiz», sagt Amoils. Das Land lockt zuziehende Vermögende mit einer Pauschalbesteuerung ihrer ausländischen Einkünfte.

Italienische Pauschalsteuer hat Zugkraft

Auch verschiedene Schweizer Kantone kennen zwar eine Pauschalbesteuerung, aber Italien bietet aggressivere Steuersparmodelle an. Das südliche Nachbarland bildete zusammen mit den USA und den Vereinten Arabischen Emiraten schon 2025 das beliebteste «Fluchtziel» für Millionäre.

A crustacean on ice pictured at the White Turf horse race, which takes place every winter on the frozen Lake St. Moritz, in St. Moritz, Canton of Grisons, Switzerland, on February 19, 2017. (KEYSTONE/ ...
Gibt es für diese Köstlichkeit bald mehr Nachfrage in Italien, als am White Turf in St.Moritz? Bild: KEYSTONE

2025 war die Schweiz auf Platz vier, nun rutscht sie ab. Isoliert betrachtet hat sie zwar keineswegs an Attraktivität verloren. Steuern wurden nicht erhöht, die Juso-Initiative für Erbschaftsteuern abgelehnt. Aber entscheidend ist immer die relative Wettbewerbsfähigkeit, und andere Standorte haben zugelegt.

Das Beratungsunternehmen PWC Schweiz hat eine Abteilung, die vermögende Personen bei internationalen Wohnsitzverlegungen berät. «Wir beobachten keinen Rückgang der Anfragen, aber auch keinen spürbaren Anstieg», sagt Lisa Cornwell, Partnerin und Leiterin des Bereichs Privatkunden und Family Offices bei PwC Schweiz.

Cornwell bestätigt jedoch: «Italien wird durch seine Pauschalsteuer ein grösserer Konkurrent der Schweiz.» Die stabilen Regelungen und die auf den ersten Blick niedrigeren Kosten ermöglichten manchen vermögenden Familien einen «einfacheren Einstieg». Die PwC-Spezialistin stellt fest, dass Unternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz durch die Vermögenssteuer stark belastet werden können – «vor allem, wenn sie zur Steuerzahlung Dividenden aus ihrem Unternehmen entnehmen müssen». Deshalb erhalte PwC vermehrt Anfragen von solchen Unternehmern, die auch Italien als Alternative prüfen.

Raubüberfälle auf Villen am Genfersee

Allerdings gibt es grosse kantonale Unterschiede. Cornwell sagt, die Niedrigsteuerkantone Zug, Schwyz, Luzern, Nidwalden und Obwalden seien nach wie vor am beliebtesten. Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) bestätigt: «Wir ziehen ungebrochen vermögende Personen an, zuletzt auch aus den Golfstaaten.» Insbesondere Dubai hat wegen des Golfkriegs an Sicherheit verloren. Tännler sagt aber auch, Italien und insbesondere die Region Mailand seien ernsthafte Konkurrenten.

Beverages and snacks pictured at the White Turf horse race, which takes place every winter on the frozen Lake St. Moritz, in St. Moritz, Canton of Grisons, Switzerland, on February 19, 2017. (KEYSTONE ...
Wo knallt der Champagner am lautesten?Bild: KEYSTONE

Sicherheit gilt als Trumpf der Schweiz. Umso mehr erstaunen Schlagzeilen aus der Genferseeregion über eine Serie von Überfällen auf wohlhabende Bewohner. Die britische «Financial Times» berichtete letzte Woche über sogenannte «Homejackings»: Täter dringen in Villen ein, bedrohen die Bewohner teilweise mit Waffen und rauben Uhren und Schmuck. Zu den prominenten Opfern gehört der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost, dessen Haus bei Nyon von maskierten Tätern überfallen wurde. Die Polizei hat in sieben Fällen verschiedene Banden aus Südfrankreich ermittelt.

Laut «Financial Times» haben unter anderem die Privatbank Pictet und der Rohstoffhändler Trafigura bei den Genfer Behörden Sicherheitsbedenken geäussert. Eine aktuelle Umfrage unter Unternehmen ergab: 70 Prozent nehmen eine Verschlechterung der Sicherheitslage in den vergangenen drei Jahren wahr. Das sind Nachrichten, die in der mobilen internationalen Geldelite schnell die Runde machen. (schweizheute.ch)

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158 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kobL
22.08.2026 09:34registriert Januar 2014
Jaja, die tolle Pauschalbesteuerung. Die Pauschalbesteuerten in AI bezahlen im Schnitt offenbar nur 10 mal so viel Steuern als ich mit meinem Einkommen <100k. Darunter ist der eine oder andere Milliardär. Tax the rich! Reiche sind für mich erst dann wieder willkommen, wenn sie gleich besteuert werden wie jeder andere auch.
28122
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Only G
22.08.2026 09:43registriert Dezember 2016
„hohe Belastung durch Vermögenssteuer“… was für ein Hohn! Am teuersten ist Genf mit 0.86%! Das sind 86‘000 auf 10 Mio! Aber ja, das Einkommen wurde durch die armen Vermögenden mit die Pauschalbesteuerung ja schon mal versteuert…. 🤢
21021
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flausch
22.08.2026 09:31registriert Februar 2017
Tja, der Steuerwetbewerb Macht die Reichen reicher und die Armen ärmer. Am Ende leiden ganze Staaten darunter, während die Reichen auf irgendeiner Insel rumsitzen und sich all dass gönnen was ein Normalsterblicher nicht tun könnte oder würde. Es ist eine Klassengesellschaft in der jeder nach unten tritt, nur dass ein Paar wenige Mehrbessere in Sausa und Braus leben können, ohne jemals zur rechenschaft gezogen zu werden.
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