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Raumfahrt

Der Zwischenfall auf der ISS hilft uns vorsichtig zu bleiben

US Expresses Outrage Over Russian Space Junk Handout file photo dated July 19, 2011 of the International Space Station was photographed from the space shuttle Atlantis. The US has condemned Russia for ...
Bild: www.imago-images.de

Was wir aus dem Zwischenfall auf der ISS lernen können

Teamwork und im Zweifel lieber Vorsicht: Ein Alarm auf der ISS zeigt, was im All zählt – und wo die Schwachstellen des internationalen Projekts liegen.
07.06.2026, 20:0707.06.2026, 20:07

Plötzlich musste es schnell gehen, 400 Kilometer über der Erde. Wegen neuer Lecks an einem russischen Modul der Internationalen Raumstation ISS zogen sich mehrere Astronauten vorsorglich in das angedockte Dragon-Raumschiff zurück. Druckverlust gehört neben Feuer an Bord zu den ernsten Gefahren auf dem Aussenposten der Menschheit. Für Raumfahrtexperten ist der jüngste Vorfall zwar kein Grund zur Panik - er zeige aber grundlegende Herausforderungen der bemannten Raumfahrt. Hier sind drei Dinge, die wir daraus lernen können:

Die ISS kommt in die Jahre

Die Internationale Raumstation ist seit mehr als 25 Jahren dauerhaft bewohnt. Viele ihrer Module stammen aus den späten 1990er oder frühen 2000er Jahren. Entsprechend nehmen Verschleisserscheinungen zu. «Die Notwendigkeit einer permanenten Überwachung ist im All mindestens genauso wichtig wie auf der Erde», erinnert Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner. «Mangelnde Sorgfalt kann hier nicht einfach durch Sperrung auf Zeit verschoben werden.»

Experten verweisen darauf, dass insbesondere ältere Bauteile des fliegenden Labors zunehmend überwacht und gewartet werden müssen. Der betroffene Übergangstunnel des russischen Servicemoduls Swesda gilt schon seit Jahren als Problemfall. Immer wieder wurden dort kleine Luftverluste registriert und repariert.

Hinzu kommen die enormen Belastungen des Weltraumbetriebs. Extreme Temperaturschwankungen, Materialermüdung, Strahlungseinflüsse und zahlreiche An- und Abdockmanöver hinterlassen Spuren. Nach russischen Angaben hat das betroffene Andocksystem deutlich mehr Ankopplungen erlebt als andere Module der Station. Der Vorfall in der Schwerelosigkeit zeigt damit auch die Grenzen einer Infrastruktur, die deutlich länger genutzt wird als ursprünglich vorgesehen.

FILE - This photo provided by Roscosmos shows the International Space Station from a Russian Soyuz MS-19 spaceship after undocking on March 30, 2022. (Roscosmos State Space Corporation via AP, File)
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Die International Space Station.Bild: keystone

Internationale Zusammenarbeit auch im Krisenfall

Bemerkenswert ist nicht nur das Leck selbst, sondern auch der Umgang damit. Die Sicherheitsprotokolle griffen wie vorgesehen. Während russische Kosmonauten die Reparaturen vorbereiteten, begaben sich US-Astronauten vorsorglich in das angedockte «Dragon»-Raumschiff von SpaceX. Damit stand jederzeit ein sicherer Rückzugsort sowie die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr zur Erde bereit.

Der Zwischenfall verdeutlicht zudem, dass die internationale Zusammenarbeit im All weiter funktioniert. Trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine arbeiten die Raumfahrtbehörden Russlands, der USA und ihrer Partner auf der ISS eng zusammen. Auch vier Deutsche waren bereits auf der ISS – die Raumfahrer Thomas Reiter, Hans Schlegel, Alexander Gerst und Matthias Maurer.

Sicherheitsrelevante Informationen werden auf der ISS ausgetauscht, Entscheidungen koordiniert getroffen und Notfallpläne gemeinsam umgesetzt. Die Raumstation bleibt damit eines der wenigen grossen Projekte, in denen die Kooperation zwischen Moskau und Washington trotz politischer Spannungen fortbesteht.

«Es ist bemerkenswert, dass die Zusammenarbeit auf Ingenieurniveau funktioniert – vielleicht auch ein Modell zur Bewältigung irdischer Krisen», betont Wörner, einst Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Die ISS sei zu wichtig, um sie im Politikstreit aufzugeben. «Es ist bedauerlich, dass viele andere wissenschaftliche Projekte sofort aufgegeben wurden: Auch in Krisenzeiten müssen Verbindungen bestehen bleiben! Diese Rolle fällt im Moment nur der ISS zu.»

Trotz Marsplänen an den Alltag im All denken

Die Aufmerksamkeit der Raumfahrt richtet sich derzeit häufig auf Mondmissionen und langfristige Pläne für bemannte Flüge zum Mars. Der Zwischenfall auf der ISS erinnert jedoch daran, dass die grössten Herausforderungen oft im täglichen Betrieb liegen. Lebenswichtige Systeme müssen rund um die Uhr funktionieren, kleine Materialfehler früh erkannt und Reparaturen unter schwierigen Bedingungen durchgeführt werden.

Gerade für künftige Langzeitmissionen liefern solche Vorfälle wichtige Erkenntnisse. Je weiter sich Astronauten von der Erde entfernen, desto weniger können sie auf schnelle Hilfe von aussen hoffen.

Die Erfahrungen mit den ISS-Lecks helfen deshalb, künftige Raumfahrzeuge und Raumstationen robuster zu machen. Der aktuelle Vorfall ist vor allem eine Erinnerung daran, dass bemannte Raumfahrt nicht nur aus spektakulären Zielen besteht, sondern auch aus kontinuierlicher Wartung, Vorsorge und Sicherheitsarbeit.

«Auf der ISS werden täglich Forschungen durchgeführt, die auf der Erde wichtig sind», meint Experte Wörner. Der Vorfall lehre, dass Redundanz nicht nur für einzelne Elemente, sondern auch für ganze Systeme von Bedeutung ist. «Deshalb muss rasch an der Nachfolge der Station gearbeitet werden.» Ein Ortswechsel von der ISS zur chinesischen Raumstation «Tiangong» (Himmelspalast) wie einst im Raumfahrt-Thriller «Gravity» sei technisch – und politisch – leider nicht möglich. (sda/dpa)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kong
07.06.2026 20:26registriert Juli 2017
Ein gutes Beispiel wie internationale Zusammenarbeit funktionieren kann... wenn wir's nur auch auf der Erde hinkriegen würden :(
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Mg.
07.06.2026 22:01registriert März 2019
Wie könnten so viel erreichen als Menschheit. Aber ein paar alte Männer (ob Präsidenten oder andere Machthaber, wie Hamas Führer etc.) haben nicht die Interessen der Menschheit oder des eigenen Volkes im Sinn, sondern NUR deren eigene Interessen. Solche Personen wären eigentlich überflüssig aus unserer Welt. Stellt euch vor was wir mit dem Geld, was Kriege kosten, bereits gutes hätten machen können
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