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An jedem zehnten Diabetes-Fall sind Süssgetränke schuld

An jedem zehnten Diabetes-Fall sind Süssgetränke schuld

06.01.2025, 17:0006.01.2025, 16:08
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Für jede zehnte Diabetes-Erkrankung weltweit sind Süssgetränke verantwortlich. Zudem steht eine von 30 Herz-Kreislauf-Erkrankungen in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken, wie eine neue Studie in der Fachzeitschrift «Nature Medicine» zeigt.

Politische Massnahmen seien daher dringend notwendig, betonte das internationale Forschungsteam in der am Montag veröffentlichten Studie.

Süssgetränk in Dose
Zuckerhaltige Getränke verursachen einen beträchtlichen Anteil der Diabetes-Erkrankungen.Bild: Shutterstock

Für die Studie nutzten die Forschenden Daten aus 184 Ländern aus der «Global Dietary Database» und anderen Erhebungen und Studien sowie ein spezielles Modell, das verschiedene Faktoren wie den durchschnittlichen Konsum und die Gesundheitsrisiken berücksichtigt. So errechneten sie, dass im Jahr 2020 weltweit 2,2 Millionen neue Fälle von Typ-2-Diabetes und 1,2 Millionen neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf zuckerhaltige Süssgetränke zurückzuführen sind. Das entspricht 9,8 Prozent aller Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes und 3,1 Prozent aller Neuerkrankungen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schweiz leicht über dem Durchschnitt

In der Schweiz war der Konsum von Softdrinks, Limonaden und Energydrinks für 3750 und damit 10,5 Prozent der Fälle von Typ-2-Diabetes verantwortlich, wie Studien-Erstautorin Laura Lara-Castor von der Tufts University in Boston (USA), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekanntgab. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen führten die Forschenden in der Schweiz mit 3,1 Prozent aller Neuerkrankungen den gleichen Anteil wie weltweit auf Süssgetränke zurück.

Damit seien die Zahlen in der Schweiz vergleichbar mit jenen aus anderen Ländern Europas wie etwa Deutschland, Österreich, Spanien und Schweden.

Kommerzielle Interessen und Wassermangel

Deutlich höhere Zahlen errechneten die Forschenden für Lateinamerika, die Karibik und Subsahara-Afrika. In Lateinamerika ging der Studie zufolge knapp ein Viertel (24,4 Prozent) aller Diabetes-Fälle auf das Konto von zuckerhaltigen Getränken, in Subsahara-Afrika 21,5 Prozent. Spitzenreiter ist Kolumbien. Fast die Hälfte (48,1 Prozent) aller Diabetes-Fälle in Kolumbien im Jahr 2020 sind laut der Studie auf den Konsum von zuckergesüssten Getränken zurückzuführen.

Auch beim Pro-Kopf-Verbrauch von Süssgetränken liegen diese Länder an der Spitze. Als «wahrscheinliche Treiber» für den hohen Konsum von Süssgetränken nennen die Forschenden in der Studie die kommerziellen Interessen multinationaler und lokaler Süssgetränkehersteller. So würden diese Unternehmen den Konsum ihrer Produkte durch gezieltes Marketing fördern und gleichzeitig politische Massnahmen zur Reduzierung des Konsums blockieren.

Zusätzlich verschärft den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge der Mangel an sauberem Trinkwasser in Ländern wie Mexiko und Kolumbien das Problem, da Süssgetränke oft als Ersatz konsumiert werden.

Residents transport drinking water from Humaita to the Paraizinho community, along the dry Madeira River, a tributary of the Amazon River, during the dry season, Amazonas state, Brazil, Sunday, Sept.  ...
Trinkwasser ist in einigen Orten Südamerikas knapp.Bild: keystone

Verwestlichung der Ernährung

Zwischen 1990 und 2020 ist der Anteil an Diabetes-Fällen, die auf Süssgetränke zurückzuführen sind, weltweit um 1,3 Prozent gestiegen. Auch in der Schweiz wurde nach Angaben von Lara-Castor ein geringer Anstieg (0,6 Prozentpunkte) verzeichnet. Die Häufigkeit von durch Süssgetränke verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in dieser Zeit global stabil geblieben, in der Schweiz sogar um 0,1 Prozentpunkte gesunken.

Je nach Region stellten die Forschenden jedoch grosse Unterschiede fest. Am stärksten war die Zunahme in Subsahara-Afrika. Der Anteil der durch Süssgetränke verursachten Fälle von Typ-2-Diabetes stieg um 8,8 Prozentpunkte, derjenige von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 4,4 Prozentpunkte.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen dies auf einen «Ernährungswandel» zurück. Traditionelle, oft gesündere Ernährungsweisen haben sich demnach in dieser und in weiteren Regionen zu stärker westlich geprägten Ernährungsweisen verschoben, die reich an verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker und Fetten sind.

Massnahmen gefordert

Um den Verkauf und Konsum von Süssgetränken und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme zu verringern, sind laut den Forschenden wirksame politische Massnahmen nötig.

Neben Steuern auf Süssgetränke schlägt die Studie eine Kennzeichnungspflicht, eine Regulierung der Vermarktung von Süssgetränken und eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung vor.

An der internationalen Studie waren über 200 Institutionen weltweit beteiligt – darunter aus der Schweiz die Universitätsspitäler Genf und Lausanne. (dab/sda)

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