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Gynäkologischer Krebs und was du tun kannst – ein Onkologe erklärt

«Les cancers gynécologiques méritent beaucoup plus d'attention»
Gynäkologische Krebsarten haben verschiedene Ursachen und Folgen.Image: watson

«Einige sind tödlich»: Gynäkologischer Krebs und was du tun kannst

Gynäkologische Krebsarten betreffen in der Schweiz jedes Jahr rund 2500 Frauen. Diese Erkrankungen sind noch wenig bekannt und teilweise tödlich. Umso wichtiger ist die Prävention.
12.09.2026, 19:5712.09.2026, 19:57
Alberto Silini
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Krebs gehört zu den häufigsten Todesursachen in der Schweiz. Nach Zahlen des Bundes erkrankt mehr als jeder fünfte Mensch vor dem 70. Lebensjahr an Krebs. Während einige Krebsarten sehr häufig sind – etwa Prostata-, Brust- oder Lungenkrebs –, betreffen andere deutlich weniger Menschen. Unterschätzt werden dürfen sie deshalb nicht.

Das gilt auch für gynäkologische Krebsarten. Sie können den Gebärmutterhals, die Gebärmutterschleimhaut, die Eierstöcke, die Vulva und die Vagina betreffen. Obwohl in der Schweiz jährlich rund 2500 neue Fälle registriert werden, sind diese Erkrankungen noch wenig bekannt. Deshalb führt das Universitätsspital Lausanne CHUV derzeit unter dem Namen «Türkiser September» eine Sensibilisierungskampagne durch. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit Witold Gertych zu sprechen, gynäkologischer Onkologe und Chirurg am Waadtländer Universitätsspital.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den gynäkologischen Krebsarten – abgesehen von der Körperregion, in der sie auftreten?
Witold Gertych:
Diese Erkrankungen haben sehr unterschiedliche Ursachen. Gebärmutterhals- und Vaginalkrebs werden durch eine Infektion mit dem HPV-Virus verursacht. Eierstockkrebs wird manchmal durch eine genetische Anomalie ausgelöst – das betrifft rund 20 Prozent der Fälle. Vulvakrebs wiederum hat unterschiedliche Ursachen.

«Zudem betreffen einige gynäkologische Krebsarten vor allem Frauen nach der Menopause, während andere in jüngerem Alter auftreten.»

Warum werden sie dann in einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst?
Diese Krebsarten sind wenig bekannt. Einzeln betrachtet sind sie sehr selten. In der Schweiz gibt es pro Jahr etwa 20 Fälle von Vaginalkrebs und rund 150 Fälle von Vulvakrebs. Diese Erkrankungen machen also nur einen kleinen Anteil aus. Zählt man sie jedoch zusammen, kommt man auf rund 2500 Fälle pro Jahr. Das ist bereits eine beträchtliche Zahl. Diese Krebsarten verdienen viel mehr Aufmerksamkeit, denn einige von ihnen sind eindeutig tödlich.

Dr Witold Gertych, médecin chirurgien onco-gynécologue au Centre des tumeurs gynécologiques au Chuv.
Dr. Witold Gertych, gynäkologischer Onkologe und Chirurg am Zentrum für gynäkologische Tumore des CHUV.Image: CHUV 2026 | WEBER Gilles

Welche Gefahren gehen von diesen Krebsarten aus?
Ich beginne mit der tödlichsten Form, dem Eierstockkrebs. Diese Krankheit hat einen sehr schlechten Ruf, weil sie oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, also wenn bereits Metastasen vorhanden sind. Das bedeutet, dass sich der Krebs auf andere Organe im Körper ausgebreitet hat, was ihn sehr gefährlich macht. Fünf Jahre nach einer solchen Diagnose haben nur zehn bis 20 Prozent der Patientinnen keinen Rückfall erlitten.

«Mit anderen Worten: Die überwiegende Mehrheit der betroffenen Patientinnen wird daran sterben.»

Und wie sieht es bei den anderen Krebsarten aus?
Krebs der Gebärmutterschleimhaut, des Gebärmutterhalses und der Vulva wird nur selten im metastasierten Stadium entdeckt. Werden diese Erkrankungen früh erkannt, können die Heilungschancen bis zu 90 Prozent betragen. Unter diesen Umständen ist es oft möglich, den Krebs nur operativ zu behandeln, ohne auf belastendere Methoden wie Chemo- oder Strahlentherapie zurückgreifen zu müssen.

Wie lässt sich erreichen, dass die Krankheit früh erkannt wird?
Frauen müssen auf erste Symptome achten, denn zumindest theoretisch sind diese leicht zu erkennen.

Warum?
Weil es um den Intimbereich geht. Veränderungen dort nimmt man naturgemäss besonders aufmerksam wahr – anders als an anderen Körperstellen. Bei ersten Symptomen sollte man unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Von welchen Symptomen sprechen wir?
Bei Gebärmutterhalskrebs sind Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr das häufigste und alarmierendste Symptom. Bei Krebs der Gebärmutterschleimhaut sind Blutungen nach der Menopause ein Warnsignal. Bei jüngeren Frauen gilt das auch für Veränderungen bei Dauer und Regelmässigkeit des Menstruationszyklus.

«Bei Vulvakrebs können sich im äusseren Intimbereich Struktur und Farbe der Haut verändern. Auch Juckreiz kann auftreten.»

Und bei Eierstockkrebs?
Eierstockkrebs verursacht im Frühstadium nur sehr wenige Symptome, und diese sind unspezifisch. Mit anderen Worten: Es kann alles Mögliche sein. Möglich sind etwa eine Zunahme des Bauchumfangs sowie eine geringe, unerklärliche kleine Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme.

Kann Eierstockkrebs früh erkannt werden?
Kein Land der Welt hat ein Früherkennungsprogramm für Eierstockkrebs eingeführt, weil ein solches leider nicht funktioniert. Eine grosse Studie in England hat gezeigt, dass die Früherkennung übermässig teuer und sehr invasiv ist und die krebsbedingte Sterblichkeit selbst nach jahrelanger Teilnahme am Programm nicht senken kann.

Bleibt also nichts anderes übrig, als zu warten, bis sich die Krankheit bemerkbar macht?
Für die Allgemeinbevölkerung kann man tatsächlich nicht viel tun, ausser einen gesunden Lebensstil zu empfehlen. Man weiss, dass die Entfernung beider Eileiter das Risiko für Eierstockkrebs um 40 bis 80 Prozent senkt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Frauen dies tun sollten. Als offiziell anerkannte Möglichkeit gilt, die Eileiter bei einem anderen gynäkologischen Eingriff mitzuentfernen.

Gibt es auch ohne einen solchen Eingriff Verhaltensweisen, mit denen sich das Risiko senken lässt?
Ja, und genau diese Botschaft versuche ich seit einiger Zeit zu vermitteln. Man müsste die verschiedenen Krebsarten einzeln betrachten, aber allgemein lässt sich sagen, dass Übergewicht, eine ungesunde Ernährung und Tabakkonsum Risikofaktoren sind. Ein normales Körpergewicht, der Verzicht auf hochverarbeitete Lebensmittel und regelmässige körperliche Aktivität können eine schützende Wirkung haben.

«Bei der körperlichen Aktivität sind die Studien sehr eindeutig: Sie muss intensiv sein. Doch bereits viereinhalb Minuten pro Tag können ausreichen.»

Gebärmutterhals- und Vaginalkrebs haben dieselbe Ursache: eine chronische Infektion mit dem HPV-Virus. In diesem Fall besteht die primäre Prävention in der Impfung im Jugendalter und vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Vulvakrebs ist komplexer. Die meisten Fälle werden durch eine Hauterkrankung verursacht, deren Ursprung noch nicht sehr gut bekannt ist und die Lichen genannt wird.

Wie entwickeln sich diese Erkrankungen? Nimmt ihre Zahl im Laufe der Jahre zu?
Die Entwicklung ist unterschiedlich. Die Zahl der Fälle von Gebärmutterhalskrebs geht dank der Impfung und strukturierter Vorsorge deutlich zurück. Gynäkologinnen und Gynäkologen können Krebsvorstufen erkennen und behandeln, bevor daraus Krebs entsteht. Krebs der Gebärmutterschleimhaut nimmt hingegen eher zu, weil er mit der steigenden Lebenserwartung zusammenhängt. Bei Eierstock-, Vulva- und Vaginalkrebs ist die Situation weitgehend stabil.

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