KI und Arbeit – zwischen produktivitätssteigernd und ersetzbar
Einige Jobs werden augmentiert, also durch den Einsatz von KI verändert, einige andere werden automatisiert.
In den letzten drei Jahren sind die möglichen Aufgaben, die von KI-Modellen gelöst werden können, um einiges komplexer geworden. Während OpenAIs GPT-2 noch mit einfachen Such- und Sortieraufgaben klargekommen ist, können moderne Modelle wie Anthropics Claude Mythos komplexe Softwareentwicklungsaufgaben übernehmen.
Das US-Forschungsinstitut METR hat in einer neuen Studie verschiedene Zeithorizonte für die Aufgabenbewältigung von öffentlich zugänglichen KI-Modellen untersucht. Die Aufgaben wurden den Modellen in einzelnen Paketen gegeben. Für die Einschätzung der Komplexität dient eine Schätzung der Arbeitszeit, wie lange eine Expertin oder ein Experte für die gleiche Arbeit benötigen würde.
Die Daten zeigen, dass grosse Sprachmodelle (LLMs) vor drei Jahren nur in der Lage waren, Aufgaben zuverlässig zu erledigen, für die Menschen wenige Sekunden oder einige Minuten brauchten. Mittlerweile sind sie zunehmend in der Lage, ziemlich komplexe Aufgaben zu bewältigen, die etwa eine Stunde dauern.
Die Aufgaben, die das Forschungsinstitut den KI-Modellen gestellt hat, sind alle im Softwareentwicklungsbereich, aber diese Muster sind auch in anderen Jobs bereits sichtbar.
Weniger Jobs, mehr KI
Branchen, die stark von KI gefährdet sind, wie der Kundenservice, die Kreativindustrie, Anwältinnen und Anwälte oder die Finanzbranche, erleben bereits einen Rückgang der Anzahl Jobs, wie eine Analyse der Stanford-Universität zeigt.
Über vier Jahre haben die Forscherinnen und Forscher Jobs, die stark von KI bedroht sind, mit Arbeit in Sektoren, die wenig von KI bedroht sind, wie die Kinderbetreuung, der Gesundheitsbereich oder Coiffeure, verglichen.
Die Analyse der Stanford-Universität zu Lohn- und Anstellungsdaten von US-Beschäftigten zeigt, dass der Anstellungsgrad der 22- bis 25-Jährigen seit der Veröffentlichung von ChatGPT um 2,7 Prozent zurückgegangen ist. Bei Jobs, die stark durch KI-Automatisierung gefährdet sind, bis zu 12,8 Prozent.
In den OECD-Ländern sieht es ähnlich aus, wie ein Bericht von Anfang Juli zeigt. Die Analyse nutzt eine leicht andere Methodik. Sie untersucht die Online-Stellenausschreibungen in stark durch KI gefährdeten Branchen und stellt diese jenen in wenig betroffenen Branchen gegenüber.
Gleichzeitig sprechen sich aber auch verschiedene Wirtschaftsexperten gegen diese These aus. Sie argumentieren, dass steigende Zinsen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auch erklären würden.
Und in der Schweiz?
Eine Studie der ETH aus dem Jahr 2025 untersucht die Auswirkungen von KI auf den Schweizer Arbeitsmarkt. Sie stellt analog zu den Analysen für die USA und die OECD-Länder auch in der Schweiz einen stark negativen Effekt auf die KI-exponierten Berufe fest.
Die Zahl der Stellensuchenden sei ab November 2022 in stark exponierten Berufen um durchschnittlich 27 Prozent stärker angestiegen als in wenig KI-exponierten Berufen, schreiben die Forscher in der Studie. Besonders sichtbar sei der relative Anstieg der Arbeitslosigkeit bei der Softwareentwicklung, bei Journalistinnen und Fachkräften in der Werbung.
Ausserdem halten die Forschenden fest, dass die Studie mehrheitlich die potenziellen positiven Effekte von KI auf den Arbeitsmarkt ausblendet. Sie schreiben weiter, dass KI plausiblerweise Firmen durchaus produktiver machen könne, was sich wiederum positiv auf die Gesamtbeschäftigung auswirken könnte.
Einen ähnlich positiven Ton schlägt der Ökonom Lukas Althoff der Universität Stanford an. Althoff argumentiert, dass KI sich über einen längeren Zeitrahmen positiv auf die Löhne im Niedriglohnsektor und die Berufe, die wenig von KI betroffen sind, auswirken könnte.
Es bleibt viel Unsicherheit in der Zukunft der Arbeit und Automatisierung. Abschliessend halten die ETH-Forscher aber dennoch fest: «Insgesamt deuten die Resultate aber recht stark darauf hin, dass generative KI hinter dem zuletzt beobachteten Anstieg der Arbeitslosigkeit in einigen stark KI-exponierten Berufen steht.» (can)
