Gibt's bald leckerere Schoggi? Neue genetische Kakao-Varianten in Peru entdeckt
Peru ist der achtgrösste Kakaoproduzent der Welt. 2024 waren mehr als 80'000 Bauernfamilien vom Kakaoanbau abhängig. Viele von ihnen bauen noch immer ursprüngliche Kakaobaumarten an, die vom Menschen kaum verändert wurden. Dadurch ist ein grosser Teil der ursprünglichen genetischen Vielfalt erhalten geblieben: Peru ist eines der Gebiete mit dem weltweit grössten genetischen Reichtum an Theobroma cacao und eine wahre Fundgrube für Forscher.
Um diese Vielfalt zu erfassen, analysierten Lambert Motilal und seine Kollegen vom Kakao-Forschungszentrum der University of the West Indies sowie Martha S. Calderon und Danilo E. Bustamante mit ihren Kollegen vom Forschungsinstitut Ceja de Selva (INDES-CES) der Universidad Nacional Toribio Rodríguez de Mendoza (UNTRM) die DNA von 390 wilden und halbwilden Kakaobäumen aus acht Regionen des Landes, nämlich Amazonas, Ayacucho, Cajamarca, Cusco, Madre de Dios, Piura, San Martín und Ucayali. Dabei untersuchten sie kleine Unterschiede in der DNA. Solche winzigen genetischen Variationen zeigen, wie eng die Bäume miteinander verwandt sind, und ermöglichen es, verschiedene genetische Gruppen voneinander zu unterscheiden.
Grössere genetische Vielfalt
Bislang gingen Forscher davon aus, dass die ursprünglichen Kakaobäume in Peru und anderen Ländern in zehn genetische Gruppen eingeteilt werden könnten. Die neue Analyse, die in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde, zeigt jedoch, dass die genetische Vielfalt noch viel grösser ist als angenommen: Neben den zehn bekannten genetischen Gruppen entdeckten die Forscher vier weitere bisher unbekannte Gruppen: Awajún, Porcelana, Chuncho 1 und Chuncho 2.
Die Untersuchung bestätigte überdies, dass jede der acht untersuchten Regionen eine eigene genetische Zusammensetzung aufweist – quasi eine genetische «Signatur» –, die das Ergebnis jahrhundertelanger natürlicher Anpassung und der Selektion durch lokale Landwirte ist. Diese Vielfalt macht Peru zu einer Genbank von enormer Bedeutung für die weltweite Landwirtschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Klimawandel und Krankheiten die Kakaoproduktion auf verschiedenen Kontinenten bedrohen. Die Experten betonen, dass die Erhaltung dieser Ressourcen die Entwicklung von Sorten mit besseren agronomischen und sensorischen Eigenschaften ermöglichen wird, wovon sowohl Kleinbauern als auch die Schokoladenindustrie profitieren werden.
Aussergewöhnlich hochwertiger Geschmack
Vor allem zwei der neu entdeckten Gruppen stechen hervor. Aufgrund ihrer genetischen Herkunft gehen die Forscher davon aus, dass diese Bäume Kakaobohnen mit einem aussergewöhnlich hochwertigen Geschmack produzieren können. Das macht sie interessant für die Herstellung sogenannter «Fine-Flavor»-Schokolade: Schokolade, die sich durch komplexe Aromen und raffinierte Geschmacksnuancen auszeichnet. Darüber hinaus kann die genetische Vielfalt bei der Entwicklung neuer Kakaosorten helfen, die widerstandsfähiger gegen Krankheiten, den Klimawandel und andere Herausforderungen sind, mit denen der Kakaoanbau konfrontiert ist.
Die Studie führte zu einer weiteren interessanten Entdeckung: Das Forschungsteam gewann neue Erkenntnisse über den genetischen Ursprung einer weit verbreiteten Kakaosorte, CCN 51, die für ihren hohen Ertrag und ihre gute Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten bekannt ist. Die Analysen ergaben, dass diese Kakaosorte, die wirtschaftlich zunehmend an Bedeutung gewinnt, zu etwa 45 Prozent von der Awajún-Gruppe abstammt, einer der neu identifizierten Linien.
Einer der an der Studie beteiligten Forscher hebt vor allem die Feldforschung als etwas Besonderes hervor. «Diese wertvollen genetischen Schätze lagen nicht in einem Labor verborgen», sagt er. «Sie wuchsen ganz einfach auf den Höfen der lokalen Bauern, wo sie die ganze Zeit darauf warteten, entdeckt und geschätzt zu werden.» (dhr)
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