Das Wasserschloss Schweiz bröckelt – Ruf nach nationaler Wasserstrategie wird lauter
Die Schweiz, das Wasserschloss Europas. Es ist eine Metapher, der etwas Unveränderliches anhaftet. Der Anblick brachliegender Flussbetten, verendeter Fische, historisch tiefer Seepegelstände und trocken gelegter Brunnen hat im vergangenen Sommer jedoch deutlich gemacht: Auch in der Schweiz steht sowohl das Ökosystem als auch die Ressource Wasser zunehmend unter Druck – und das nicht erst seit diesem Sommer.
Abhilfe soll eine nationale Wasserstrategie schaffen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie vereinzelte Politikerinnen und Politiker bereits seit Jahren fordern. Doch was bedeutet das genau? Was soll damit geregelt werden und wo bahnen sich in der Debatte Konflikte an? Eine Übersicht:
Ein holpriger Start
Politische Vorstösse
Die langanhaltende Hitze- und Trockenperiode in diesem Sommer war nicht das erste Ereignis dieser Art in den vergangenen Jahren. Seit dem Rekordsommer 2003 spricht das Bundesamt für Umwelt von neun Trockenperioden, die zu anhaltend tiefen Grundwasserständen und Quellabflüssen führten.
Dementsprechend kam das Thema einer Wasserstrategie im Rahmen von Motionen und Vorstössen in Bundesbern auch in der Vergangenheit bereits zur Sprache. Dabei forderten vor allem die Grünen, die GLP, die Mitte/CVP sowie die SP in ihren Vorstössen eine nationale Perspektive auf das Wassermanagement in der Schweiz, welches bis anhin reine Kantons- und Gemeindesache war und noch immer ist.
In den Antworten auf die Vorstösse zeigte die Landesregierung immer wieder wenig Bereitschaft, Verantwortlichkeiten im Wassermanagement auf Bundesebene verankern zu wollen. In einer Stellungnahme auf ein Postulat von Kurt Eggert von den Grünen, in welcher dieser die Erarbeitung einer nationalen Wasserstrategie forderte, schrieb der Bundesrat im Sommer 2023, dass eine nationale Wasserstrategie aus Sicht des Bundesrats nicht notwendig sei.
Legislaturauftrag
Dass beim Thema Wasser jedoch Handlungsbedarf besteht, anerkannte auch der Bundesrat 2022 mit dem Bericht «Wasserversorgungssicherheit und Wassermanagement», der auf Postulate von Beat Rieder (CVP) von 2018 und Maya Graf (Grüne) von 2020 zurückging. Die Landesregierung sieht aber nicht den Bund, sondern die Kantone in der Pflicht. Als der Bundesrat 2024 seinen Entwurf für die Legislaturplanung 2023–2027 vorlegte, fehlte darin trotz verschiedener Massnahmen zur Klimaanpassung eine konkrete Wasserstrategie auf Bundesebene.
Die zuständige Kommission des Nationalrates fügte den Abschnitt «Wassermanagement – Trockenperioden, Starkniederschläge, Qualität der Wasserversorgung, Schutz der Wasserlebensräume» im Frühjahr 2024 gegen den Willen des Bundesrates in die Legislaturplanung ein. Der Entscheid fiel auch in der Kommission mit fünf zu fünf Stimmen äusserst knapp und nur dank des Stichentscheids der Kommissionspräsidentin Céline Vara (Grüne). Nach der Zustimmung von National- und Ständerat war die Wassermanagement-Strategie damit im Legislaturprogramm verankert und der Bund mit ihrer Ausarbeitung beauftragt.
Begleitgruppe Trockenheit und Herbstsession
Ein Jahr darauf nahm 2025 unter der Leitung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) das Netzwerk «Anpassung an den Klimawandel» seine Arbeit auf. Dieses wurde eingesetzt, um den Austausch und die Koordination zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren Akteuren zu stärken und konkrete Lösungen für drängende Anpassungsfragen zu erarbeiten.
Die Begleitgruppe «Trockenheit» widmete sich dabei spezifisch auch dem Umgang mit Wasserknappheit, Nutzungskonflikten und der Ausarbeitung einer nationalen Wassermanagementstrategie. Im vergangenen August veröffentlichte die Begleitgruppe diesbezüglich einen Beschluss mit verschiedenen Empfehlungen, welche in die noch laufende Ausarbeitung einer nationalen Wasserstrategie einfliessen sollen.
Den Prozess der Ausarbeitung vorantreiben wollen nun die Grünliberalen mit Unterstützung der Grünen und der SP. Die GLP forderte erfolgreich eine dringliche Parlamentsdebatte zum Thema der nationalen Wasserstrategie an der kommenden Herbstsession. Während die Strategiearbeiten in den zuständigen Kommissionen und Behörden weiterlaufen, erhöht sich nun also der politische Druck.
Was eine nationale Wasserstrategie regeln soll
Eine nationale Wasserstrategie existiert bislang nicht und muss deshalb von Grund auf neu ausgearbeitet werden. Entsprechend gehen die Vorstellungen darüber, welche Themen ein solches Strategie- und Massnahmenpapier abdecken soll, auseinander. In einer Umfrage unter den Parteien Die Mitte, FDP, SVP, SP, Grünen und GLP sowie den Anspruchs- und Interessengruppen der Begleitgruppe Trockenheit zeigten sich gemeinsame Positionen, aber auch unterschiedliche Vorstellungen zur Umsetzung. Der unabhängige Hydrologe Klaus Lanz des Forschungsinstituts «International Water Affairs» argumentiert aus Sicht der Wasserforschung und ordnet die Entwicklung der Debatte aus seiner Perspektive ein.
Diese Punkte soll die Wasserstrategie laut der Umfrage regeln:
Erfassung Wasserreserven und Wasserentnahme
Wie bereits 2022 vom Bundesrat anerkannt, fehlen schweizweit weiterhin belastbare Daten dazu, wo wie viel Wasser verbraucht wird und welche Reserven vorhanden sind. Mit Ausnahme der SVP, die sich als einzige Partei nicht zum Thema äussern wollte, nennen deshalb sämtliche befragten Parteien und Verbände eine bessere Datengrundlage als Teilziel einer nationalen Wasserstrategie.
Der Gewässerschutzverband Aqua Viva schreibt in Bezug auf die fehlenden Daten: «Eine Ressource, die man nicht kennt, kann man nicht bewirtschaften», und fordert eine Mess- und Meldepflicht für Wasserentnahmen, ein ausgebautes Grundwassermessnetz und einheitliche Datengrundlagen. Denn Wasser macht nicht an Kantonsgrenzen halt, und das Handeln einzelner Kantone und Gemeinden kann Auswirkungen auf Gewässer jenseits der eigenen Grenzen haben, so der Verband.
Auch die Grünen fordern verlässliche Daten zum tatsächlichen Wasserverbrauch und eine lückenlose Offenlegung insbesondere durch Grossverbraucher wie Landwirtschaft, Industrie und Rechenzentren. Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) hält eine gute Datengrundlage für nötig, warnt jedoch vor einer einseitigen Fokussierung auf die Landwirtschaft. Die Datenerhebung solle ausserdem zu keinem unverhältnismässigen administrativen Zusatzaufwand führen, schreibt der SBV.
Priorisierung während Trockenheit
«Was tun wir, wenn es nicht mehr für alle reicht?» Diese Frage müsse der Bund sich stellen, sagt der Hydrologe Klaus Lanz. In Zeiten der Trockenheit sei der Wasserbedarf insbesondere bei der Landwirtschaft besonders hoch, dann brauche es eine klare Priorisierung, sagt der Wasserforscher. Klaus Lanz und Aqua Viva sprechen sich dabei für einen Vorrang des Trinkwassers aus.
Gleichzeitig dürfe bei einer solchen Priorisierung die Restwassermenge, also die Mindestmenge an Wasser, die in einem Gewässer bleiben muss und nicht entnommen werden darf, nicht zur Verhandlungsmasse werden, betont Aqua Viva. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Wasserkraft relevant: Zahlreiche Kraftwerke werden in den kommenden Jahren neu konzessioniert und müssen künftig strengere Restwasservorschriften erfüllen, was laut Stromversorgern wie Axpo die Stromproduktion beeinträchtigen werde.
Der Verband der Wasserwirtschaft Hydrosuisse fordert deshalb, auch die Versorgungssicherheit zu berücksichtigen, für die die Wasserkraft zentral sei. Damit ist das Ziel des Bundes gemeint, die Winterstromproduktion auszubauen und damit die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter zu reduzieren.
Der Schweizer Bauernverband wiederum fordert, neben dem Wassermanagement auch die Ernährungssicherheit zu berücksichtigen. Bei einer Priorisierung müssten regionale Verhältnisse und der künftige Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft miteinbezogen werden.
Nicht jede Kultur sei gleich wertvoll für die Ernährungssicherheit, sagt der Hydrologe Klaus Lanz. Daher könnte er sich auch innerhalb der Bewässerung eine Priorisierung nach Kulturen vorstellen. Gleiches gelte auch in Bezug auf das Trinkwasser: «Selbst wenn klar ist, Trinkwasser hat Priorität, was zählen wir dann dazu? Haben Rasenbewässerung und Poolbefüllungen auch Priorität, da diese ab Trinkwasser gespiesen werden, wie unterscheiden wir das?» Auch diese Fragen müssten im Rahmen einer Priorisierung ausgearbeitet werden, so der Wasserforscher.
Wasserspeicherung
Durch den Klimawandel verändern sich die hydrologischen Bedingungen in der Schweiz. Die Sommer werden trockener, die Winter niederschlagsreicher, wobei der Niederschlag vermehrt als Regen statt Schnee fällt. Damit schwindet der natürliche Wasserspeicher der Schneedecke in den Alpen ebenso wie jener der Gletscher. Die Frage ist deshalb, wie Wasser in niederschlagsreichen Zeiten gespeichert werden kann, damit es in Trockenperioden zur Verfügung steht.
Die GLP fordert, neu entstehende Gletschervorfelder systematisch auf ihre Eignung als Wasser- und Energiespeicher zu prüfen und diese zu priorisieren. Auch die Mitte spricht sich für neue oder erweiterte Speicherseen aus. Grosse Speicherseen dienten nicht nur der Stromproduktion, sondern auch der Wasserversorgung. «Sinnvolle hydrologische Projekte und nötige Erweiterungen dürfen deshalb nicht unnötig durch Umweltverbände blockiert werden», schreibt die Partei.
Die Umweltschutzorganisation WWF hingegen fordert, natürliche Wasserspeicher zu priorisieren. Damit das Wasser in der Landschaft bleibe, müssten Niederschläge stärker ins Grundwasser sickern können. Dazu brauche es vor allem die Revitalisierung von Mooren, Schwammlandschaftsmassnahmen, die Begrünung und Entsiegelung von Flächen sowie eine regenerative Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen.
Auch der Hydrologe Klaus Lanz plädiert für einen stärkeren Fokus auf das Grundwasser: «Das Grundwasser ist unser wichtigster Wasserspeicher, das ist ein riesiger Überjahresspeicher, der einfach so da ist, den wir nicht einmal bauen müssen.» Grundwasser sei weniger stark den Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt und eine «relativ klimaresiliente Ressource», der in einer künftigen Wasserstrategie oberste Priorität zukommen sollte.
Koordination durch den Bund
Ein Punkt, bei dem sich die Mehrheit der am Dialog beteiligten Verbände und Parteien einig sind, ist die Notwendigkeit einer übergeordneten Koordination kantonaler Massnahmen, insbesondere in Zeiten der Trockenheit. Wie stark eine solche Koordination jedoch in kantonale oder kommunale Befugnisse eingreifen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Die FDP schreibt, ein koordiniertes Vorgehen zwischen den Staatsebenen könne sinnvoll sein. Der Bund solle jedoch nur dort koordinieren, wo es einen echten Mehrwert gebe, etwa bei Datengrundlagen, Forschung und der frühzeitigen Erkennung von Nutzungskonflikten. Was es sicher nicht brauche seien schweizweit einheitliche Detailvorschriften und neue Subventionstöpfe, schreibt die FDP auf Anfrage.
Auch der Schweizer Bauernverband sieht die föderalen Zuständigkeiten grundsätzlich nicht als Problem, hält eine übergeordnete Koordination der Wasserinfrastruktur langfristig jedoch für sinnvoll.
Die bisherige Organisation der Zuständigkeiten habe sich in Zeiten, in denen Wasser im Überfluss vorhanden war, bewährt, schreibt Aqua Viva. Bei Knappheit stosse dieses System jedoch an seine Grenzen: «Einzugsgebiete umfassen mehrere Kantone und Dutzende Gemeinden. Im Trockenfall entscheiden diese aber meist für sich, mit unterschiedlichen Verbrauchseinschränkungen, unterschiedlicher Bewilligungspraxis für Entnahmen und ohne gemeinsame Datenbasis.»
Eine nationale Wasserstrategie könne einen nötigen einheitlichen und verbindlichen Rahmen geben, ohne dabei die Wasserhoheit in Frage zu stellen, sagt Aqua Viva. Denn der Blick auf bestehende Massnahmen des Gewässerschutzes zeige, dass diese je nach Kanton unterschiedlich konsequent umgesetzt würden.
Gewässerschutz
Während sich die Debatte bezüglich der Trockenheit meist um die verfügbare Menge des Wassers dreht, müsse eine nationale Strategie im gleichen Maase auch den Aspekt der Wasserqualität berücksichtigen, schreibt Aqua Viva: «Unsere Gewässer sind bereits heute durch Pestizide, Nährstoffe und Chemikalien wie PFAS und TFA belastet, bei weniger Wasser steigen die Schadstoffkonzentrationen zusätzlich an. Dies schränkt die Nutzung und die Eignung als Lebensraum weiter ein.»
Dies habe auch Einfluss auf die Nutzung des Grundwassers als Trinkwasser, sagt der Hydrologe Klaus Lanz: «Wir haben in den letzten 40 Jahren im Kanton Bern 200 Grund- und Quellwasserfassungen der Trinkwasserversorgung aufgrund von Nutzungskonflikten oder Verschmutzung verloren. Das ist ein absolutes Warnsignal.»
Bereits heute seien grosse Mengen des Grundwassers nicht nutzbar, weil diese belastet seien, so der Wasserforscher. Klaus Lanz fordert, dass relevante Bereiche für die Versickerung identifiziert und konsequent geschützt werden sollen.
Wo sich Konflikte anbahnen
Wasser bewirtschaften oder Wasserpolitik gestalten?
Was jetzt ausgearbeitet werde, sei keine Wasserstrategie, sondern eine unverbindliche Wassermanagement-Strategie, sagt der Hydrologe Klaus Lanz: «Wir brauchen aber verbindliche Rechtsgrundlagen, zum Beispiel um Verbrauchsdaten zu erheben und Konflikte zu bereinigen.» Der Wasserforscher befürchtet zudem, dass bei der jetzt geplanten Wassermanagement-Strategie gerade die Verschmutzung der Gewässer aussen vor gelassen würden.
Auch Aqua Viva schreibt, dass es ihrer Meinung nach einen klaren Unterschied zwischen den beiden Begriffen geben würde: «Eine Wasserstrategie ist ein ganzheitlicher Ansatz. Sie behandelt Wasser als Ganzes, also die Verfügbarkeit, die Qualität, den Schutz und die Nutzung. Eine Wassermanagementstrategie ist enger gefasst. Sie prüft und legt fest, wie die Ressource Wasser bewirtschaftet wird.» Zweiteres sei der Weg, der von Behörden und der Politik gewählt wurde, schreibt die Gewässerschutzorganisation.
Der WWF hingegen schreibt, dass aus ihrer Sicht die Wirkung der Massnahmen entscheidender sei als deren Titel. Aktuell werde klar eine Wassermanagementstrategie ausgearbeitet, doch auch eine solche könne zielführend sein, solange sie den Schutz und die Nutzung der Ressource und des Lebensraums Wasser gemeinsam betrachte.
Stauseen als Wasserspeicher
Die GLP fordert vom Bundesrat, dass dieser die Eignung von Speicherseen in Gletschervorfeldern als Energie-, aber auch als Wasserspeicher prüfe. Eine solche Mehrfachnutzung der Speicherseen sei kein erfolgversprechender Lösungsansatz, kritisiert der Hydrologe Klaus Lanz: «Zur Bewässerung der Landwirtschaft im Mittelland können Stauseen im Hochgebirge nur wenig beitragen. Zumal die Landwirtschaft gerade dann Wasser braucht, wenn die Wasserkraftbetreiber ihre nach dem Winter entleerten Stauseen füllen wollen.»
Denn im Winter ist nicht nur der Strombedarf höher als im Sommer, sondern auch der Preis, den die Wasserkraftbetreiber für den Strom verlangen können. Aktuell bestehe das Interesse der Wasserkraftbetreiber darin, die Speicherseen für den kommenden Winter zu füllen, und nicht darin, fehlende Niederschläge im Mittelland auszugleichen, indem sie mehr Wasser in Flüsse ablassen, schreibt auch die Eidgenössische Forschungsanstalt des Bundes WSL in einem Q&A zum Thema Trockenheit.
Der WWF warnt davor, der Trockenheit mit «Schnellschüssen oder technischer Symptombekämpfung» zu begegnen. Eine funktionsfähige ökologische Infrastruktur sei die beste Versicherung gegenüber den Auswirkungen von Hitze und Trockenheit.
Erfassung des Wasserverbrauchs
Erst kürzlich veröffentlichte die Arbeitsgruppe Trockenheit des Netzwerks Anpassung an den Klimawandel ein empfohlenes Massnahmenpaket zum Management der Wasserressourcen bei Trockenheit. Direkt unter den fünf Massnahmen hält sie fest: «Ein wichtiges Anliegen der Arbeitsgruppe ist es, dass Massnahmen nicht dazu führen sollen, dass unter anderem die landwirtschaftliche Produktion reduziert und der Wasserfussabdruck weiter ins Ausland verlagert werden.»
Der Hydrologe Klaus Lanz kritisiert dies scharf: «Wenn die Bauernverbände schon im Vorfeld dafür sorgen, dass in den Grundlagenpapieren zur Trockenheit festgeschrieben wird, dass die landwirtschaftliche Produktion durch mögliche Massnahmen nicht reduziert werden dürfe, ist ziemlich klar, in welche Richtung die Reise gehen soll.»
Das Massnahmenpaket empfiehlt zwar, Wasserentnahmen zu erfassen, die Verantwortung dafür soll jedoch bei den Kantonen liegen. Die Formulierungen seien äusserst schwammig, kritisiert Lanz. Gesetzliche Grundlagen, um die nötigen Daten von den Wassernutzern einzufordern, sollen etwa «bei Bedarf» geschaffen werden, heisst es im Dokument.
Auch die Wasserforscherin Bettina Schäfli von der Universität Bern kritisiert dies in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens: «Landwirtschaft und Industrie zusammen verbrauchen bis zu 50 Prozent des Wassers in der Schweiz aus privater Förderung. Das wird kaum gemessen. Wir müssen vom Stadium von Empfehlungen wegkommen, wie das heute der Fall ist, und wirklich vom Bund präzise Vorgaben erhalten.»
So geht es weiter
Die politische Debatte wird in der Herbstsession 2026 weitergeführt. Gleichzeitig arbeitet der Bund unter Einbezug verschiedenster Verbände und Behörden an der nationalen Wassermanagementstrategie weiter. Die im August 2026 veröffentlichten Empfehlungen des Netzwerks «Anpassung an den Klimawandel» sollen dabei als fachlicher Input dienen. Der Bundesrat will die Strategie voraussichtlich Ende 2027 vorstellen.
Doch der öffentliche und parlamentarische Druck nimmt zu. Die SP hat gegenüber watson angekündigt, eine Motion für die gesetzlichen und technischen Grundlagen eines nationalen Wassermanagementsystems einzureichen. Darin soll auch eine Strategie zur Priorisierung der Wassernutzung in Trockenperioden gefordert werden. Fraglich bleibt, ob dieser Druck anhält, wenn die Temperaturen sinken und die Niederschläge wieder regelmässiger werden.
