Wirtschaft
Schweiz

Lex UBS: Ständeräte schwächen Bundesrat-Vorschlag ab

Staenderat Erich Ettlin, Mitte-OW, Praesident von der Kommission fuer Wirtschaft und Abgaben des Staenderats, WAK-S, spricht an einem Point de Presse, am Montag, 31. August 2026 in Bern. Die Kommissio ...
Erich Ettlin präsentierte die Ergebnisse seiner Kommission.Bild: keystone

Ständeratskommission stellt sich gegen Bundesrat – und kommt UBS entgegen

31.08.2026, 18:1631.08.2026, 22:10

Systemrelevante Banken sollen Auslandsbeteiligungen nicht zu 100 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen müssen. Die zuständige Ständeratskommission will die Eigenkapital-Regeln für systemrelevante Banken zwar verschärfen, aber auf einem anderen Weg als der Bundesrat.

Der Bundesrat schlägt in der Revision des Bankengesetzes vor, dass systemrelevante Banken Beteiligungen im Ausland vollständig mit hartem Kernkapital unterlegen müssen. Die UBS wehrte sich heftig gegen dieses Ansinnen.

Bundesraetin Karin Keller-Sutter spricht an einer Medienkonferenz zur Vernehmlassung zur Aenderung des Bankengesetzes und der Liquiditaetsverordnung 12. August 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider ...
Finanzministerin Karin Keller-Sutter will, dass die UBS stärker reguliert wird.Bild: keystone

Die Mehrheit der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates (WAK-S) will das Too-big-to-fail-Dispositiv nun aber anders verschärfen. Dafür beantragt sie einerseits eine Unterlegung der Auslandbeteiligungen zu 50 Prozent mit hartem Kernkapital statt wie aktuell mit 45 Prozent, wie Kommissionspräsident Erich Ettlin (Mitte/OW) am Montag in Bern vor den Medien ausführte. Bisher galt: 45 Prozent Kernkapital plus 15 Prozent in AT1-Anleihen.

AT1-Anleihen neu gestalten

Für die anderen 50 Prozent sollen die Banken zusätzliches Kernkapital in Form von AT1-Anleihen (Additional Tier 1) einsetzen dürfen. Es dürfe dabei kein anderes Fremdkapital als AT1 eingesetzt werden, sagte Ettlin.

AT1-Anleihen sind hoch verzinste Anleihen, die bei einer gravierenden Schieflage der Bank entweder in Eigenkapital umgewandelt oder aber für wertlos erklärt werden.

Die Kommission habe die Kritik aufgenommen, wonach im Fall der CS mit AT1 zu spät reagiert worden sei, sagte Ettlin. Die WAK-S wolle, dass sie früher zum Tragen kommen als seinerzeit bei der CS. Konkret erhöhte die Kommission die Schwelle beim harten Eigenkapital, ab der ein Handeln bei den AT1 ausgelöst wird.

Diesen variablen Trigger will die WAK-S bei etwa elf Prozent des harten Eigenkapitals setzen statt wie heute bei rund sieben Prozent. Sinke das harte Eigenkapital unter diese Schwelle, muss die Bank reagieren. Die Kommission will ihr mehrere Elemente vorschreiben, als Automatismus.

Automatismus vorschreiben

Zunächst dürfen an AT1-Gläubigerinnen und -Gläubiger keine Zinsen mehr ausbezahlt und AT1-Anleihen auch nicht mehr zurückbezahlt werden. Dividendenzahlungen an Aktionäre müssen gestoppt werden, und es sind keine Kapitalrückzahlungen mehr erlaubt. Boni und variable Vergütungen muss die Bank zudem reduzieren.

In welchem Ausmass das zu geschehen hat, muss die Finanzmarktaufsicht Finma festlegen. Es wäre sogar möglich, so Ettlin, dass die Boni und Vergütungen auf Null gesetzt werden. Das Stammhaus muss zudem ausreichend finanziert sein.

Kommt die Bank innerhalb von sechs Monaten nicht zurück über die Schwelle beim harten Eigenkapital, müssen weitere Massnahmen folgen. Eine davon ist, AT1 in hartes Eigenkapital umzuwandeln.

Der WAK-S-Präsident sprach von einem Kompromiss und einer Verschärfung. Diese sei zudem international abgestimmt. Der Finanzplatz werde mit dem Vorschlag der Mehrheit der WAK-S sicherer. Ein Minderheitsantrag für eine Eigenkapital-Unterlegung von 90 Prozent von Auslandsbeteiligungen sei abgelehnt worden.

«Kein Geschenk für die UBS»

Ein Geschenk an die UBS sei der von der Kommission mit 10 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung verabschiedete Vorschlag nicht, betonte Ettlin. Denn: «Die AT1 werden teuer.» Es sei aber nicht klar, wie viel das für die UBS sein werde.

«Wir wollen die Steuerzahlenden schützen, aber ebenso wollen wir, dass die Wirtschaft nicht unter zu grosser Regulierung leidet»

Müsste die UBS Auslandstöchter wie etwa die UBS Americas vollständig mit hartem Kernkapital unterlegen, wie es der Bundesrat beantragt, würde sie das rund 22 Milliarden Dollar kosten. Dies würde laut der UBS zu deutlich höheren jährlichen Kapitalkosten und damit zu einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit führen.

«Wir wollen die Steuerzahlenden schützen, aber ebenso wollen wir, dass die Wirtschaft nicht unter zu grosser Regulierung leidet», sagte Ettlin. Auch will die WAK-S die Banken zu einem Sozialplan verpflichten.

Der Ständerat wird die Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken in der Herbstsession behandeln. Noch nicht für das Plenum verabschieden konnte die WAK-S die ebenfalls traktandierte Vorlage für die gesetzliche Verankerung der staatlichen Liquiditätshilfe für systemrelevante Banken, den sogenannten Public Liquidity Backstop. (hkl/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Embolo kritisiert SFV nach Nati-Verbot: «Ein ganz anderer Fall als bei Granit»
Breel Embolo sorgte zuletzt mit einem publik gewordenen Strafbefehl wegen gefälschter Corona-Tests und seiner temporären Nati-Absenz für Aufsehen. Nun kritisiert der 29-Jährige den Verband deutlich. Auch zur roten Karte an der WM äussert er sich.
Breel Embolo sorgt regelmässig für Kontroversen. Mehrfach wurde der Natistürmer verurteilt, wegen Urkundenfälschung oder Drohungen. Gleichzeitig war er in den vergangenen Jahren eine wichtige Figur in der Schweizer Nati, er lief bereits 92 Mal im roten Trikot auf und verbuchte dabei 46 Torbeteiligungen. In einem Interview mit Schweiz Heute spricht Embolo nun über diverse Episoden, die in der Schweiz für Aufregung sorgten.
Zur Story