Patrick Fischer äussert sich erstmals zum Covid-Skandal rund um seine Person.Bild: screenshot youtube
Patrick Fischer bricht sein Schweigen – und attackiert das SRF
Erstmals seit er wegen eines gefälschten Covid-Zertifikats und des daraus entstehenden Skandals den Job als Nationaltrainer verlor, äussert sich Patrick Fischer öffentlich. Er räumt kaum Fehler ein und macht dem Schweizer Fernsehen schwere Vorwürfe.
Rund eine Woche nach dem Ende der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz hat sich Patrick Fischer zu seiner Entlassung mitten in der WM-Vorbereitung geäussert. Er beantwortet die Fragen von Ex-Journalist Peter Röthlisberger zu seinen Gründen für das gefälschte Zertifikat und dem Gespräch mit SRF-Journalist Pascal Schmitz, bei dem alles ans Licht kam.
Das sagt Patrick Fischer …
… zu seinen Gründen, der Impfung zu misstrauen:
«Ich beschäftige mich mit gewissen Themen, vor allem wenn es um meine Gesundheit geht, um meinen Körper geht. Ich höre stark auf mein Bauchgefühl. Das ist mein Anker. Darauf vertraue ich. Deshalb war für mich klar, dass ich mich nicht impfen lasse.»
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… über die Idee, ein gefälschtes Zertifikat zu organisieren:
«Die Covid-Zeit war eine sehr neblige Zeit mit sehr viel Unsicherheit. Es ging in Richtung Olympische Spiele 2022 in China. Die Schweiz begann schon mit der Auflockerung der Regeln. Aber in China herrschte immer noch Impfzwang zum Einreisen. Mir wurde klar, dass ich ein Problem habe. Ich möchte mit meinen Jungs nach China. Darum habe ich mich für den Weg entschieden, mir ein Zertifikat zu kaufen.»
… zu seiner Einschätzung, ob das die richtige Entscheidung war:
«Es kommt darauf an. Aus Sicht als Nationaltrainer war die Entscheidung nicht richtig. Damals als Nationalcoach hätte ich nicht mit gefälschtem Zertifikat einreisen dürfen. Aber die Verantwortung für mich selbst, für meinen Körper, die kam aus meinem Bauchgefühl. Das war die schwierigste Situation für mich der letzten zehn Jahre als Coach. Ich wusste während dreier Monate nicht, wie ich das lösen kann. Die Verantwortung als Nationalcoach habe ich nicht wahrgenommen, für mich selbst aber schon.»
… dazu, ob er seine Rolle als Vorbild verletzt hat:
«Als Nationaltrainer definitiv. Das kann ich nicht schönreden. Meiner persönlichen Vorbildfunktion, die für mich selbst wichtig ist, bin ich treu geblieben.»
… dazu, wie der Verband mit seiner Impfskepsis umgegangen ist
Dem Verband war klar, dass die Situation schwierig für mich war. Sie riefen mich dann eines Tages ins Büro und legten mir einen Vertrag vor, in dem festgelegt war, an welchen Events ich teilnehmen musste. An der U20-WM in Peking und an der WM 2022 in Helsinki. Dafür brauchte es eine Impfung. Falls ich dort fehlen würde, gäbe es Sanktionen, die über 500'000 Franken betragen hätten. Das war für mich störend und machte natürlich zusätzlichen Druck. Aber am Ende unterschrieb ich den Vertrag Anfang November 2021.
… zu den Gründen, nicht einfach in Quarantäne zu gehen:
«Das Thema war mit der Unterschrift dieses Vertrages vom Tisch. Der Verband hatte die Bestätigung, dass ich mich impfen liess. Darum konnte ich nachher nicht mehr in Quarantäne gehen. Die Quarantäne war dann nicht mehr möglich. Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre es theoretisch möglich gewesen, in Quarantäne zu gehen. Aber realistisch war das nicht. Ich hätte nach der U20-WM in Edmonton am 6. oder 7. Januar nach Hause fliegen müssen. Ich hätte direkt nach Peking in Quarantäne fliegen müssen. Da wäre alles noch möglich gewesen. Das Problem war, dass wir noch eine Woche Vorbereitung in der Schweiz hatten. Das wäre für mich als Headcoach aus der Quarantäne in China nicht möglich gewesen. Als Einzelsportler wäre mir klar gewesen, dass ich entweder in Quarantäne gegangen wäre oder gar nicht gegangen wäre. Aber als Trainer der Mannschaft, zusammen mit dem Aufschrei, der entstanden wäre, war dies unmöglich.»
… zu einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung seiner Spieler:
«Mir war wichtig, was passieren könnte, wenn ich das Zertifikat kaufe und nicht geimpft bin. Das Covid-Protokoll legte fest, dass wir im OYM, einem Leistungszentrum im Kanton Zug, in dem wir für fünf Tage waren, jeden Tag getestet werden. Das wusste ich. Ich wusste auch, dass wir bei der Ankunft in Peking getestet werden. Im Olympischen Dorf wird man auch täglich getestet. Sobald ein Test positiv ist, gehst du in die Quarantäne. Das passierte auch. Wir verloren zwei Spieler: Dario Simion und Dennis Malgin. Ich wusste, ich bin kein grösseres Risiko als irgendjemand anderes. Sobald ich Corona habe, komme ich in Quarantäne. Das gab mir die Sicherheit, dass ich die Mannschaft nicht gefährde.»
… zum Vorwurf, dass die ganze Mannschaft hätte disqualifiziert werden können:
«Es wurde behauptet, ich hätte alle gefährdet. Das stimmt so einfach nicht. Das gab es in der Geschichte der Olympischen Spiele noch nie. Wenn jemand ein Vergehen beging, beispielsweise ein Dopingsünder dann wird die Person als Einzelne herausgepickt. Russland wurde einmal ausgeschlossen, weil es im Jahr 2014 systematisch gedopt hat. Aber ich glaube, das kann man nicht vergleichen. Darum war ich mir sicher, dass nicht die ganze Delegation heimgeschickt worden wäre, auch wenn sie mich erwischt hätten. Wir wissen es nicht, aber es ist einfach noch nie passiert.»
… über die Gründe, warum er sich gegenüber SRF-Journalist Pascal Schmitz geöffnet hat:
«Ich war voll im Moment. Für mich war das eine Situation, in der ich mit privaten Leuten über Themen sprach. Ich muss ein wenig ausholen. Ich bin ein Mensch, der anderen sehr schnell vertraut. Mein Vertrauensverhältnis zum SRF war sehr gross. Ich war in den letzten zehn Jahren viel mit ihnen unterwegs. Wir konnten sehr viele schöne Geschichten zusammen machen. Ich war einer, der immer versuchte, das Produkt zu pushen und das Hockey nahe an die Fans zu bringen. Dazu muss man den Medien die Türen öffnen. Sie auch in die Garderobe reinlassen. Das war mir wichtig. Mit dieser Motivation haben wir auch eine Doku gemacht, für die die ganze Mannschaft und ich persönlich gefilmt auf dem Weg zur Heim-WM begleitet wurden. Das bedeutete für mich, dass sie eigentlich Freunde waren. Dann kam eine neue Anfrage für die Sendung ‹10 vor 10›. Sie möchten noch mehr über mich persönlich erfahren. Sie kamen zu uns nach Hause. Wir haben Kaffee getrunken und alles besprochen. Wir sind in den Garten gegangen. Sie wollten verstehen, wie ich den Teamgeist ankurbele. Dann gingen wir an einen meiner Lieblingsorte im Wald mit Blick auf das Quartier, in dem ich aufgewachsen war. Ich erzählte von meiner Jugend und von meinen Eltern. Also sehr persönlich und privat. Dann entstand dieses Mittagessen, weil ich sie fragte, ob sie mit uns zum Mittagessen kommen wollen. Der Dreh ging am Nachmittag weiter. Wir sassen dort, ohne Kamera. Wir haben 2 Stunden über viele verschiedene Themen gesprochen. Dann wurde Covid zum Thema. Dann habe ich vom Zertifikat erzählt, da ich von keiner Gefahr ausging. Es wussten mehrere Leute Bescheid über das Thema. Für mich war Covid vorbei. Ich wusste, dass ich das kommunizieren werde.»
… warum er glaubte, dies sei ein privates Gespräch:
«Ich habe viel Erfahrung mit anderen Journalisten, denen man solche Dinge erzählen kann. Ich bin nicht der Einzige, der ‹off the record› Dinge erzählt. Unser Medienchef hat das ganz klar gesagt. Er sagte, dass es logisch sei, dass es nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist. Das wurde durch Schmitz auch bestätigt. Er schrieb uns sogar am nächsten Tag in einer E-Mail, dass ihm die ‹Off-the-Record›-Vereinbarung bewusst sei. Das irritierte mich. Dass dann vom SRF kommuniziert wurde, es sei nie ‹off the record› gewesen. Das stimmt so einfach nicht. Es wurde eine Vereinbarung gebrochen. Das war sehr irritierend, denn so sah auch unser Medienchef schlecht aus. Warum es vom Verband aus nie kommuniziert wurde, weiss ich heute noch nicht. Warum wir nie klargestellt haben, dass wir diese Vereinbarung hatten.»
… dazu, ob es zwischen ihm und dem Verband einen Vertrauensbruch gab:
«Ich wusste, dass Urs Kessler, Präsident des SIHF, mich unterstützen wollte. Der Verwaltungsrat und andere meinten, es gehe so nicht weiter. Es kamen andere Dynamiken. Auch dort wurde das Thema wieder aufgebauscht, Sponsoren, die Druck machten. Danach hörten wir, dass es nicht so war. Die Dynamik, die aufkam. Und das Ganze wurde medial aufgeblasen. Vertrauensbruch. Sie wollten das nicht. Sie wollten mich unterstützen. Aber auch sie haben nicht damit gerechnet, dass die Geschichte so gross werde. Dann zogen sie die Reissleine.»
… zu den Dingen, die ihn am meisten verletzt haben:
«Was mich emotional traf, war, was anschliessend passierte. Die Nati hatte ein Heimspiel zwei, drei Tage nach meiner Entlassung in Biel. Ein Mädchen hatte für mich dieses Plakat gemacht. Ich habe es mitgebracht. Dieses wurde dem Mädchen dann einfach aus der Hand gerissen. Den Fans wurden diese Dankesbotschaften auch während der WM – Fähnchen und Ähnliches – einfach weggenommen. Da dachte ich, das finde ich sehr spannend. Wer gibt das in Auftrag? Die Botschaften waren ja nicht gegen jemanden gerichtet. Es war nur ein Danke an mich. Das hat mich am meisten getroffen.»
… dazu, ob er heute anders kommunizieren würde:
«Ja, definitiv. Im Nachhinein ist man schlauer. Ich hätte das Thema schon vor ein bis zwei Jahren öffentlich machen sollen. Aber ich wollte das kommunizieren, wenn ich nicht mehr Nationalcoach bin. Und dann an diesem spezifischen Tag oder in dieser Phase, in der mir der Lapsus unterlief. Das war vom 19. März bis zum 12. April dieses Jahres. Dort lief in meinen Augen viel zu wenig. Dort konnte man bessere Lösungen finden.»
(abu)
