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Nasensekret: 9 Fakten über Rotz, den ungeliebten Stoff in deiner Nase

Böögg aus dem Böögg.
Böögg aus dem Böögg.Bild: KEYSTONE/shutterstock

Am Montag explodiert der Böögg. Hier also: 9 spannende Rotz-Fakten

Badumm-tss!
16.04.2023, 05:36
Daniel Huber
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Am 17. April ist wieder Sechseläuten. Ja, ja, diese Festivität der Zürcher, wo am Schluss der Schneemann brennt und bestenfalls explodiert. Das wollen wir zum Anlass nehmen, über Bööggs zu sprechen. Also, Rotze. Nasenschleim. Schnoder. You name it.

Nasensekret, umgangssprachlich wenig schmeichelhaft «Rotz» genannt, ist eine eher ungeliebte Körperflüssigkeit. In der Regel sind wir froh, sie nicht zu Gesicht zu bekommen – weder die eigene noch die anderer Leute. Doch dieser Schleim, den manche ekelhaft finden mögen, erfüllt wichtige Funktionen. Und aus seiner Konsistenz, seiner Farbe und seinem Geruch lassen sich Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand ziehen. In den folgenden 9 Punkten erfährst du mehr über diese nützliche Substanz in deiner Nase:

Was ist Nasensekret?

Gesundes Nasensekret ist ein dickflüssiges Gel, das aus Wasser, Glykoproteinen, Salzen und Lipiden besteht. In der Struktur der Glykoproteine sind Kohlenhydrate enthalten; sie können feste molekulare Bindungen bilden, was die Viskosität (Zähflüssigkeit) des Schleims erklärt. Wenn das Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert, können zusätzlich Immunglobuline (Antikörper) und antiseptische (keimabtötende) Enzyme im Sekret enthalten sein. Abgesondert wird das Sekret von speziellen Drüsen in der Schleimhaut der Atemwege, wobei in der Nase am meisten produziert wird.

Wozu dient es?

Nasensekret erfüllt zwei wichtige Funktionen, die beide dazu beitragen, dass so wenige Krankheitserreger wie möglich in den Körper gelangen: Zum einen fängt der Nasenschleim kleine Staubpartikel und Erreger aus der Luft ein. Viren etwa binden an die Kohlenhydrate in den Glykoproteinen, statt an Körperzellen anzudocken. Die winzigen Eindringlinge werden durch Flimmerhärchen (Zilien) in Richtung Rachen transportiert und heruntergeschluckt; Viren und Bakterien werden dabei im Magen von der Magensäure abgetötet. Zum anderen hält das Sekret die Schleimhäute feucht und bewahrt das dünne Gewebe als Schutzschicht vor dem Austrocknen. Dies ist wichtig, weil eine trockene Nasenschleimhaut die Beweglichkeit der Zilien beeinträchtigt.

Microscopic cilia flap back and forth continuously to push mucus to the back of your throat.
http://care.american-rhinologic.org/nasal_physiology
Flimmerhärchen, die Zilien, transportieren Fremdkörper aus der Nase Richtung Rachen.Bild: American Rhinologic Society

Wie viel Nasensekret produzieren wir pro Tag?

Ein Mensch produziert jeden Tag im Schnitt zwischen 1 und 1,5 Liter des Sekrets. Im vorderen Bereich der Nase trocknet ein Teil davon aus und verfestigt sich zu Krusten (auch «Borken» oder umgangssprachlich «Popel» genannt). Die weitaus überwiegende Menge gelangt indes über den Nasen-Rachen-Gang in den Rachen und wird dabei unwillkürlich hinuntergeschluckt.

Warum läuft manchmal die Nase?

In den meisten Fällen läuft die Nase bei einer akuten Rhinitis, also einer Erkältung mit Schnupfen als Hauptsymptom. Die Schleimhäute sind dann entzündet und produzieren besonders viel Sekret. Eine weitere mögliche Ursache kann auch eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sein. Oft sind auch Allergien – etwa Heuschnupfen – ein Grund für eine laufende Nase. Sie werden durch Staub, Pollen, Tierhaare oder bestimmte Nahrungsmittel ausgelöst. Schliesslich können auch Polypen in der Nase dafür sorgen, dass sie läuft. In diesen Fällen dient die vermehrte Schleimproduktion dazu, Fremdkörper, reizende Stoffe oder Erreger aus der Nase zu entfernen.

Laufende Nase, Symbolbild
Wenn die Nase läuft, kann das unterschiedliche Gründe haben.Bild: Shutterstock

Nicht immer ist eine laufende Nase Symptom einer Erkrankung – intensiver Sport, scharfes oder heisses Essen oder auch der abrupte Wechsel von kalt zu warm können kurzzeitig zu einer erhöhten Produktion des Sekrets führen, da dann die Schleimhäute stärker durchblutet werden. Überdies kann es in fortgeschrittenem Alter dazu kommen, dass sich die Blutgefässe in der Nase weiten, was die Schleimhäute anschwellen lässt und die Absonderung von Sekret begünstigt.

Was haben die Farben des Schleims zu bedeuten?

Der Zustand des Nasensekrets ist ein wichtiger Indikator für Erkrankungen. Verfärbt es sich, riecht es faulig oder enthält es Spuren von Blut, sollte man sich Gedanken machen. Das haben die Verfärbungen des Sekrets zu bedeuten:

  • Glasig, durchsichtig: Dies ist die Farbe des Sekrets im Normalzustand, wenn keine Erkältung oder sonstige Infektion vorliegt.
  • Weisslich, trüb: Eingetrübtes bis weissliches Sekret, das zudem oft weniger flüssig ist, deutet auf Schwellungen in der Nase hin, die den Abfluss hemmen. Der Grund dafür kann eine sich anbahnende Erkrankung der Atemwege – meist eine Erkältung – sein.
  • Bräunlich / grau: Eine bräunliche Verfärbung kann mehrere Ursachen haben. Oft liegt es daran, dass viel Staub eingeatmet wurde, der in der Nase vom Sekret und den Zilien eingefangen wurde. Das ist meist auch bei grauem Schleim der Fall. Besonders bei dunkleren Brauntönen kann es sich aber auch um altes, geronnenes Blut handeln, etwa nach vorangegangenem Nasenbluten. Auch starke Raucher können braun verfärbtes Sekret aufweisen.
  • Gelb: Verfärbt sich das Sekret gelblich, ist dies ein Hinweis darauf, dass sich das Immunsystem gegen Krankheitserreger wehrt. Die Farbe wird von abgestorbenen Immunzellen (Leukozyten) und abgetöteten Erregern verursacht, die mit dem Sekret aus dem Körper gelangen. Kommen weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Fieber oder Halsschmerzen oder Ohrenschmerzen hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. ​
  • Gelb-grün: Wenn sich der gelbe Nasenschleim zusätzlich grün verfärbt, kann das auf eine bakterielle Infektion hinweisen. Hält die Verstopfung der Nase mit grünem Schleim länger an, liegt möglicherweise eine akute Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) vor, die ärztlich behandelt werden sollte. Bei einer Sinusitis treten weitere Symptome auf, etwa Kopf- und Gesichtsschmerzen, die sich beim Bücken verstärken; druck- und klopfempfindliche Stellen im Gesicht; Abgeschlagenheit; Fieber und Husten, der durch eitrigen Schleim verursacht wird, der sich nachts in den Bronchien ansammelt.
  • Schwarz: Eine schwarze Verfärbung des Nasenschleims kommt eher selten vor. Wenn der Grund dafür nicht darauf zurückzuführen ist, dass grosse Mengen Staub oder Schmutz in die Nase gelangten, ist Vorsicht angebracht – es kann sich dann um eine Pilzinfektion handeln. Weitere Symptome, die auf eine solche Infektion hindeuten, sind Schmerzen in der Nase, Atembeschwerden sowie verminderter Geruch und Geschmack. Wenn schwarzer Schleim anscheinend grundlos auftritt, sollte man daher einen Arzt konsultieren.
  • Blut im Nasensekret: Wenn das Sekret rosa verfärbt ist, deutet das auf geringe Beimengungen von Blut hin, etwa wegen eines geplatzten Äderchens oder einer kleinen Verletzung. Tritt der blutige Schleim über mehr als 1 bis 2 Tage hinweg auf, kann es sich um eine Entzündung handeln. Hier sollte ein Arzt konsultiert werden. Es kann auch, besonders bei Kindern, ein kleiner Gegenstand in die Nasennebenhöhle gelangt sein, der Blutungen verursacht.
Laufende Nase, Rotz, Symbolbild
Grünlich gefärbtes Nasensekret deutet auf eine (zusätzliche) bakterielle Infektion hin. Bild: Shutterstock

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bleibt der Nasenschleim über zwei Wochen hinweg gelb oder gelb-grün verfärbt, sollte man zum Arzt gehen. Wenn aber zusätzlich Symptome wie Fieber über 39 Grad, Schüttelfrost, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Hals- und Ohrenschmerzen, Atemnot oder eitriger Geruch des Nasensekrets auftreten, ist ein Arztbesuch auch früher dringend zu empfehlen.

Darf man Rotz hochziehen?

Rotz hochziehen gilt als sehr unfein. Dazu kommen noch Bedenken wegen möglicher gesundheitlicher Folgen – der Nasenschleim könnte ja etwa Keime ins Körperinnere befördern. Solche Bedenken sind aber ungerechtfertigt, denn der grösste Teil des Nasensekrets wird ohnehin laufend heruntergeschluckt. Erreger überleben zudem das Bad in der Magensäure nicht.

Das Hochziehen des Schleims ist im Gegenteil sogar gesünder als das Schnäuzen, jedenfalls falls dieses mit zu viel Druck erfolgt. Bei sehr kräftigem Schnäuzen kann der Schleim durch den Druck schlimmstenfalls in die Nebenhöhlen oder – durch einen Kanal im Nasen-Rachen-Raum – ins Mittelohr gepresst werden. Ohnehin kann weder Schnäuzen noch Hochziehen eine laufende Nase wirklich befreien, da die Schleimhäute dann geschwollen sind, was das Atmen durch die Nase erschwert.

Und Popel essen?

Nasenschleim schlucken wir die ganze Zeit unbewusst hinunter. Es bewusst zu tun – besonders den getrockneten Schleim, also die Popel – ist zumindest in der westlichen Gesellschaft ein starkes Tabu. Ungesund ist es allerdings nicht, wobei das Nasenbohren mit dem Finger die Gefahr einer Infektion mit sich bringt. Das Verzehren von Popeln stärkt laut dem kanadischen Biochemiker Scott Napper sogar das Immunsystem. Auch der österreichische Lungenspezialist Friedrich Bischinger ist dieser Meinung. Zudem enthalten die Popel sogenannte Speichel-Mucine, die die Zähne vor Karies-Bakterien schützen.

Nasenbohren
Nasenbohren ist nicht gesellschaftsfähig, und es kann zu Infektionen führen. Die Popel dann auch noch zu essen, ist ein Tabu – aber gesundheitlich unbedenklich. Bild: Shutterstock

Was hilft gegen eine laufende Nase?

Wenn die Nase läuft, ist das unangenehm. Grundsätzlich ist es aber sinnvoll, wenn das Sekret ausgeschieden wird – Hausmittel gegen eine laufende Nase sollten also nicht etwa den Ausfluss stoppen, sondern eher unterstützen und zudem Beschwerden lindern.

  • Inhalieren: Warme und feuchte Luft verdünnt den Schleim und fördert so den Abtransport von Erregern. Das warme Wasser kann allenfalls noch mit Kamillenblüten oder ätherischen Ölen angereichert werden.
  • Salzwasser: Nasenspülungen mit warmem Salzwasser – am besten mithilfe einer Nasendusche – helfen ebenfalls dabei, Keime abzutransportieren. Sie halten zudem die Schleimhäute feucht.
  • Eukalyptusöl: Dies kann verdünnt auf der Oberlippe aufgetragen oder direkt auf das Taschentuch geträufelt werden. Es lindert den Reiz und wirkt abschwellend auf die Schleimhäute, was das Atmen erleichtert.
  • Zwiebel: Der Saft der Zwiebel desinfiziert und kann Schwellungen lindern sowie den Schleim lösen. Eine in kleine Würfel geschnittene Zwiebel kann etwa mit Honig vermischt werden. Nach ein paar Stunden kann man einen Teelöffel des nunmehr mit Zwiebelsaft vermischten Honigs zu sich nehmen.
  • Ingwer: Auch Ingwer fördert die Durchblutung und den Abtransport des Schleims. Wie die Zwiebel kann er mit Honig vermischt werden.
  • Viel trinken: Die Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig; am besten eignet sich Tee dazu. Lindenblütentee wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend, Holunderblütentee schweisstreibend und schleimlösend.
  • Nasentropfen und -sprays: Es gibt einfache Sprays mit Meersalz und solche, die eine Abschwellung der Schleimhäute bewirken, indem sie deren Durchblutung drosseln. Dies kann lindernd und wirken und eine Verstopfung der Nase verhindern. Abschwellende Nasensprays sollte man jedoch auf keinen Fall länger als eine Woche verwenden, sonst kann eine Abhängigkeit entstehen und in der Folge eine Schädigung der Schleimhäute eintreten.

Dazu nun die wichtigste Frage des Tages:

Popelst du?
Déjà-vu?
Diese Story könnte dir bekannt vorgekommen sein, wir haben sie dir 2022 in ähnlicher Form schon mal präsentiert. Aus aktuellem Anlass (Sächsilüüte!!!) wollten wir sie dir noch einmal unter die Nase reiben.
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61 Kommentare
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Rethinking
18.09.2022 12:31registriert Oktober 2018
Diverse Leute halten sich quasi die Nase zu, wenn die niesen müssen. Wohl weil sie niesen unanständig oder peinlich finden…

Meines Erachtens kann dies (zuhalten) nicht gesund sein. Erzeugt es doch einen Druck…
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Liebu
18.09.2022 13:22registriert Oktober 2020
Wer popelt geht in sich und holt etwas aus sich heraus.
Eigentlich was erfolgreiche Menschen halt so tun. 🤷‍♂️
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Retiru
18.09.2022 14:07registriert Januar 2017
1-1.5 liter🙈
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