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Terrorismus - Frankreich: Terrormiliz IS beansprucht Anschlag von Nizza für sich



Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag in Nizza mit mindestens als 84 Toten für sich beansprucht. Die Miliz erklärte am Samstag über ihr Sprachrohr Amak, der Täter sei ein «Soldat des Islamischen Staats».

Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Die französischen Behörden gehen davon aus, dass sich der 31-jährige Tunesier «sehr schnell radikalisiert» hat.

Die IS-Propaganda-Agentur Amak berichtete, der Attentäter von Nizza habe auf Aufrufe der Miliz reagiert, Bürger der Länder der internationalen Militärkoalition anzugreifen, die in Syrien und im Irak gegen die Extremisten kämpft. Zu der Koalition gehören neben Frankreich unter anderem die USA, Grossbritannien und Italien.

Die französische Regierung hat nach eigener Darstellung keinen Beweis für eine IS-Mitgliedschaft des Attentäters. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in Paris, der Mann sei ein Beispiel für «Einzelpersonen, die empfänglich für die Botschaften des IS sind und äusserst gewaltsame Taten begehen, ohne notwendigerweise an Kämpfen teilgenommen zu haben oder ausgebildet worden zu sein».

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian fügte hinzu, die IS-Miliz habe die Tat mit ihren Appellen womöglich inspiriert. Ein Schweizer Forschungsinstitut widersprach am Samstag einer Einstufung der Tat als Terrorismus. Es handle sich um einen Amoklauf, schrieb das Basel Institute of Commons and Economics.

«Die zahlreichen Amokläufe von europäischen und US-Bürgern in den USA, Frankreich und Belgien sind keine Taten des »internationalen Terrorismus«, sondern Einzeltaten ohne eine konkrete politische Forderung oder ein politisches Ziel», schrieb das Institut. Die Erhebung von «tragischen Amokläufen» zu politischen Taten ermuntere Nachahmer.

Bei Geheimdiensten nicht bekannt

Als Täter von Nizza ist der Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel identifiziert. Den französischen Geheimdiensten war er nicht als Islamist bekannt. Er trat lediglich im Zusammenhang mit Kleinkriminalität in Erscheinung, galt aber als gewalttätig und depressiv.

Lahouaiej-Bouhlel wohnte in Nizza und hatte am Donnerstagabend während der Feiern zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge gelenkt. Dabei wurden mindestens 84 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt, mehr als 50 davon lebensgefährlich. Beim Anschlag kamen auch zahlreiche Ausländer ums Leben, darunter zwei Schweizer Staatsangehörige, eine Frau und ein Kind.

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) steht laut eigenen Angaben mit den Angehörigen in Kontakt. Ob sich weitere Schweizer unter den Opfern befänden, werde abgeklärt. Bei der EDA-Helpline seien zahlreiche Suchmeldungen eingegangen.

Fünf Festnahmen

Die Polizei nahm fünf Menschen aus dem Umfeld des Täters in Gewahrsam. Daneben ist neben vier Männern auch die Ex-Frau des Täters. Erkenntnisse zu einer möglichen Komplizenschaft gibt es bisher aber nicht. Die Konferenz der Imame in Frankreich rief ihre Mitglieder auf, sich von Hass und Terrorismus zu distanzieren.

Das Innenministerium in Paris wies Vorwürfe von Regionalpräsident Christian Estrosi zurück, in Nizza seien die Sicherheitsvorkehrungen für die Feiern unzureichend gewesen. Das Ministerium erklärte, alles sei eng mit der Stadtverwaltung abgestimmt gewesen. Die Chefin der rechtspopulistischen Partei Front National (FN), Marine Le Pen, forderte den Rücktritt von Innenminister Cazeneuve.

Die Kritik entzündet sich unter anderem daran, dass der Täter mit dem Lastwagen die Absperrungen zur Strandpromenade überwinden konnte. Die Promenade des Anglais soll spätestens in der Nacht zum Sonntag wieder vollständig geöffnet werden. Sie wurde am Samstag bereits teilweise wieder freigegeben.

In Frankreich gilt noch bis einschliesslich Montag eine dreitägige Staatstrauer. Für Montagmittag ist eine landesweite Schweigeminute geplant. Präsident François Hollande sagte wegen der Anschläge geplante Besuche in Österreich, Tschechien und der Slowakei ab. Er wird aber nach wie vor am Dienstag in Portugal und am Donnerstag in Irland erwartet. (sda/afp/dpa)

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