«Kassensturz» testet Kindervelos – günstige Modelle schneiden schlechter ab
Ob mit dem Mountainbike in den Bergen oder dem Rennrad auf den Strassen, Velofahren liegt in der Schweiz bereits seit Jahren im Trend und zählt zu den meistausgeübten Sportarten im Land. Genauer gesagt ist es die zweitbeliebteste Sportart in der Schweiz, wie die jüngst veröffentlichte Studie Sport Schweiz des Bundesamts für Sport (BASPO) erst kürzlich bestätigte.
Die Begeisterung fürs Velofahren beginnt dabei oft schon im Kindesalter. Doch gerade für junge Fahrerinnen und Fahrer ist die Wahl des richtigen Velos entscheidend. Die Sendung Kassensturz» des Schweizer Fernsehens hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem TCS und dem Velojournal zehn der meistverkauften Kindervelos mit einer Radgrösse von 20 Zoll getestet.
Dabei bewerten die Expertinnen und Experten von TCS und Velojournal die Ausstattung der Fahrräder, die Ergonomie sowie das Gewicht der Bikes. Für den Praxis-Test setzt Kassensturz derweil auf die Expertise von zehn velobegeisterten Kindern des Radrennclubs Bern im Alter von fünfeinhalb bis sieben Jahren.
Gewicht besonders relevant bei Kindern
Da sich Kinder verständlicherweise weniger für die Schaltkomponenten der Bikes als für das Aussehen der Zweiräder interessieren, wurden die Velos vor dem Test komplett abgeklebt, um so eine Beeinflussung der Bewertung durch Farbe oder Design zu verhindern.
Beim Praxistest von «Kassensturz» mussten die Kinder die Velos in verschiedenen Alltagssituationen auf die Probe stellen: Sie hoben sie über einen liegenden Baumstamm, testeten die Bremsleistung mit einer Vollbremsung im steilen Gelände und absolvierten einen Slalom sowie eine Schwelle.
Dabei zeigten sich gemäss Kassensturz besonders beim Gewicht grosse Unterschiede. Das Modell Stargirl der Marke Stitch vom Onlinehändler Gonser war mit 11 Kilo das schwerste und günstigste Kindervelo im Vergleich. Tester Youri mühte sich sichtlich ab, das Bike über den Baumstamm zu heben, wiegt dieses doch mehr als die Hälfte des Körpergewichts eines durchschnittlichen Fünfjährigen.
Weiter bemängelte die Fachjury den komplexen Erstaufbau des Bikes sowie ein kleines Schaltspektrum. Das bedeutet, dass der Unterschied zwischen dem kleinsten und höchsten Gang gering ist und die Möglichkeit, bei steilen Bergauf Passagen in einen deutlich leichteren Gang zu schalten, begrenzt ist. Damit belegt das Bike den letzten Platz im Kassensturz-Test.
In einer Stellungnahme gab Gonser an, eine Optimierung des Modells prüfen zu wollen. Gut, hinsichtlich des Schaltspektrums, schnitt gemäss der Expertin Aline Künzler vom Fachmagazin Velojournal das Modell Chameleon 20 von Naloo ab. Dieses verfügt über acht Gänge, womit sich auch grössere Anstiege gut bewältigen lassen. Am schlechtesten bezüglich der Schaltung schnitt das Modell Rascal 20 von Rascal Bikes ab.
Bremssystem nicht ausschlaggebend
Beim Bremstest von Kassensturz zeigte sich, dass weniger das Bremssystem als die Bremshandhabung bei Kindern entscheidend ist. So erfüllten alle acht Velos mit Felgenbremsen wie auch die zwei Velos mit Scheibenbremsen den Bremsweg-Test. Beim Modell Explorer 900 R von Rockrider ist der Abstand zum Bremshebel jedoch zu gross, was die Bedienung erschwert.
Weiteren Abzug erhält das Modell von Rockrider für sein schweres Gewicht. Das bei Decathlon erhältliche Kindervelo belegt damit den zweitletzten Platz im Test. Auch das Modell Ls-Pro von Hersteller Puky bekam beim Bremstest Abzüge, da die Kinder zu viel Kraft aufwenden mussten, um eine ordentliche Bremsleistung aufzubringen.
Kassensturz Kindervelo-Test
Ein weiteres Kriterium im Kassensturz-Test ist die Ergonomie, also die Einstellmöglichkeiten der Bikes. Dabei geht es vor allem darum, wie gut die Velos durch einen verstellbaren Sattel und Lenker mit den Kindern mitwachsen können. Hier punktete vorallem das Modell Contrail 200 des Sportartikelherstellers Scott.
Im Slalomtest zeigte sich, dass die Einschätzungen der Expertinnen und Experten zur Handhabung, sich grösstenteils mit den Rückmeldungen der Kinder decken, wie der Co-Testleiter Stefan Eichenberger vom TCS erklärte. Am besten abgeschnitten haben zwei der drei teuersten Modelle im Test.
Testsieger überzeugt durch Einstellmöglichkeiten und Gangschaltung
Den ersten Platz belegt das Modell Numove 200 Disc des Herstellers Cube, gekauft bei Bikester.ch für 599 Franken. Besonders überzeugen konnte das Kindervelo durch die Einstellbarkeit der Bremshebel, die Bremsleistung, ein grosses Schaltspektrum sowie die guten Anpassungsmöglichkeiten des Bikes an die Körpergrösse des Kindes.
Auf dem zweiten Platz liegt das Modell Go 4 des Herstellers Woom, gekauft bei Woom.ch für 609 Franken. Das Rad punktete vor allem durch sein leichtes Gewicht sowie ebenfalls durch die guten Einstellmöglichkeiten. Auch das Modell Contrail 200 von Scott für 449 Franken wusste im Test zu überzeugen.
Die Resultate in der Übersicht:
- Cube Numove 200 Disc / Bikester.ch
Preis: 599.-
Punkte: 77/100
Urteil: Gut - Woom Go 4 / Woom.com
Preis: 609:-
Punkte: 77/100
Urteil: Gut - Scott Contrail 200 / Ski- und Velocenter Bern
Preis: 449.-
Punkte: 73/100
Urteil: Gut - Naloo Chameleon 20 / Proudy-Bike.ch
Preis: 549.-
Punkte: 72/100
Urteil: Gut - EarlyRider Belter 20 / CH.Earlyrider.com
Preis: 599.-
Punkte: 72/100
Urteil: Gut - Flizzi 20 Riemen / Veloplus.ch
Preis: 649.-
Punkte: 70/100
Urteil: Gut - Rascal Bikes Rascal 20 / Galaxus.ch
Preis: 539.-
Punkte: 68/100
Urteil: Gut - Puky Ls-Pro / Galaxus.ch
Preis: 393.46
Punkte: 64/100
Urteil: Gut - Rockrider Explore 900 R / Decathlon.ch
Preis: 349.90
Punkte: 61/100
Urteil: Gut - Stitch Stargirl / Gonser.ch
Preis: 129.90
Punkte: 56/100
Urteil: Genügend
Das Testurteil gut im Kassensturz-Test erhielten derweil neun von zehn getesteten Kindervelos, lediglich das schwerste Modell im Test, das Velo von Gonser schnitt mit dem Gesamturteil genügend ab. Zum Schluss bekräftigten die Expertin und der Experte von Velojournal und TCS, dass es wichtig sei, Kinderbikes von den Kindern selbst probefahren zu lassen.
Dabei der gelte es vor allem auf die sogenannte Überstandshöhe zu achten, also die Höhe von Fahrradstange zu Boden. Ist diese zu hoch, kommt das Kind mit den Füssen nicht auf den Boden. Da diese Zahl meist nicht angegeben wird, lohne sich stets ein Besuch beim Velohändler oder der Velohändlerin. (jul)
