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Infektionen verursachen rund 12 Prozent aller neuen Krebsfälle weltweit

This is a microscopic view of bacteria called Helicobacter pylori. A single bacterium from the strain is isolated in the inset photo. Australians Barry J. Marshall and Robin Warren won the 2005 Nobel  ...
Aufnahme des Bakteriums Helicobacter pylori durch ein Mikroskop. Bild: AP U. OF VA. HEALTH SCIENCES CEN

Jeder 8. Krebsfall geht auf Infektionen zurück – Hauptübeltäter ist ein Bakterium

Eine neue Studie zeigt, dass 2024 weltweit rund 2,3 Millionen neue Krebsfälle durch Infektionen verursacht wurden. Fünf Erreger sind hauptsächlich dafür verantwortlich, darunter besonders ein Bakterium.
30.09.2026, 20:0730.09.2026, 20:07

Die Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die im Fachmagazin The Lancet Oncology veröffentlicht worden ist, liefert das umfassendste und aktuellste Bild der mit Infektionen verbundenen Krebsbelastung. Die Analyse basiert auf Schätzungen zur Krebsbelastung aus der Datenbank des IARC Global Cancer Observatory und zeigt, dass im Jahr 2024 weltweit schätzungsweise 2,3 Millionen neue Krebsfälle – etwa 12 Prozent aller neuen Krebserkrankungen – durch Infektionen verursacht worden sind.

«Die Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle, die die Infektionskontrolle bei der Verringerung der weltweiten Krebsbelastung spielen kann. Trotz der Fortschritte bei Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen stellen infektionsbedingte Krebserkrankungen nach wie vor eine grosse globale Herausforderung dar, wobei die Belastung unverhältnismässig stark auf die Bevölkerung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen entfällt.»
Dr. Harriet Rumgay, Wissenschaftlerin in der Abteilung für Krebsüberwachung bei der IARC und Mitautorin des Artikels, in einer Pressemitteilung

Insgesamt 12 Erreger

Die Krebsfälle sind auf insgesamt 12 Infektionserreger zurückzuführen, von denen bekannt ist, dass sie beim Menschen Krebs verursachen, darunter Viren, Parasiten und ein Bakterium. Bei diesen 12 Erregern handelt es sich um:

Die grösste Krebslast wurde mit Helicobacter pylori in Verbindung gebracht. Das Bakterium war im Jahr 2024 für schätzungsweise 760'000 Krebsfälle verantwortlich, dicht gefolgt von HPV mit 750'000 Fällen. Auf HBV entfielen etwa 360'000 Fälle, auf EBV etwa 260'000 Fälle und auf HCV etwa 160'000 Fälle. Zusammen sind diese fünf Infektionserreger für nahezu alle durch Infektionen verursachten Krebserkrankungen verantwortlich.

Helicobacter pylori
https://de.wikipedia.org/wiki/Helicobacter_pylori#/media/Datei:EMpylori.jpg
Helicobacter pylori verursachte 2024 schätzungsweise 760'000 Krebsfälle. Bild: Wikimedia

Brennpunkte Ostasien und Subsahara-Afrika

Die Studie deckt zudem auffällige geografische Ungleichheiten auf. Auf Ostasien entfielen 42 Prozent aller weltweit durch Infektionen bedingten Krebserkrankungen, was vor allem auf Helicobacter pylori und HBV zurückzuführen ist. Besonders hoch war die Belastung auch in Subsahara-Afrika, wo HPV und KSHV die Hauptursachen sind und die Situation durch HIV noch verschlimmert wird. Mehr als drei Viertel der infektionsbedingten Krebserkrankungen traten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf, in denen der Zugang zu Prävention und Behandlung nach wie vor ungleich verteilt ist.

Auf Infektionen zurückzuführende Krebserkrankungen pro 100'000 Personenjahre (2024)

ASIR = altersstandardisierte Inzidenzrate

Helicobacter pylori
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet
Human Papillomavirus
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet
Epstein-Barr Virus
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet
Hepatitis B
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet
Hepatitis C
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet
Kaposi Sarkom Herpesvirus
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2826%2900307-4/fulltext
Karte: The Lancet

Das EBV ist weltweit die vierthäufigste infektiöse Ursache für Krebs und liegt damit noch vor dem HCV. Dies spiegelt die zunehmenden Hinweise darauf wider, dass das EBV nicht nur zu Nasopharynxkarzinomen (Nasenrachenkrebs) und Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs) beiträgt, sondern auch zu einem Teil der Magenkrebserkrankungen.

«Diese aktualisierte Analyse zeigt, dass sich das Bild der infektionsbedingten Krebserkrankungen mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnisse weiter verändert. Sie macht zudem deutlich, wo künftige Investitionen in neue Präventionsmassnahmen die grösste Wirkung erzielen könnten, insbesondere bei Infektionen wie dem EBV, für die noch keine wirksamen Impfstoffe zur Verfügung stehen.»
Dr. Gary Clifford, leitender Mitautor der Studie

Viele Krebsfälle wären vermeidbar

Die meisten infektionsbedingten Krebserkrankungen lassen sich bereits durch bewährte Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit verhindern, darunter Impfungen gegen HPV und HBV, Untersuchungen und Behandlungen im Zusammenhang mit Helicobacter pylori und viraler Hepatitis, HIV-Prävention und -Versorgung sowie Vorsorgeprogramme für HPV-bedingte Krebserkrankungen. In vielen Teilen der Welt werden diese Massnahmen jedoch aufgrund anhaltender finanzieller, politischer und gesundheitssystembezogener Hindernisse nach wie vor zu wenig genutzt.

Abschliessend hebt die Studie hervor, dass zur Verringerung infektionsbedingter Krebserkrankungen sowohl eine verstärkte Umsetzung bewährter Präventionsstrategien als auch kontinuierliche Investitionen in neue Instrumente erforderlich sind, insbesondere in Impfstoffe gegen das EBV und andere krebsauslösende Infektionen, für die es derzeit keine wirksamen Präventionsmassnahmen gibt. (dhr)

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