Junge Menschen sagen weniger «Bitte» – unhöflich sind sie trotzdem nicht
Jüngere Menschen sagen im Alltag weniger «Bitte». Unfreundlicher sind sie deshalb nicht. Stattdessen verwenden sie sprachliche Varianten wie «vielleicht» häufiger. Regional gibt es jedoch klare Unterschiede bei der Häufigkeit von Höflichkeitsmerkmalen.
30-Jährige nutzen das Wort «Bitte» lediglich bei jeder vierten ihrer Bitten. 70-Jährige nutzen das Zauberwort hingegen doppelt so viel. Das zeigt ein internationales Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld, wie ZDFheute berichtet. Mithilfe eines Onlinefragebogens untersuchten die Forschenden unter anderem, wie Bitten formuliert werden und welche Rolle Alter und Region spielen.
Trotzdem würden jüngere Menschen demnach nicht unfreundlicher sprechen als ältere. Vielmehr hätten sie ein anderes Verständnis von Höflichkeit. Denn sprachlich mild ausgedrückt, können Wörter wie «vielleicht» oder «eventuell» genauso freundlich wirken.
Auch förmliche Anreden, etwa Siezen, seien bei jüngeren Menschen seltener. Doch die Wahl der Anrede hänge nicht bloss vom eigenen Alter, sondern auch von dem des Gegenübers ab, erzählt Janel Zoske, Linguistin der FU Berlin, dem Medium.
Die höfliche Schweiz
Nebst altersabhängigen gibt es laut der Autoren auch regionale Unterschiede. In der Schweiz werden Personen deutlich häufiger mit Namen begrüsst als in Deutschland oder Österreich.
Der hierzulande weit verbreitete Eindruck, dass Personen aus dem Norden nicht ganz so höflich sprechen wie Menschen in der Schweiz, ist gemäss Studie ebenfalls nicht komplett von der Hand zu weisen. Höflichkeitsmerkmale wie das Zauberwort oder die Nutzung des Konjunktivs werden im Süden des deutschsprachigen Raums häufiger verwendet, oftmals auch in Kombination. So heisst es dann etwa: «Könnten Sie mir bitte eventuell ein Gipfeli geben?»
(nil)
