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Nach 217 Jahren: ChatGPT Astra entschlüsselt alten Napoleon-Brief

Nach 217 Jahren: ChatGPT Astra entschlüsselt alten Napoleon-Brief

Ein Brief aus dem Hauptquartier von Napoleons Stiefsohn galt mehr als 200 Jahre als unlesbar. Ein Entwickler hat den Inhalt nun aus einem einzigen Scan entschlüsselt.
03.10.2026, 09:0103.10.2026, 09:01
Marcel Horzenek / t-online
Ein Artikel von
t-online

Ein verschlüsselter Brief aus Napoleons Umfeld an den französischen General Auguste de Marmont ist nach 217 Jahren erstmals entziffert worden. Der Entwickler Carter Church hat den Vorgang auf seiner Internetseite dokumentiert. Demnach konnte er den verlorenen Code zum Entschlüsseln der Nachricht mithilfe des Sprachmodells GPT-6 Astra von OpenAI rekonstruieren.

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Eugène de Beauharnais: Aus seinem Hauptquartier ging der nun entzifferte Brief ab.Bild: www.imago-images.de

Als Vorlage diente dem Entwickler ein einziger Scan aus einer französischen Militärzeitschrift von 1969. Dieser zeigt lediglich eine Zeile Klartext, darunter 24 Reihen aus Zahlen, Buchstaben und frei erfundenen Zeichen. Das KI-Modell zerlegte das Bild in einzelne Zeilen und erfasste 1300 Einheiten, die sich auf 155 verschiedene Zeichen verteilen.

Eine bereits veröffentlichte Teiltabelle lieferte 33 Buchstabenwerte und erklärte damit 435 der 1300 Einheiten. Den Rest ermittelte ein Programm, das die KI selbst schrieb. Es probierte Zuordnungen durch, bewertete jede Lesart anhand französischer Sprachmuster und verwarf, was kein sinnvolles Französisch ergab. Für den gesamten Ablauf habe die KI rund sechs Stunden Rechenzeit gebraucht.

Lagebericht 2 Wochen vor dem Angriff

Geschrieben wurde der Brief Ende März 1809 im Hauptquartier von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais. Napoleon hatte ihn angewiesen, General Marmont verschlüsselt über die Stellungen der französischen und verbündeten Armeen zu informieren. Marmont stand mit seinen Truppen in Dalmatien, im heutigen Kroatien, und war durch österreichisches Gebiet vom Rest der Armee getrennt.

Der entzifferte Text nennt unter anderem 40'000 bayerische Soldaten bei München und Passau, 80'000 Franzosen bei Bayreuth, 60'000 Mann bei Ulm und Donauwörth sowie ein Elitekorps von 40'000 Mann bei Augsburg und am Lech. Zudem führt er österreichische Stellungen auf, unter anderem bei Salzburg. Der Brief fordert Marmont auf, sich nicht von «einigen Truppen oder einer Ansammlung von Gesindel» einschüchtern zu lassen. Am 10. April überschritt Österreich den Inn und begann den Krieg.

Historiker bestätigt die Lösung

Bislang war das Schreiben auf 1807 datiert. Church ordnete es anhand von Napoleons Briefwechsel neu ein. Napoleons Befehl liegt seit 1865 gedruckt vor, bricht dort aber mitten im Satz ab. Der entschlüsselte Brief enthält die fehlende Passage. Church schränkt ein, dass der Befehl nur sinngemäss weitergegeben worden sei und der Brief Napoleons genauen Wortlaut daher nicht belege.

Der Kryptografie-Historiker Satoshi Tomokiyo hat die Entschlüsselung geprüft. Seine Webseite Cryptiana zur historischen Kryptografie, die auch eine Liste ungelöster Geheimschriften führt, listet den Brief nun als gelöst und datiert ihn auf 1809 statt auf 1807.

Marmont brach Mitte Mai 1809 aus Dalmatien aus und erreichte mit seiner Armee die Donau, rechtzeitig zum zweiten Tag der Schlacht bei Wagram. Napoleon ernannte ihn danach zum Marschall.

Verwendete Quellen:

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