Schweiz

Spannende Regierungsrats-Wahlen: Dürr zittert in Basel, 3 Frauen kämpfen im Aargau

Publiziert: 07.11.16, 10:19 Aktualisiert: 07.11.16, 10:34

Ob die rot-grüne Regierungsmehrheit in Basel-Stadt bleibt oder sogar ausgebaut wird, entscheiden die Wahlberechtigten am 27. November. Zwei Sitze sind noch zu vergeben. Im Kanton Aargau ist noch ein Regierungssitz frei, um den sich drei Frauen ein offenes Rennen liefern.

In Basel-Stadt waren beim ersten Wahlgang am 23. Oktober Eva Herzog, Christoph Brutschin (beide SP) und Lukas Engelberger (CVP) wieder sowie Conradin Cramer (LDP) und überraschend auch schon Elisabeth Ackermann (Grüne) neu gewählt worden. Die Neuen lösen per Februar die abtretenden Christoph Eymann (LDP) und Guy Morin (Grüne) ab.

Indes verpasste mit Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) und Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) von beiden Lagern je ein Bisheriger das absolute Mehr. Beide Seiten treten beim zweiten Anlauf weiter mit jeweils gemeinsamen Listen an, wobei Wessels sich weniger Sorgen machen muss als Dürr.

Baschi Dürr muss zittern. Bild: baz online

Dürrs Listenkollege Lorenz Nägelin (SVP) hätte dank dem erstmaligen bürgerlichen Schulterschluss mit der SVP die rot-grüne Mehrheit kippen sollen, scheiterte aber mit 3800 Stimmen Rückstand auf den siebtplatzierten Dürr und sogar 800 Stimmen auf Heidi Mück von der linken Partei BastA! klar. An Nägelins Wahl glaubt kaum mehr jemand.

Mück aber hofft just auf rechte Abstinenz beim zweiten Anlauf: CVP und LDP haben ihre Sitze bereits verteidigt, und manche SVP-ler sind unzufrieden mit bürgerlichen Partnern, sodass bei schwacher Unterstützung Dürrs Vorsprung erodieren könnte. Zudem mobilisiert gewiss die Atomausstieg-Abstimmung das linke Elektorat.

Reicht es Mück, hat Rot-Grün künftig fünf der sieben Exekutivsitze. Behält Dürr erwartungsgemäss seinen Sitz, bleibt der Rechten die seit 2005 bestehende Dreier-Minderheit.

Das Regierungspräsidium, das gleichzeitig und ebenfalls im zweiten Wahlgang gewählt wird, geht derweil an Ackermann: Nach Dürrs Rückzug hat sie nur noch Aussenseiter-Konkurrenz.

Offenes Frauenrennen im Aargau

Roth, Bally und Feri (v.l.n.r.) Bild: KEYSTONE

Im Kanton Aargau war Monate vor den Wahlen die Befürchtung aufgekommen, dass die Regierung nach dem Rücktritt von Susanne Hochuli (Grüne) wieder eine reine Männerriege werden könnte. Vier Männer wurden im ersten Wahlgang bereits gewählt - doch garantiert eine Frau wird den fünften, noch freien Sitz gewinnen.

Die drei Kandidatinnen liefern sich ein offenes Rennen. Die SVP will mit Bezirksrichterin Franziska Roth erstmals einen zweiten Sitz in der Regierung erobern. Die SP will mit Nationalrätin Yvonne Feri nach 31 Jahren wieder eine Doppelvertretung.

Grossrätin Maya Bally von der BDP tritt auch zur Stichwahl an - obwohl ihre Partei und die anderen Mitteparteien bei den Grossratswahlen Verluste einfuhren. Im ersten Wahlgang lag Roth knapp vor Feri, mit einem grösseren Abstand folgte Bally.

Die FDP unterstützt offiziell die SVP-Kandidatin. Die Grünen, die nach acht Jahren ihren Regierungssitz verloren, stellen sich hinter die SP-Kandidatin. Die CVP will bürgerlich wählen, gibt aber keine Empfehlung ab.

Mehrere Faktoren machen eine Prognose fast unmöglich. So lag die Wahlbeteiligung in der ersten Runde bei nur 32.4 Prozent - das könnte am 27. November anders sein: Die Atomausstiegsinitiative und vier kantonale Sparvorlagen kommen gleichzeitig zur Abstimmung.

Möglich ist, dass sich die Kandidatinnen von SVP und BDP die bürgerlichen Stimmen streitig machen. Die SP könnte also zur lachenden Dritten werden. Weil die BDP mitmischt, fallen die Stimmen der bürgerlichen Mitte indes nicht automatisch der SP zu. Das könnte wiederum der SVP helfen.

Egal, welche Frau gewählt wird, die Bürgerlichen verfügen über eine Mehrheit im Regierungsrat. Im ersten Wahlgang wurden Urs Hofmann (SP), Stephan Attiger (FDP) und Alex Hürzeler (SVP) klar wieder gewählt. Auf Anhieb den Sprung in den Regierungsrat schaffte Markus Dieth (CVP) als Nachfolger für den abtretenden Parteikollegen Roland Brogli. (sda)

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Gina226 - 6.4.2016
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