55 Millionen weg: Das Spielzeug reicher Jungs erhält frisches Kapital
Die getunten Motoren unter den optisch gepimpten Karosserien der Ares-Luxusfahrzeuge heulen laut auf. Zumindest medial. Denn seit gut zehn Jahren steht der extravagante Auto-Tuner aus dem norditalienischen Modena angeblich kurz vor dem Durchbruch. Vor zwei Jahren schwärmte die «Weltwoche» zuletzt von der Eigenentwicklung, dem Ares S1, einem Supersportwagen, der demnächst in Kleinserie gehe.
Doch die Realität war damals bereits eine andere. Die prestigeträchtigen Showrooms in Zürich und St.Moritz wurden in dieser Zeit geschlossen. Letztere wurden von der Bündner Kantonspolizei sogar versiegelt. Denn finanziell war der italienischen Manufaktur mit schweizerischem Kapital der Sprit ausgegangen.
Dabei zählen die ausgewählten Investoren zur Schweizer Wirtschaftsprominenz: Denner-Erbe Philippe Gaydoul gehörte seit 2021 dazu, Banker Boris Collardi seit 2022. Der Bündner Dany Bahar, der zuvor mehr oder weniger erfolgreich bei Red Bull, Ferrari und Lotus tätig war, hatte sie als Gründer für den Bubentraum motiviert.
Ein Fall für die italienischen Gerichte
Bahar startete 2014 mit Ares. Der kanadische Staatsbürger Waleed Al Ghafari stand ihm als Mentor und Geldbeschaffer zur Seite. Dieser verfügt angeblich über beste Kontakte in die arabische Golfregion, einen bevorzugten Absatzmarkt der Ares-Boliden. Er ist aber auch in der Schweiz aktenkundig. So etwa als Mitbeteiligter an der Technologie-Gruppe Tronic, die vor einem Vierteljahrhundert in einem Millionengrab endete.
Was heute offensichtlich ist: Ares lag 2024 am Boden. Die italienische Fachpublikation «Carozzieri Italiani» hat die Geschichte nacherzählt. Im April 2024 wurden die Löhne nicht mehr bezahlt. Im Juli wurde ein gerichtliches Sanierungsverfahren eingeleitet. Die verbliebenen Angestellten waren ab September freigestellt. Im November sollte eine Finanzspritze wirken, sie traf nicht ein.
Erst im Frühjahr 2025 wurde in Mailand mit der Ares Operations eine Auffanggesellschaft gegründet. Die ehemals operativ tätigen Ares-Firmen wurden in Plutone und Saturno umbenannt und in Liquidation gesetzt. Die noch in den Werkhallen stehenden Fahrzeuge wurden auf Onlineplattformen verhökert.
Aus den Trümmern ein «Rinascita di Ares»
Nun ist bekannt geworden, dass die Markenrechte und technisches Know-how aus der Konkursmasse herausgekauft wurden und als «Rinascita di Ares» zur Wiederbelebung des Auto-Traums beitragen sollen.
Zu den Käufern gehört gemäss der italienischen Plattform Pianeta Motori erneut der Banker Boris Collardi. Zusammen mit der Proma Group, einem süditalienischen Autobauteil-Produzenten, habe er die Mehrheit an der neuen Eigentümerschaft übernommen. Die Proma Group erreicht einen jährlichen Umsatz von rund einer Milliarde Euro und rettete zuletzt den deutschen Luxus-Autositz-Produzenten Recaro Automotive Deutschland vor dem Konkurs.
Das neue Management verspricht eine «solidere und besser organisierte Industriestruktur», um in der Welt der «massgefertigten Supersportwagen» zu bestehen. Collardi sagt auf Anfrage, er sei überzeugt, dass Ares unter neuen Vorzeichen und Voraussetzungen eine positive Entwicklung nehmen kann. Grundsätzlich gebe es einen Markt für Ares.
Ein Abschreiber von mindestens 55 Millionen
Das Nachsehen haben Geldgeber wie Gaydoul, die in den vergangenen Jahren über die Schweizer Ares Invest den Auto-Traum mit Darlehen über Wasser gehalten haben. Aus dem Handelsregister geht hervor, dass über die Jahre Forderungen von über 55 Millionen Franken mit jeweils neuen Aktien verrechnet wurden. Das Geld dürfte weg sein.
Im Februar hat sich die Revisionsstelle aus der Firma abgemeldet. Bahar und Al Ghafari sind die einzig verbliebenen Verwaltungsräte der Ares Invest und einer Schwesterfirma. Im April hat das Zuger Handelsregister beiden Gesellschaften eine Zwangsliquidation angekündigt, wenn die Organisationsmängel nicht behoben würden. Geschehen ist seither nichts. (schweizheute.ch)
