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Arbeitsrecht: Rechtsschutz-Fälle am Arbeitsplatz nehmen zu

Junge Frau im Büro vor Laptop hält sich den Kopf (Symbolbild)
Immer mehr Konflikte am Arbeitsplatz werden zum Fall für die Rechtsschutzversicherung. Bild: imago-images.de

Arbeitszeugnis, Kündigung, Fürsorgepflicht – diese Jobkonflikte häufen sich

23.07.2026, 12:4523.07.2026, 12:45

Fälle von Konflikten am Arbeitsplatz haben gemäss Zahlen der Rechtsschutzversicherung Axa-Arag im vergangenen Jahr stark zugenommen, wie das Schweizer Fernsehen berichtet. So seien die Zahlen bei Konflikten rund um das Thema Arbeitszeugnisse im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent angestiegen.

Rechtsschutzfälle zum Vorwurf der missbräuchlichen Kündigung nahmen bei Axa-Arag um 26 Prozent zu und Fälle, in denen Angestellte ihren Vorgesetzten eine Verletzung der Fürsorgepflicht vorwerfen, um gar 36 Prozent. Auch die Rechtsschutzversicherung Dextra verzeichnet gesamthaft einen Anstieg bei arbeitsrechtlichen Fällen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Spardruck, mobiles Arbeiten und Erwartungen von Expats könnten Gründe sein

Über die Gründe für den Anstieg lässt sich aktuell nur mutmassen. Die Axa-Rechtsanwältin Alina Totoescu nennt gegenüber SRF den steigenden Druck auf Mitarbeitende durch einen erhöhten Spardruck bei immer mehr Firmen als einen möglichen Grund. Die Rechtsanwältin sieht eine weitere Ursache für den Anstieg der Fallzahlen in der mangelnden Gesprächsbereitschaft zwischen den Mitarbeitenden und deren Vorgesetzten: «Das gegenseitige Vertrauen fehlt oft», so Totoescu.

Claudia Stamm, Geschäftsführerin der privaten «Fachstelle Mobbing und Belästigung» sieht in den veränderten Bedingungen am Arbeitsplatz durch Home-Office-Regelungen und mobile Arbeitsweise ebenfalls grosses Konfliktpotenzial: «Firmen sind in diesem Kontext oft überfordert darin, Mitarbeitende so zu führen, wie diese es erwarten.», so Claudia Stamm in der Sendung «10vor10».

In ihrer Berufspraxis erlebt auch Anna Neukom, Fachanwältin für Arbeitsrecht, eine Zunahme von rechtlichen Streitigkeiten innerhalb von Anstellungsverhältnissen. Dazu würde auch der immer internationaler werdende Arbeitsmarkt beitragen: «Es gibt seitens Expats mehr Klagen – in Erwartung, dass man bei einer Kündigung Anspruch auf Entschädigungszahlungen des Arbeitgebers hat», so Neukom gegenüber SRF.

Da es im Rahmen der europäischen Rechtsordnung öfters zu Abgangsentschädigungen komme, würden viele Expats eine solche auch in der Schweiz im Fall einer Kündigung erwarten. Oft hätten diese gemäss Schweizer Recht jedoch keinen Anspruch auf diese Entschädigungen, so Neukom.

Mehr Fälle bedeuten nicht mehr Verstösse, sagt der Arbeitgeberverband

Daniela Lützelschwab ist Leiterin des Ressorts Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim Arbeitgeberverband. Sie sagt, die Firmen würden solche Fälle immer ernst nehmen und auch das Gespräch mit den Mitarbeitenden suchen. Nur weil es jedoch mehr Fälle gebe, bedeute das nicht zwingend, dass Firmen ihre Fürsorgepflicht auch öfters verletzen: «Wahrscheinlich gehen mit der Versicherung im Rücken viele davon aus, ein besseres Ergebnis herauszuholen.»

Der Arbeitsrechtsprofessor Roger Rudolph der Universität Zürich fügt an, dass die Gerichte heute Konflikte öfters als eine Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers auslegen, als dies früher der Fall war. Dies könne einen Teil des Anstiegs der Fälle in diesem Bereich um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr erklären. Fälle, in denen beispielsweise ältere Mitarbeiter entlassen werden, würden heute öfters als Verletzung der Fürsorgepflicht verhandelt werden so Rudolph im Beitrag von «10vor10». (jul)

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