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So viel Eis ist in Grönland und der Antarktis seit 1979 geschmolzen

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Das Gletscheris auf Grönland und in der Antarktis schmilzt schneller als bisher angenommen.Bild: www.imago-images.de

Geschmolzenes Grönland- und Antarktis-Eis würde die Schweiz komplett unter Wasser setzen

11,3 Billionen Tonnen Eis sind seit 1979 von Grönland und der Antarktis geschmolzen und ins Meer geflossen. Zur Einordnung: Damit liesse sich die gesamte Schweiz unter eine 274 Meter dicke Wasserschicht setzen.
17.09.2026, 19:5217.09.2026, 20:04

Eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat in der Fachzeitschrift «Scientific Data» die bisher umfassendste Bilanz des Eisverlusts an den beiden grossen Eisschilden der Erde veröffentlicht. Das Ergebnis aus den analysierten Satellitenaufnahmen: Zwischen 1979 und 2023 haben Grönland und die Antarktis zusammen 11,3 Billionen Tonnen Eis verloren. Für Grönland allein reichen die Satellitendaten sogar noch weiter zurück, bis 1972. In diesem längeren Zeitraum liegt der Verlust bei 6,2 Billionen Tonnen.

11'300'000'000'000 Tonnen – die Zahl ist so gewaltig, dass sie sich kaum greifen lässt. Die Forschenden selbst rechnen deshalb um: Das geschmolzene Eis liesse sich als rund 1,5 Meter dicke Wasserschicht über die gesamte kontinentale Fläche der USA verteilen. Auf die Schweiz übertragen – mit derselben Rechnung – ergibt das eine Wasserschicht von rund 274 Metern – mehr als das Anderthalbfache der Höhe des Roche-Turms in Basel, dem höchsten Gebäude des Landes.

Sicht aus L�rrach Deutschland auf die beiden Roche-Tower in der Stadt Basel Schweiz. Sie geh�ren dem in der Schweiz beheimateten Pharmakonzern Roche Holding. Sicht aus L�rrach Deutschland auf die beid ...
Die beiden Roche-Türme in Basel sind 205 (Bau 2) und 178 (Bau 1) Meter hoch.Bild: www.imago-images.de

Warme Ozeane statt warme Luft als Hauptursache

Besonders bemerkenswert: Fünf Sechstel des Eisverlusts gehen nicht auf wärmere Luft zurück, sondern auf wärmeres Meerwasser, das die Eisschilde von unten und an den Rändern angreift. Dort, wo Gletscher im Meer enden, untergräbt das warme Wasser ihren Halt – und lässt sie schneller ins Meer abfliessen. «Die Eisschilde schmelzen rasant dahin», sagt Studien-Mitautor Eric Rignot von der University of California, Irvine. «Wir schmelzen die Polarregionen ab, der Meeresspiegel steigt weltweit und wird die Verletzlichkeit von Küstenregionen weiter verschärfen.»

Luftaufnahme des Larsen Inlet Gletschers, Weddellmeer, Antarktis Aerial view of Larsen Inlet glacier, Weddell Sea, Antarctica Copyright: imageBROKER/SergioxPitamitz ibleca13618742.jpg Bitte beachten S ...
Die Gletscher in der Antarktis schmelzen vor allem von unten.Bild: www.imago-images.de

Insgesamt liess der Eisverlust den globalen Meeresspiegel seit 1979 um rund 3,1 Zentimeter ansteigen. Das klingt wenig, hat laut Studienleiterin Inès Otosaka von der Northumbria University aber reale Folgen: Pro Drittel Zentimeter Anstieg sind jeweils zwei bis drei Millionen Menschen zusätzlich mindestens einmal im Jahr von Überflutungen betroffen.

Der Trend beschleunigt sich

In den 1970er- bis 1990er-Jahren waren die Eisschilde noch relativ stabil. Danach setzte der Verlust ein und nahm in den 2010er-Jahren nochmals deutlich zu. Grönland allein verlor in den 1980er-Jahren im Schnitt 60 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr – in den 2010er-Jahren waren es bereits 264 Milliarden Tonnen, mehr als das Vierfache. Zwischen 2020 und 2023 sank die Rate zwar leicht auf 199 Milliarden Tonnen pro Jahr.

Der Grund dafür ist aber kein Grund zur Entwarnung: Der Verlust durch Gletscherfliessen blieb konstant hoch, nur die durch Oberflächenschmelze verursachten Verluste gingen zurück, weil es in diesen vier Jahren keine extremen Sommer-Schmelzereignisse gab wie noch in den 2010er-Jahren.

Zwischen 2020 und 2023 gab es zudem eine kurze Verschnaufpause bei der Gesamtbilanz – ausgelöst durch Rekord-Schneefall in der Ostantarktis, der den Verlust in der instabileren Westantarktis vorübergehend ausglich. Die Forschenden betonen aber, dass es sich dabei nur um eine kurzfristige Wetterschwankung handelte, keine Trendumkehr. Neuere, nicht mehr in der Studie erfasste Messungen würden bereits wieder eine Beschleunigung zeigen, so Otosaka.

Dynamischer Verlust als grösste Sorge

Sorgen bereitet den Forschenden vor allem, dass ein Grossteil des Verlusts auf sogenannte dynamische Prozesse zurückgeht – abruptes, aktives Fliessen und Abbrechen von Gletschereis statt langsames Abschmelzen von der Oberfläche. Der nicht an der Studie beteiligte Eisforscher David Holland von der New York University erklärt, warum ihn das beunruhigt: Genau dieses Muster – dominanter dynamischer Verlust statt Oberflächenschmelze – sei das, was man erwarten würde, wenn ein Eisschild in ein sogenanntes Instabilitäts-Kollaps-Szenario gerät.

Gemeint ist ein sich selbst verstärkender Prozess: Sobald ein Gletscher an einer bestimmten Stelle weit genug zurückweicht, kann er ohne weitere Erwärmung von aussen immer schneller Eis verlieren, weil er sein eigenes Gleichgewicht verliert – ähnlich einer Lawine, die sich einmal losgetreten von selbst beschleunigt.

Für die Zukunft bleibt die Entwicklung eine der grössten Unsicherheiten überhaupt: Die Studie ändere nichts am Umstand, dass die Reaktion der Eisschilde auf die Erwärmung von heute erst Jahrzehnte später sichtbar werde – ein Prozess, der laut den Forschenden noch lange weiterlaufen dürfte, selbst wenn die Erderwärmung sofort gestoppt würde.

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102 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SC90
17.09.2026 20:03registriert Juli 2025
Sorry, aber was für eine bescheuerte Schlagzeile.

Ihr tut damit der Sache keinen Dienst, denn die meisten Menschen winken bei solch panikheischenden Aussagen (berechtigt) ab.
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captaincook
17.09.2026 20:09registriert August 2025
Was soll diese Schlagzeile?

Genau darum nehmen immer mehr Menschen das Thema "Klimawandel" nicht mehr ernst. Sie belächeln es, sie sprechen von Klimalobby und Klimalüge oder halten alles für pure Panikmache.

Nein, die Schweiz wird nicht überschwemmt, aber die Auswirkungen der schwindenden Eisdecke sind auch so schlimm genug. Darüber muss gesprochen werden und nicht über hypothetische Flächen und Volumenberechnungen.
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flausch
17.09.2026 20:29registriert Februar 2017
Absolut schädlicher clickbait Titel.
BTW: wenn man die ganze Menschheit in den Bodensee tun würde, wäre der Anstig des Wasserspiegels nur marginal.
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