Schweiz
Digital

KI und Arbeit – Zwischen Produktivitätssteigernd und Ersetzbar

Eine Reinigungskraft schiebt am 5. Januar 2006 im Stadttor in Duesseldorf einen Wagen mit Reinigungsmitteln. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD befasst sich am Montagabend, 5. Maerz 2007, mit d ...
Weniger von KI betroffen: Jobs in der ReinigungsbrancheBild: AP

KI und Arbeit – zwischen produktivitätssteigernd und ersetzbar

Die Zuverlässigkeit von KI-Modellen, auch komplexe Aufgaben zu lösen, wird immer grösser und OpenAI, Anthropic und Co. machen grosse Versprechen für die zukünftigen Möglichkeiten von KI und der menschlichen Arbeit. Neuste Zahlen zur Entwicklung des Arbeitsmarkts zeigen indes, dass KI Menschen nicht nur bei der Arbeit unterstützt, sondern diese auch ersetzt.
22.07.2026, 21:3222.07.2026, 21:32

Einige Jobs werden augmentiert, also durch den Einsatz von KI verändert, einige andere werden automatisiert.

In den letzten drei Jahren sind die möglichen Aufgaben, die von KI-Modellen gelöst werden können, um einiges komplexer geworden. Während OpenAIs GPT-2 noch mit einfachen Such- und Sortieraufgaben klargekommen ist, können moderne Modelle wie Anthropics Claude Mythos komplexe Softwareentwicklungsaufgaben übernehmen.

Das US-Forschungsinstitut METR hat in einer neuen Studie verschiedene Zeithorizonte für die Aufgabenbewältigung von öffentlich zugänglichen KI-Modellen untersucht. Die Aufgaben wurden den Modellen in einzelnen Paketen gegeben. Für die Einschätzung der Komplexität dient eine Schätzung der Arbeitszeit, wie lange eine Expertin oder ein Experte für die gleiche Arbeit benötigen würde.

Die Daten zeigen, dass grosse Sprachmodelle (LLMs) vor drei Jahren nur in der Lage waren, Aufgaben zuverlässig zu erledigen, für die Menschen wenige Sekunden oder einige Minuten brauchten. Mittlerweile sind sie zunehmend in der Lage, ziemlich komplexe Aufgaben zu bewältigen, die etwa eine Stunde dauern.

Die Aufgaben, die das Forschungsinstitut den KI-Modellen gestellt hat, sind alle im Softwareentwicklungsbereich, aber diese Muster sind auch in anderen Jobs bereits sichtbar.

Weniger Jobs, mehr KI

Branchen, die stark von KI gefährdet sind, wie der Kundenservice, die Kreativindustrie, Anwältinnen und Anwälte oder die Finanzbranche, erleben bereits einen Rückgang der Anzahl Jobs, wie eine Analyse der Stanford-Universität zeigt.

Über vier Jahre haben die Forscherinnen und Forscher Jobs, die stark von KI bedroht sind, mit Arbeit in Sektoren, die wenig von KI bedroht sind, wie die Kinderbetreuung, der Gesundheitsbereich oder Coiffeure, verglichen.

Die Analyse der Stanford-Universität zu Lohn- und Anstellungsdaten von US-Beschäftigten zeigt, dass der Anstellungsgrad der 22- bis 25-Jährigen seit der Veröffentlichung von ChatGPT um 2,7 Prozent zurückgegangen ist. Bei Jobs, die stark durch KI-Automatisierung gefährdet sind, bis zu 12,8 Prozent.

In den OECD-Ländern sieht es ähnlich aus, wie ein Bericht von Anfang Juli zeigt. Die Analyse nutzt eine leicht andere Methodik. Sie untersucht die Online-Stellenausschreibungen in stark durch KI gefährdeten Branchen und stellt diese jenen in wenig betroffenen Branchen gegenüber.

Gleichzeitig sprechen sich aber auch verschiedene Wirtschaftsexperten gegen diese These aus. Sie argumentieren, dass steigende Zinsen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auch erklären würden.

Und in der Schweiz?

Eine Studie der ETH aus dem Jahr 2025 untersucht die Auswirkungen von KI auf den Schweizer Arbeitsmarkt. Sie stellt analog zu den Analysen für die USA und die OECD-Länder auch in der Schweiz einen stark negativen Effekt auf die KI-exponierten Berufe fest.

Die Zahl der Stellensuchenden sei ab November 2022 in stark exponierten Berufen um durchschnittlich 27 Prozent stärker angestiegen als in wenig KI-exponierten Berufen, schreiben die Forscher in der Studie. Besonders sichtbar sei der relative Anstieg der Arbeitslosigkeit bei der Softwareentwicklung, bei Journalistinnen und Fachkräften in der Werbung.

Ausserdem halten die Forschenden fest, dass die Studie mehrheitlich die potenziellen positiven Effekte von KI auf den Arbeitsmarkt ausblendet. Sie schreiben weiter, dass KI plausiblerweise Firmen durchaus produktiver machen könne, was sich wiederum positiv auf die Gesamtbeschäftigung auswirken könnte.

Einen ähnlich positiven Ton schlägt der Ökonom Lukas Althoff der Universität Stanford an. Althoff argumentiert, dass KI sich über einen längeren Zeitrahmen positiv auf die Löhne im Niedriglohnsektor und die Berufe, die wenig von KI betroffen sind, auswirken könnte.

Es bleibt viel Unsicherheit in der Zukunft der Arbeit und Automatisierung. Abschliessend halten die ETH-Forscher aber dennoch fest: «Insgesamt deuten die Resultate aber recht stark darauf hin, dass generative KI hinter dem zuletzt beobachteten Anstieg der Arbeitslosigkeit in einigen stark KI-exponierten Berufen steht.» (can)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Warum der KI-Boom böse enden könnte
1 / 9
Warum der KI-Boom böse enden könnte

Er gehört zu den Hauptverantwortlichen für den aktuellen KI-Boom: OpenAI-Chef Sam Altman. Doch die immensen KI-Investitionen der Techkonzerne bergen gewaltige Risiken. Es häufen sich Anzeichen, dass Erwartungen und Realität auseinanderdriften.

quelle: keystone / mark schiefelbein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
KI synchronisiert Filme – Mit mässigem Erfolg
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
27 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Maurmer
22.07.2026 21:49registriert Juni 2021
Im selben Zeitraum, in dem die Modelle zuverlässiger wurden, sind aber auch die Kosten massiv gestiegen. In manchen Fällen so sehr, dass sich menschliche Angestellte tatsächlich wieder lohnen…

Mal davon abgesehen: bisher sind die Modelle seht gut darin die Arbeit von Juniors zu erledigen, aber nicht die von erfahrenen Experten. Wenn man aber keine Juniors mehr hat, wie kommt man dann an die erfahrenen Hochausgebildeten?
364
Melden
Zum Kommentar
27
«Beispielloser Cyber-Zwischenfall»: KI von OpenAI spielt eigenständig Computer-Hacker
Ein aussergewöhnlicher Zwischenfall beim Testlauf neuer KI-Modelle des ChatGPT-Entwicklers OpenAI demonstriert das Risiko potenzieller Cyberattacken mit Künstlicher Intelligenz.
Die Software drang eigenständig in Computersysteme einer anderen KI-Firma ein und verhielt sich dabei wie ein gewiefter Hacker, wie aus einem Blogeintrag von OpenAI hervorgeht.
Zur Story