Schweiz
SVP

SVP-Frau Andrea Geissbühler erntet Kritik wegen Äusserungen

Andrea Geissbühler nimmt gegenüber Tele Bärn kein Blatt vor den Mund.
Andrea Geissbühler nimmt gegenüber Tele Bärn kein Blatt vor den Mund.screenshot: Telebärn

«Naive Frauen mitschuldig an Vergewaltigung» – SVP-Nationalrätin setzt sich in die Nesseln

Die Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler findet, dass Vergewaltiger von «naiven» Frauen milder bestraft werden sollten. Experten sind empört.
11.10.2016, 05:3011.10.2016, 16:48
Bern

Am Sonntag strahlte Tele Bärn einen Beitrag zum Fall Anthamatten aus. Das Thema: Ein Drittel der verurteilten Vergewaltiger kommen mit bedingten Strafen davon. Die Message des Beitrags ist klar: Sowohl Strafrechtsprofessor Martin Killias wie auch die Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler finden das nicht in Ordnung.

Quote Geissbühler: «Das ist völlig daneben. Ein Vergewaltiger muss hart bestraft werden.» Sie findet, dass bedingte Strafen eigentlich keine Strafen sind. Ein klares Statement zum Schutz der Frauen – so sieht's vorerst aus. Doch halt. Geissbühler setzt zum nächsten Satz an und der lautet so:

«Es gibt Ausnahmen.»

Oho. Laut der Politikerin gibt es also Männer, die Frauen zum Sex zwingen und dafür eine bedingte Strafe – in ihren Augen also keine Strafe – erhalten sollten. Man ist gespannt, was nun folgt ...

«Bei naiven Frauen, die fremde Männer nach dem Ausgang mit nach Hause nehmen. Und ein bisschen mitmachen und dann doch nicht wollen.»

Wow. Es kommt noch besser ...

«Und da ist eine Mitschuld der Frau gegeben.»

Bäääääm, das sitzt. Experten sind jedenfalls empört, wie 20 Minuten berichtet. 

Sogar SVPler distanzieren sich

«Keine Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wird, trägt die Schuld oder Mitschuld für die erlittene sexuelle Gewalt», sagt Linda Borner, Beraterin bei Lantana, der Berner Fachstelle Opferhilfe bei sexueller Gewalt.

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Brigitte Gschwend von der Opferhilfe Bern findet, dass, wenn eine Frau einem Mann erlaube, sich mit ihm in privaten Räumlichkeiten aufzuhalten, ihm das noch keinen Freibrief gebe, sexuelle Aktivitäten zu erzwingen. «Es geht auch um das uralte Thema, ob eine Frau, die A sagt, auch B sagen muss. Diese Argumentation ist sehr gefährlich. Denn das hiesse ja, dass der arme Mann nicht mehr fähig ist, das B zu respektieren. Aber das muss man ganz klar von jedem Mann in jedem Alter verlangen können.»

Selbst Politikerinnen aus den eigenen Reihen geht das zu weit. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, die sich für härtere Strafen für Vergewaltiger einsetzt, distanziert sich laut der Gratiszeitung deutlich von Geissbühlers Aussagen: «Natürlich ist Vorsicht geboten und jede Frau ist auch für sich selber verantwortlich, aber eine Vergewaltigung oder Strafmilderung lassen sich dadurch nicht rechtfertigen.»

Facebook-Gruppe gegen Geissbühler

So viel steht fest: Mit ihren markigen Worten schafft sich Geissbühler keine Freunde. Eine Facebook-Gruppe fordert sogar ihre Absetzung. Diese wurde ursprünglich gegründet, weil die SVP-Frau «für eine unsachliche und ideologische Drogenpolitik steht». Seit der Nacht auf Dienstag ist auf der Seite auch folgende Stellungnahme zu finden: «Victim blaming vom feinsten! Schämen sie sich Frau Geissbühler.» 

Mit diesem Profilbild wirbt die Facebook-Gruppe für Geissbühlers Absetzung als Nationalrätin.
Mit diesem Profilbild wirbt die Facebook-Gruppe für Geissbühlers Absetzung als Nationalrätin.bild: facebook/Andrea Geissbühler absetzen

(rwy)

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