Schweiz

Bild: KEYSTONE

Vor 50 Jahren

Die Postleitzahl wurde eingeführt, weil die Post nicht genügend «geographiekundiges» Personal fand

Publiziert: 09.06.14, 14:31 Aktualisiert: 23.11.16, 18:58

«Jedesmal – Postleitzahl», mit diesem Slogan warb die PTT vor fünfzig Jahren für die neue Briefanschrift. Am 26. Juni 1964 führte die Schweiz, als drittes Land nach den USA und Deutschland, die Postleitzahlen ein. Für die Pöstler bedeutete dies vor allem: weniger auswendig lernen.

«Ein Postlehrling hat bis jetzt viele Stunden daran geben müssen, sämtliche Poststellen der Schweiz und darüber hinaus auch die nächste Poststelle von sehr kleinen Ortschaften auswendig zu lernen», berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» im Vorfeld der Einführung. Denn für das Sortieren der Briefe und Pakete – damals noch reine Handarbeit – war die sogenannte «Pöstlergeographie» unumgänglich.

Der «ausgeprägte Mangel an geographiekundigem Personal» war denn auch einer der Hauptgründe für die Einführung der Postleitzahlen. Dies teilte die PTT in einem Sonderdruck des eigenen Amtsblattes vom 26. Juni 1964 mit. Der zweite Grund war die «stürmische Verkehrszunahme bei der Post in der Folge der anhaltend guten Wirtschaftslage», wie die PTT-Generaldirektion in einem Schreiben festhielt.

In der Sihlpost in Zürich werden rund ein Drittel aller Briefe verteilt. Bild: KEYSTONE

Die «eilige Briefpost» hatte in 15 Jahren um 50 Prozent zugenommen, täglich verarbeitete die Post damals rund acht Millionen Kleinsendungen. Da halfen auch vorläufige Massnahmen, wie der Einsatz von Frauen für die Grob- und Städtesortierungen, nicht wirklich weiter.

So funktioniert das PLZ-System

Die erste Zahl steht für die Region. Die Schweiz ist von Ost nach West durchnummeriert. Die Region Westschweiz Süd hat die Nummer 1, Westschweiz Nord die 2, Bern/Oberwallis die 3, Basel die 4, Aargau die 5, die Zentralschweiz und das Tessin die 6, Graubünden die 7, Zürich und Thurgau die 8 und die Ostschweiz die 9. 
Die zweite Zahl bezeichnet die Lage in dieser Region. Die Ziffer 40xx etwa steht für Basel Stadt, 45xx für Solothurn und 46xx für Olten.
An dritter Stelle folgt die Angabe der Bahnstrecke, auf der die Post verschickt wird. In der Postleitzahl 2525 für Le Landeron zum Beispiel besagt die 2 an dritter Stelle, dass die Post auf der Bahnlinie Biel-Neuenburg verkehrt. Da die Post heute meist nur noch zwischen den Sortierzenter mit der Bahn transportiert wird, kommt dieser Ziffer keine Bedeutung mehr zu. 
Die vierte Zahl schliesslich gibt Auskunft über den Ort. So steht die Endziffer 7 in der Postleitzahl 6417 zum Beispiel für den Ort Sattel im Kanton Schwyz, die 8 in 6418 für Rothenthurm. Grössere Gemeinden haben mehrere Postleitzahlen, eine Postleitzahl kann aber auch mehrere politische Gemeinden tangieren. (sda) 

Die Bevölkerung gewöhnte sich schnell ans neue System. Wohl nicht nur darum, weil die PTT ihre Mitarbeiter in einem Schreiben aufforderte, sich «für die Neuerung freudig und tatkräftig» einzusetzen.

Sendungen mit Postleitzahl kamen schlicht zuverlässiger und schneller beim Empfänger an. «Die Sortiermaschinen scheiden nämlich zuerst die unförmigen, zu grossen und zu kleinen Formate aus und in einer zweiten Etappe die Sendungen ohne Postleitzahlen», warnte die NZZ ihre Leser. «Diese Sendungen müssen dann wohl oder übel in zeitraubender Arbeit von Hand sortiert werden, bestimmt erst dann, wenn die korrekt adressierte Post bereits auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort ist.»

Moderne Anlagen sortieren die Briefe im Zentrum Müllingen. Bild: KEYSTONE

Sortieranlagen gibt es schon lange, wie hier in der Schanzenpost in Bern, 1968. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Die Automatisierung schreitet voran, heute werden die Briefe in drei grossen Zentren sortiert. «In den letzten zehn Jahren hat die Entwicklung noch einmal einen gewaltigen Sprung gemacht, unsere Briefsortierzentren sind hocheffiziente High-Tech-Anlagen», sagt Postsprecher Oliver Flüeler. «Heutige Sortieranlagen kennen jeden Briefkasten.» Sie würden die Briefe so sortieren, dass der Pöstler bei einem Mehrfamilienhaus die Briefkästen in der jeweiligen Reihenfolge der Kästen durch bedienen könne.

Die Postleitzahlen spielten auch heute bei der Sortierung eine gewichtige Rolle – als Basisinformation für die folgenden Sortierschritte. «Auch wenn die Sortiertechnik viel komplexer ist, haben die Postleitzahlen immer noch ihre Gültigkeit», sagt Flüeler. «Es gibt weder Pläne, die Postleitzahlen abzuschaffen, noch eine Alternative dazu.» (jas/sda)

Hol dir die App!

User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
Themen
0 Kommentare anzeigen
0
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Aussenminister Burkhalter will pragmatisch mit Trump umgehen

Die Schweiz pflegt seit über einem Jahr Kontakte mit dem Team des nun gewählten US-Präsidenten Donald Trump. Bundesrat Didier Burkhalter ordnete schon im September 2015 eine Kontaktaufnahme an, weil er nach eigenen Worten stets an Trumps Siegchancen glaubte.

«Wir haben Kontakte sowohl mit dem Wahlkampfteam wie nun mit dem Team, das den Präsidentschafts-Übergang organisieren muss», sagte Burkhalter in einem Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag». Als er im September 2015 in den USA …

Artikel lesen