Zürcher Klinik lindert schwere Depressionen mit Psilocybin
Die psychedelische Substanz lindert die Beschwerden auch unter realen Bedingungen spürbar, wie die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) am Montag mitteilte. Bisherige Untersuchungen fanden meist nur unter hochstandardisierten Forschungsbedingungen statt. Nun zeigten sich die positiven Effekte erstmals im normalen Klinikalltag bei Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen.
Für die Untersuchung wurden 19 erwachsene Personen mit einer ausgeprägten, therapieresistenten Depression behandelt. Die Erkrankten hatten im Vorfeld durchschnittlich bereits fünf verschiedene Antidepressiva ohne Erfolg ausprobiert. Die Auswertung ergab eine deutliche Reduktion der Symptome mit grosser Effektstärke. Dabei erzielte die erste Sitzung die grösste Wirkung, während der Zustand danach stabil blieb. Schwerwiegende oder anhaltende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Unterschiede zu kontrollierten Studien
Allerdings weisen die Forschenden darauf hin, dass die Linderung unter Alltagsbedingungen etwas geringer ausfallen könnte als in hochregulierten Studien. Weil die Bedingungen in der Realität komplexer sind, verläuft der Therapieprozess sehr individuell. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift «The Lancet Regional Health Europe» veröffentlicht.
Die Klinik will nun in weiteren Studien untersuchen, welche Faktoren den Behandlungserfolg voraussagen können. Neben der optimalen Patientenauswahl sollen auch die Langzeitwirkung und Sicherheitsaspekte analysiert werden. Die Schweiz gehört zusammen mit Kanada und Australien zu den wenigen Ländern, die Psilocybin unter strengen Auflagen bereits in der Praxis einsetzen. In den USA wird eine Zulassung bis zum Ende dieses Jahres erwartet. (sda)
