120 Millionen Barrel: USA sollen EU-Staaten zur Freigabe von Dieselreserven zwingen
Die US-Regierung versucht offenbar, EU-Staaten zu zwingen, ihre strategischen Dieselreserven zum Verkauf anzubieten. Laut dem «Spiegel» droht Washington damit, die Dieselexporte nach Europa zu stoppen, sollte die EU nicht darauf eingehen.
Konkret verlangen die USA, dass die EU-Staaten 120 Millionen Barrel Diesel auf den Markt bringen. Dies soll innerhalb von 180 Tagen geschehen. Der «Spiegel» hat eigenen Angaben zufolge die entsprechenden Informationen aus Kreisen der Bundesregierung und der EU-Kommission erhalten.
Im November finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Für Donald Trump zeichnet sich laut Umfragewerten eine Niederlage ab. Besonders die hohen Preise an den Tankstellen setzen den US-Präsidenten unter Druck. Die Dieselvorräte der EU-Staaten könnten hier Abhilfe schaffen.
Die drohende Exportsperre hat auch Brüssel erreicht. Die Behörde von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilt mit, dass man die Drohung «mit Besorgnis» registriert habe. Ein Stopp der Dieselexporte würde in Europa wahrscheinlich zu einem Preisschock führen.
120 Millionen Barrel entsprechen einer immensen Menge für EU-Staaten
Die gesamten strategischen Dieselvorräte Deutschlands umfassen gut vier Millionen Tonnen. Laut EU-Angaben verfügen alle 27 EU-Staaten zusammen über eine Reserve von 39 Millionen Tonnen, wie der Spiegel schreibt. Eine Menge von 120 Millionen Barrel Diesel, was umgerechnet etwas mehr als 16 Millionen Tonnen entspricht, wäre demnach immens.
Im März 2026 beschlossen die USA im Rahmen eines Abkommens der Internationalen Energieagentur (IEA) von rund 30 Staaten 172 Millionen Barrel Öl aus ihren Vorräten freizugeben. Insgesamt sollten weltweit 400 Millionen Barrel freigegeben werden, um Versorgungsengpässe zu verhindern. Die EU-Staaten erklärten sich bereit gemeinsam 20 Prozent beizusteuern.
Die geforderten 120 Millionen Barrel verlangt die US-Regierung nun zusätzlich. Diese Forderung soll Teil eines Schreibens an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gewesen sein, das von Katherina Reiche (CDU) geleitet wird.
Am Dienstag forderte der US-Energieminister Chris Wright die Europäer öffentlich dazu auf, die im März vereinbarte Dieselfreigabe zu erfüllen. Bisher hätten mehrere EU-Staaten nur einen Bruchteil der versprochenen Menge freigegeben.
(pem)
