Die UBS ist nicht alleine: Warum Grossbanken gerade alle Rekorde brechen
Die Welt ist unsicher – aber die grossen Banken finden viele Wege, trotzdem sehr viel Geld zu machen. Exemplarisch zeigt das auch der Fall der UBS, die am Mittwochmorgen ihre Quartalszahlen veröffentlichte.
Die Grossbank erzielte in den Monaten von April bis Juni einen Reingewinn von 2,8 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Nun ist die UBS seit der bald abgeschlossenen Integration der Credit Suisse (CS) zwar ein Sonderfall. Schaut man sich aber genauer an, woher ihre hohen Gewinne kommen, und vergleicht man diese mit anderen grossen Banken, dann wird schnell klar: Für sämtliche Grossbanken erleben aktuell grossartige Zeiten.
Die grössten Banken der USA – JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo – erzielten im zweiten Quartal zusammen einen Gewinn von mehr als 49 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt über den Schätzungen der Analysten.
Natürlich herrschen in den USA noch einmal andere Grössenverhältnisse – gleichzeitig arbeitet die UBS aber mit ihren Expansionsplänen in den USA daran, den Abstand zur Konkurrenz an der Wall Street zu verringern. Eines haben die Finanzinstitute aber alle gemeinsam: Sämtliche derzeit ausgewiesenen Zahlen stellen Rekorde dar.
Warum purzeln die Rekorde, obwohl derzeit so viel als ungewiss oder gar krisenbehaftet gilt? Zumindest die UBS gibt sich bei der Präsentation ihrer Quartalszahlen gewohnt vorsichtig optimistisch – dürfte doch mit zunehmendem Gewinn der Druck auf ihre Argumente, wonach die drohende Regulierungsverschärfung sie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit bedroht, ebenfalls zunehmen.
Laut UBS würden die aktuellen geopolitischen Entwicklungen und die volatilen Energiepreise zu «Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Inflations- und Zinsentwicklung führen». Trotzdem:
Was die UBS genau damit meint und was es ist, das den Grossbanken derzeit so in die Karten spielt, zeigen folgende fünf Punkte:
KI-getriebener Finanzierungsboom
Der Boom in der KI-Branche beflügelt nicht nur die Aktienkurse, insbesondere in den USA, China, Korea und Taiwan. Er führt auch generell zu einem Finanzierungsboom: Für ihre Investitionen in die KI-Infrastruktur bewegen die Tech-Giganten Milliarden an den Finanzmärkten, dafür erhöhen sie ihr Eigenkapital oder verschulden sich mittels Fremdfinanzierung und geben Anleihen aus – alles Prozesse, bei denen die Banken beteiligt sind und kräftig daran verdienen.
Die Bedürfnisse der Unternehmen hätten sich «über Kerntechnologien und Infrastruktur, Energie und Rechenzentren hinaus ausgeweitet und einen Welleneffekt in allen Branchen ausgelöst», sagte Goldman-Sachs-CEO David Solomon. Der Ausbau befinde sich «noch in einem frühen Stadium» und dürfte weitere Finanzierungen und andere Aktivitäten nach sich ziehen.
Zu den hohen Gewinnen im Zusammenhang mit KI-Finanzierung sagte Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, bezeichnenderweise:
Allerdings fügt er hinzu: «Wir wissen nur nicht, wie lange das noch so bleiben wird.»
Der SpaceX-Börsengang
Dieser Punkt scheint auf den ersten Blick etwas ironisch: Während die meisten Anlegerinnen und Investoren in SpaceX-Aktien seit dessen Rekord-Börsengang im Juni nämlich eher Geld verloren als gewonnen haben dürften, befinden sich die Einnahmen der grossen Banken längst in trockenen Tüchern.
Die SpaceX-Aktie taucht immer weiter
Expertinnen und Analysten sind sich einig, dass die Quartalszahlen der am Börsengang beteiligten Banken dadurch einen merklichen zusätzlichen Boost erhielten.
Dies, indem sie Gebühren verlangen. Bei einem Börsengang wird ein Privatunternehmen im Rahmen eines strukturierten Prozesses an die Börse gebracht: Das Unternehmen wählt dafür einen sogenannten Underwriter (auf Deutsch: Konsortialbank oder Emissionsbank) aus. Bei grossen Börsengängen sind das Investmentbanken, die den gesamten Prozess betreuen – vom Einreichen von Formularen über das Anwerben von institutionellen Anlegern bis hin zur Festlegung des Ausgabepreises der Aktie und zum Aufnehmen des Handels. Im Gegenzug erhalten sie – normalerweise – Gebühren in Höhe von etwa drei bis sieben Prozent des Gesamterlöses.
SpaceX zahlte insgesamt lediglich 0,73 Prozent an Gebühren. Dies wohl deshalb, weil die Banken sich gegenseitig unterboten, um Teil des 23-köpfigen Konsortiums von Emissionsbanken sein zu dürfen. Angesichts der Grösse des Börsengangs hat sich der Deal für die Banken dennoch gelohnt. Goldman Sachs, die den Börsengang von SpaceX leitete, konnte ihre Provisionen aus der sogenannten Emissionsbetreuung mehr als verdoppeln und auf fast eine Milliarde US-Dollar steigern. Auch die UBS war übrigens Teil des Konsortiums.
Hohe Volatilität und teure Gebühren
Die Monate nach Beginn des Iran-Krieges waren geprägt von hohen Energiepreisen und viel Unsicherheit. Beides stellt sich für die Wall Street jedoch als lukrativ heraus. Die Unsicherheit führte zu einer vergleichsweise hohen Volatilität an den Börsenmärkten, die also grössere Ausschläge gegen oben und unten aufwies. Das bedeutet: viel Bewegung, ein stetiges Verschieben, Unmengen von Käufen und Verkäufen von Aktien, Anleihen und so fort. Und da die Grossbanken anhand von Gebühren an jeder Bewegung mitverdienen, sind es insbesondere die Erlöse durch den Aktienhandel, die deutlich stärker ausfielen als von Analysten erwartet worden war.
Hinzu kommt, dass Banken diese Gebühren seit Monaten anheben. Laut Daten der englischen Börse beliefen sich die weltweiten Bankgebühren in den ersten sechs Monaten des Jahres auf 79,9 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2025.
Alle diese bisher genannten Punkte haben auch der UBS in die Hände gespielt: Die Umsätze der Investmentbank der UBS Group stiegen um 26 Prozent, was laut UBS sowohl auf das Handelsgeschäft als auch auf den Beratungsbereich zurückzuführen ist. Die Umsätze aus der Unterstützung von Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung und dem Verkauf von Anleihen stiegen um 55 Prozent, während die Umsätze aus dem Aktienhandel einen Zuwachs von 53 Prozent verzeichneten.
Mehr Fusionen und Übernahmen
Auch hier hat die KI ihre Finger im Spiel, zwar nicht ausschliesslich, aber dennoch beträchtlich: Weltweit steigt die Anzahl an Fusionen und Übernahmen, getrieben unter anderem durch eine Vielzahl an neuen KI-Unternehmen. Ähnlich wie bei den Börsengängen verdienen die Grossbanken auch hierbei durch Beratungshonorare und Finanzierungsdienstleistungen.
Laut Wall Street Journal hat das Volumen der Fusionen und Übernahmen im ersten Halbjahr in den USA um 72 Prozent und weltweit um 45 Prozent zugenommen – beide Werte sind heute auf einem Rekordhoch.
Deregulierung
Zu guter Letzt ist es die Deregulierungswelle, die derzeit unter der Trump-Administration stattfindet, die den Banken weiteren Spielraum für Profite gewährt. So gibt es heute weniger Kapitalauflagen, welche Grossbanken befolgen müssen. Zudem hat die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ihre bisherige skeptische Haltung gegenüber Kryptowährungen aufgegeben und verfolgt jetzt einen klar offeneren Ansatz gegenüber den entsprechenden Märkten sowie generell der digitalen Finanzwelt.
«Durch die Deregulierung wurden den Banken [...] finanzielle Mittel freigesetzt, sodass sie mehr Kapital in ihr Handelsgeschäft investieren und mehr Geschäfte für ihre Kunden finanzieren können», resümiert die Financial Times.
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