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Gesundheit: Warum ein Schnupfen Männer WIRKLICH härter trifft als Frauen

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Rund um Gsund

Warum ein Schnupfen Männer WIRKLICH härter trifft als Frauen

Wochenende und beide meine Kinder haben einen Schnupfen erwischt. Während meine Tochter sich über die laufende Nase nervt, sonst aber ganz normal ihr Ding macht, liegt mein Sohn elend jammernd im Bett, verlangt nach Tee und Mitleid. Er kann nicht mal etwas dafür. Denn Studien zeigen: Männer leiden tatsächlich mehr unter Infekten als Frauen. Und die «stärksten» von ihnen haut es am ehesten um.
05.11.2021, 08:04
Sandra Casalini
Sandra Casalini
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Im Grunde haben beide meine pubertierenden Kinder das Gleiche: eine sogenannte akute Rhinitis, eine infektiöse Entzündung der Nasenschleimhaut. Dies führt zu erhöhter Produktion von wässrigem Nasenschleim – also einer ständig laufenden Nase –, Verstopfung der Nase sowie einer Schwellung der Nasenschleimhaut. Häufig kommen Symptome wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen dazu. Ausgelöst wird die ansteckende Tröpfchen-Infektion durch Viren – insgesamt sind über 200 Arten bekannt, die zu einem Schnupfen führen können. Die Anfälligkeit wird durch das Auskühlen von bestimmten Körperregionen wie dem Kopf oder den Füssen erhöht, deshalb nimmt die Häufigkeit in den kalten Jahreszeiten zu, und der Schnupfen kommt häufig gepaart mit einer Erkältung daher.

Je männlicher, desto anfälliger

Warum aber liegt mein Sohn das ganze Wochenende mehr oder weniger todkrank im Bett, und meine Tochter nervt sich lediglich über die laufende Nase? Weil ihn, diesen fast 1,85 grossen, breitschultrigen, muskulösen Teenager dieser fiese Schnupfen tatsächlich härter trifft als seine Schwester. Es ist sogar so: Je «männlicher» ein Mann ist, desto mehr leidet er unter solchen Infekten. Das liegt am Immunsystem, beziehungsweise an den Hormonen, beziehungsweise in unseren Genen.

Von vorne: Ein Forscherteam der John Hopkins Bloomberg School of Public Health fand heraus, dass das weibliche Sexualhormon Östrogen eine zentrale Rolle spielt, wenn es um Infektionskrankheiten geht. Es hemmt die Vermehrung von Viren und regt die Vermehrung von Abwehrzellen an. Je weniger Östrogen und je mehr Testosteron man im im Körper hat, desto weniger Antikörper bilden sich bei einer Infektion. Das heisst:

«Die stärksten Männer – also die mit dem meisten Testosteron im Verhältnis – sind die grössten Memmen, und das total zurecht!»

Übrigens wurden bei Frauen auch nach Impfungen deutlich mehr Antikörper gefunden als bei Männern.

Das Östrogen steht in engem Zusammenhang mit unserem Immunsystem. Es interagiert mit den Immunzellen und stärkt sie, um Viren und Bakterien abzutöten, die eine erfolgreiche Befruchtung der Eizellen verhindern könnten. Aus diesem Grund reagiert das weibliche Immunsystem schneller und aggressiver auf Krankheitserreger als das männliche.

Es liegt alles in den Genen

Den Hauptgrund für das stärkere weibliche Immunsystem sieht die Forschung allerdings in unseren Genen, beziehungsweise im doppelten X-Chromosom der Frauen. Auf diesem liegen nämlich besonders viele Gene, welche für Abwehrprozesse zuständig sind. Das hat übrigens nicht nur Vorteile: Autoimmunerkrankungen, also Krankheiten, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift (zum Beispiel Rheuma oder Multiple Sklerose) kommen bei Frauen um einiges häufiger vor als bei Männern.

Nun ist ja so ein Schnupfen auch für Männer kein Beinbruch (im wahrsten Sinne des Wortes) und meist relativ schnell vorbei. Vorbeugen kann trotzdem nicht schaden. Wie man das tut, wenn man's mit einem Tröpfchen-Infekt zu tun hat, sollten wir mittlerweile alle in- und auswendig wissen: Abstand halten, auf die Hygiene achten, und das Immunsystem durch gesunde Ernährung, genügend Schlaf und Bewegung stärken. Da wir das eh schon alle machen, kann es gut sein, dass wir diesen Winter mit erheblich weniger akuter Rhinitis davonkommen als sonst.

Liebe Männer, ihr habt die Lizenz zum Jammern! Aber mal Hand aufs Herz: Findet ihr so einen Schnupfen wirklich so schlimm? Wie erlebt ihr Männer-Schnupfen, liebe Frauen? Und gibt's auch unter euch solche, die eine Erkältung total flachlegt? Teilt es mit uns in den Kommentarspalten.

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Sandra Casalini, bei sich zu Hause in Thalwil, am 04.12.2018, Foto Lucian Hunziker
bild: Lucia Hunziker

Über die Autorin:

Sandra Casalini schreibt über mehr oder weniger alle und alles, was ihr über den Weg läuft – immer gnadenlos ehrlich und mit viel Selbstironie. Genau so geht sie auch den Blog «Rund um Gsund» an, der ab sofort alle zwei Wochen auf watson erscheinen wird. Bei dem Thema Gesundheit verhält es sich bei Sandra gleich wie mit der Kindererziehung: Sie ist keine Expertin, aber kommt mit beidem irgendwie klar. Manchmal mit Hilfe, manchmal ohne.

Casalinis Texte erscheinen regelmässig im Elternmagazin «Fritz und Fränzi» und der «Schweizer Illustrierten». Bei der SI gewährt sie zudem wöchentlich Einblick in ihr Leben mit pubertierenden Kids im Blog «Der ganz normale Wahnsinn».

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82 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ThePower
05.11.2021 08:26registriert März 2016
Danke, endlich werden wir Männer entlastet. Ich leide tatsächlich sehr stark, wenn ich erkältet bin, da bin ich kaum zu gebrauchen. Das bedeutet nicht nur, dass ich kein Weichei bin, sondern im Gegenteil ein ganz grosser, starker Mann. Artikel ist jetzt in meinen Favoriten.
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WinCents grüsst
05.11.2021 10:05registriert Mai 2021
Nur eine Frau, die Kinder geboren hat weiss, was ein Mann mit einer Erkältung durchmachen muss! 😉😃
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Pragmatiker17
05.11.2021 12:35registriert Juni 2018
Wenn ich erkältet bin, ziehe ich immer meinen besten Anzug an und lege mich mit gefalteten Händen aufs Bett. Man möchte schliesslich angemessen vorbereitet sein.
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Teenie-Zimmer nur 3x pro Tag lüften? Echt jetzt?
Während ich immer noch im Stolz schwelge, meine Kinder tatsächlich dazu gebracht zu haben, nachts ihre Elektrogadgets runterzufahren, fürchte ich, beim nächsten Thema könnte es um einiges schwieriger werden: Es geht ums Heizen und Lüften. Denn gekippte Fenster sind in Teenager-Zimmern eigentlich ein Muss …

Bei diesem Energiespar-Thema bin ich gerade definitiv im Vorteil. Stichwort beginnende Wechseljahre. In der Redaktion, in der ich regelmässig arbeite, wird zum Energiesparen nur noch auf maximal 21 Grad geheizt. Während meine jüngeren Kolleginnen und Kollegen sich ständig in zwei bis drei Kleiderschichten hüllen, spaziere ich im T-Shirt herum.

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