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Fischer und Embolo: Ein Vergleich der Vergehen

epa12526307 Switzerland's forward Breel Embolo attends a press conference at the Stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, 14 November 2025. Switzerland is preparing for the FIFA World Cup ...
Nati-Stürmen Breel Embolo durfte am Dienstag nicht in die USA einreisen – wegen einer Vorstrafe.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Fischer und Embolo – wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Straftätern?

04.06.2026, 08:5904.06.2026, 10:10

Der eine trägt Eis im Herzen, der andere Fussballschuhe an den Füssen. Der eine heisst Patrick Fischer, der andere Breel Embolo. Beide sind Nationalfiguren. Beide stehen im Schaufenster des Schweizer Sports. Beide sind Vorbilder – oder sollten es zumindest sein. Und doch werden sie nach unterschiedlichen Gesetzen beurteilt.

Auch Sportstars kommen mit dem Gesetz in Konflikt. Meistens provozieren sie keine nationalen Schlagzeilen. In zwei Fällen aber schon. Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischers Fall («Impfbschiss») ist durch die Reaktion auf eine angekündigte TV-Enthüllung erst zum Medienereignis geworden. Breel Embolos Konflikt mit dem Gesetz durch eine Annullierung der Einreisebewilligung in die USA.

KARLSTAD, SWEDEN 20240210 Schweiz head coach Patrick Fischer during Saturday s Ice hockey, Eishockey match in the Beijer Hockey Games Euro Hockey Tour between Sweden and Switzerland in Löfbergs Arena. ...
Patrick Fischer war bis kurz vor der Heim-WM Coach der Schweizer Eishockeynationalmannschaft. Bild: IMAGO/TT

Patrick Fischer stolperte über eine Urkundenfälschung. Er ist mit einem gefälschten Impfnachweis zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist. Keine Blutgrätsche gegen die Moral, kein Raubüberfall auf die Anständigkeit. Aber eben eine strafrechtlich relevante Verfehlung. Im Schweizer Eishockey genügte das, um eine Debatte auszulösen, die rasch zur Untragbarkeit führte.

Tribunal der Werte

Der Nationaltrainer wurde nicht mehr an seinen drei Silbermedaillen gemessen. Nicht mehr nur an seinen Visionen, die unser Hockey in die Weltspitze geführt haben. Sondern auch an der Frage, ob ein Nationaltrainer mit einer rechtskräftigen Verurteilung noch glaubwürdig als Lichtgestalt unseres Hockeys sein könne. Die Antwort lautete: Nein. Der Fall wurde für die Verbandsführung sogleich zum Tribunal der Werte.

Nun betreten wir eine andere Arena. Grösser, lauter, reicher. Das Fussballstadion.

Dort steht Breel Embolo. Nationalspieler. Publikumsliebling. Identifikationsfigur. Ein Mann, dessen Trikot von Kindern getragen wird, die ihren Eltern erklären, dass sie später einmal auch für die Schweiz Tore schiessen wollen.

Breel Embolo bei einem Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft im Dreisamstadion in Freiburg, Deutschland, am Montag, 23. Maerz 2026. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Breel Embolo bei einem Training der Schweizer Fussballnationalmannschaft.Bild: keystone

Breel Embolo ist rechtskräftig verurteilt worden. Die amerikanischen Einreisebestimmungen haben dazu geführt, dass ihm die Einreise in die USA vorerst verwehrt bleibt. Das ist keine Bagatelle. Wer für eine WM in Nordamerika vorgesehen ist, für den ist das eine sportliche Frage von höchster Relevanz.

Ein Gartenzaun in der Weltstadt

Doch die eigentliche Frage stellt kaum jemand: Ist ein verurteilter Straftäter als Nationalspieler und Vorbild eigentlich tragbar?

Anders als im Eishockey reagieren der Verband und die Fussballwelt mit bemerkenswerter Gelassenheit. Man spricht über Formkurven, über Transferwerte, über die Chancen auf die nächste WM. Man diskutiert Taktik. Man analysiert Laufwege. Über die moralische Dimension wird höflich hinweggegrätscht. Als hätte jemand den Ton abgeschaltet.

Switzerland's supporters hold a banner with "Danke Fischi (for Patrick Fischer) before the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship gold medal game between Switzerland and Finland, ...
Schweizer Fans hielten vor dem Finale der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Swiss Life Arena in Zürich ein Transparent mit der Aufschrift «Danke Fischi.»Bild: keystone

Im Eishockey dagegen werden Werte oft wie Fahnen vorangetragen. Vielleicht weil die Welt kleiner ist. Vielleicht weil die Nähe grösser ist. Vielleicht weil sich das Eishockey noch immer als Dorf versteht, während der Fussball längst eine globale Unterhaltungsindustrie geworden ist.

Im Dorf weiss jeder, wer den Gartenzaun umgestossen hat. In der Weltstadt interessiert nur, wer das nächste Tor schiesst.

Natürlich sind die Fälle unterschiedlich. Niemand, der bei Verstand ist, wird sie eins zu eins vergleichen. Die juristischen Hintergründe sind andere. Die Umstände sind andere. Die Personen sind andere. Bei Embolo kommt jugendlicher Übermut – er war bei der Straftat erst 21 – entlastend hinzu, bei Patrick Fischer im reifen Mannesalter von damals 46 Jahren wiegt die Verantwortung als Führungspersönlichkeit schwerer. Es geht nicht um die Straftaten. Es geht um die Massstäbe.

Moralische Ansprüche

Wenn Patrick Fischer an einem moralischen Anspruch gemessen wird, dann muss dieselbe Messlatte auch für Breel Embolo gelten. Und wenn für Embolo andere Kriterien gelten, dann muss man ehrlicherweise eingestehen, dass die Debatte um Fischer nie nur eine Frage der Moral war. Dann war sie eine Frage der Macht.

KEYPIX - Switzerland's players Granit Xhaka, Breel Embolo, Ruben Vargas, and Nico Elvedi, from left, react during a training session one day prior to the FIFA World Cup 26 UEFA Qualifiers Group B ...
Breel Embolos Teamkollegen sind bereits in den USA, wo in wenigen Tagen die Fussball-Weltmeisterschaft beginnt.Bild: keystone

Denn der Fussball ist der König unter den Sportarten. Er füllt Stadien, generiert Millionen und produziert Helden am Fliessband. Seine Stars geniessen eine Narrenfreiheit, von der ein Eishockeytrainer nur träumen kann.

Dem Torjäger wird verziehen. Der Trainer wird verurteilt. Das mag menschlich sein. Es ist aber nicht konsequent.

Und so bleibt bei allen Unterschieden zwischen den zwei Fällen am Ende eine unbequeme Erkenntnis zurück. Vielleicht haben wir gar keine einheitlichen Werte im Schweizer Sport. Vielleicht besitzen wir nur unterschiedlich lange Massstäbe. Einen für das Eishockey. Einen für den Fussball.

Und je grösser die Popularität, desto kürzer wird die Erinnerung und desto länger die Nachsicht. Das ist nicht zwingend ungerecht. Aber man sollte wenigstens den Mut haben, es auszusprechen.

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