Studie zeigt: Rechte Politikerinnen und Politiker sind attraktiver als linke
Tausende Bilder von Volksvertreterinnen und Volksvertretern zeigte das Forscherteam den Probanden. Diese spielten «Hot or Not», um zu bestimmen, welche die Attraktiven sind. Dabei wurden ihnen nur Personen aus anderen Ländern gezeigt, damit die Bewertung möglichst oberflächlich stattfindet. Wie die Frankfurter Allgemeine (FAZ) berichtet, wurden im Anschluss die Wahlergebnisse der Schönen untersucht.
Attraktive erhalten mehr Stimmen
Bereits an den Parteitagen zeigt sich, dass Kandidatinnen und Kandidaten, die als attraktiv gelten, mehr Stimmen erhalten und weniger Gegenkandidaten haben. Ausserdem bräuchten sie weniger Wahlgänge und würden in leichter zu gewinnenden Wahlkreisen eingesetzt. Dieser Trend zieht sich auch im Parlament weiter. Gemäss den Studienautoren erhalten die «Schönen» sichtbarere Führungspositionen.
Wählerinnen und Wähler denken von den optisch Schönen eher, dass sie intelligent, kreativ, ehrlich, authentisch, vertrauenswürdig und kompetent sind. Sie verzeihen attraktiven Politikerinnen und Politikern schneller einen Fehltritt. Selbst in den Medien werden sie häufiger abgebildet als ihre weniger attraktiven Kolleginnen und Kollegen.
Die Bevorzugung beginne schon im frühkindlichen Alter, schreibt die «Frankfurter Allgemeine». Niedliche Babys würden von ihren Eltern besser umsorgt als die Nachkommen anderer Eltern. Im Kindergarten haben sie mehr Freunde. In der Schule erhalten sie die besseren Noten. Im Berufsleben verdienen gutaussehende Menschen mehr Geld, werden öfters befördert und gelobt.
Es überrascht daher nicht, dass attraktive Menschen glauben, in einer fairen Welt zu leben. Sie glauben, in einer Realität zu leben, in der Leistung belohnt wird, da SIE ja belohnt wurden. Eine soziale Umverteilung ist für sie deshalb nichts Erstrebenswertes. Und so schliessen sie sich auch den entsprechenden Parteien an.
Konservative sind attraktiver als Linke
Im Europäischen Parlament sind die Konservativen durchschnittlich 25 Prozent attraktiver als Sozialdemokraten. In Australien sind sie 32 Prozent attraktiver, in Finnland 41 Prozent und in den USA 14 Prozent.
Die Länderunterschiede lassen sich mit der jeweiligen Parteienlandschaft erklären. Die «Schönen» fürchten sich nicht vor Konkurrenz, da sie sich stets behaupten konnten. Das macht sie zu Liberalen. In den USA ist der Liberalismus jedoch anders aufgeteilt als in Westeuropa. Auch grosse Teile der Demokraten glauben an den freien Markt, weshalb sie weniger unattraktiv als die Republikaner sind.
In Deutschland hingegen seien die Unterschiede zwischen den Parteien gross, wie eine Untersuchung der Universität Düsseldorf, in deren Daten die Zeitung Einblick hatte, zeigt. Unter Führung des Soziologen Ulrich Rosar liess man Direktkandidaten der Bundestagswahl 2025 bewerten. Die als attraktivste bewertete Partei: die marktliberale FDP. «Je unattraktiver die Personen sind, desto eher erleben sie Nachteile im freien Wettbewerb und fordern eine Begrenzung der Konkurrenz», erklärt Rosar der FAZ. Auf die FDP folgten Union, Grüne und SPD. Als am unattraktivsten wurden Vertreterinnen und Vertreter von BSW, AfD und Linkspartei bewertet.
Nicht bei jeder Partei spielt die Attraktivität der Kandidatinnen und Kandidaten eine gleich wichtige Rolle. Während die Wählerinnen und Wähler der Union und der SPD stark aufs Aussehen schauen, tun dies jene der Grünen, der FDP und der Linken weniger. Bei der AfD gebe es diesen Effekt schlichtweg nicht. AfD-Wählende würden nicht Personen wählen, sondern das, was sie wollen, wie zum Beispiel weniger Ausländer, meint Rosar.
Zur Attraktivität von Politikerinnen und Politikern in der Schweiz wurden keine Daten erhoben. (nil)
