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Und plötzlich bekommt die Image-Kampagne des Bündner Baumeisterverbands eine ganz neue Bedeutung. Bild: screenshot graubündnerischer baumeisterverband

Preisabsprachen-Skandal erschüttert Graubünden: Engadiner Bauunternehmen gebüsst

Im Unterengadin manipulierten Bauunternehmen über Jahre hinweg Beschaffungen im Hoch- und Tiefbau. Die Wettbewerbskommission hat sieben Firmen mit rund 7,5 Millionen Franken gebüsst. Die Firmen sprachen die Preise ab und legten fest, wer den Zuschlag erhalten soll.



Es ist nicht das erste Mal, dass Bauunternehmen im Kanton Graubünden von der Wettbewerbskommission (Weko) gebüsst werden. Bereits im Juli 2017 liess sie illegale Absprachen im Münstertal aufliegen. Damals deckte die Weko auf, dass Hoch- und Tiefbauunternehmen zwischen 2004 und 2012 bei über 100 Ausschreibungen die Preise absprachen und bestimmten, wer den Submissionszuschlag bekommt.

Die Weko hat nun eine weitere kartellrechtliche Untersuchung im Kanton Graubünden abgeschlossen, wie sie am Donnerstag bekannt gab. Sie stellte fest, dass Bauunternehmen in verschiedenen Kartellen mehrere hundert Ausschreibungen im Hoch- und Tiefbau abgesprochen hatten.

Die Bauunternehmen stimmten jeweils untereinander ab, welches von ihnen den Auftrag erhalten soll. Meist wurden gleichzeitig die Offertpreise bestimmt. Einen Teil der Kartelle führten die Bündner Bauunternehmen laut Weko systematisch und über mehrere Jahre hinweg durch. 

Die Kartelle betrafen Ausschreibungen des Kantons Graubünden, von Gemeinden des Unterengadins und von Privaten. Die Auftragshöhe der abgesprochenen Bauarbeiten reicht von wenigen zehntausend bis zu mehreren Millionen Franken.

Preise um 45 Prozent zu hoch

Um wie viel Geld haben Bündner Baufirmen die öffentliche Hand und Private wirklich betrogen? Das von der Wettbewerbskommission (Weko) geschätzte Beschaffungsvolumen, das von Kartellen über die Jahre im Unterengadin betroffen war, übersteigt 100 Millionen Franken deutlich.

Solche Absprachen bei öffentlichen Ausschreibungen sind in der Regel mit höheren Preisen und Strukturerhaltung verbunden. Laut Frank Stüssi, Vizedirektor der Weko, liegen in der Schweiz Erfahrungswerte aus dem Kanton Tessin vor. Dort sanken die Preise nach der Kartellzeit im Tiefbau um etwa 30 Prozent.

Die Weko schreibt, gemäss jüngeren empirischen Studien lägen die Preise nach kartellistischen Absprachen um durchschnittlich über 45 Prozent höher. Absprachen zu Submissionen (öffentlichen Ausschreibungen) seien klar schädlich. Sie führten zu überhöhten Ausgaben der öffentlichen Hand, was sich auch auf die Steuerlast der Bevölkerung und Wirtschaft auswirke.

Bussenhöhe variiert stark

Konkret büsste die Weko sieben Unternehmen mit insgesamt über 7,5 Millionen Franken. Dazu zählen Foffa Conrad AG, Bezzola Denoth AG, Zeblas Bau AG, Lazzarini AG, Koch AG Ramosch, Alfred Laurent AG und René Hohenegger Sarl.

Die Bussen bewegen sich pro Unternehmen zwischen einigen zehntausend bis rund fünf Millionen Franken - je nach Schwere und Anzahl der Kartellgesetzverstösse. Bei einem Teil der Unternehmen hat die Weko die Busse reduziert, weil diese mit ihr kooperierten. Wegen Verjährung nicht gebüsst wird die Impraisa da fabrica Margadant.

Baumeisterverband als «Dreh- und Angelscheibe»

Involviert in die illegalen Machenschaften war nach Darstellung der Weko unzweifelhaft auch der Graubündnerische Baumeisterverband (GBV). Die Weko schreibt: Der GBV habe wissentlich Vorversammlungen organisiert, an welchen Bauprojekte zwischen den Unternehmen aufgeteilt und die Offertsummen besprochen worden seien.

Dem GBV werden jedoch keine Sanktionen auferlegt, weil er nicht als Anbieter von Bauleistungen auftritt. Als «Dreh- und Angelscheibe für die Vorversammlungen», an denen die Absprachen stattfanden, muss der Verband allerdings Verfahrenskosten von 35'000 bis 40'000 Franken zahlen.

 Die Entscheide der Weko sind noch nicht rechtskräftig und können an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden. (sda/aargauerzeitung.ch)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • banda69 26.04.2018 14:59
    Highlight Highlight Freue mich auf die schweizweite Kampagne der SVP.

    "Bauunternehmer zocken Schweizer Volk ab".

    Ja die SVP. Die tut was fürs Volk.
  • Pius Lischer 26.04.2018 12:30
    Highlight Highlight Es wird auch viel gutes das schon lange steht und funktioniert abgerissen und neu gebaut auf Kosten der Steuerzahler.
  • Pius Lischer 26.04.2018 12:21
    Highlight Highlight Bauen ist auch viel zu teuer wegen viel Bürokratie, den vielen akademischen Planern und Architekten die viel kassieren und wenig nützen. Habe wenn ich schaue wie gebaut wird eher das Gefühl wenn ich es planen würde gebe es weniger zu tun, wäre besser und würde weniger kosten.
    • Bündn0r 26.04.2018 14:02
      Highlight Highlight Wenn Sie das so viel besser und mit weniger Aufwand können, sollten Sie es tun! Ihre Marge wäre gigantisch!
      Oder Sie überschätzen sich masslos und haben keine Ahnung von der Materie...
      Gruss von einem BSc Bau Ing ETH
  • BFCF 26.04.2018 12:19
    Highlight Highlight Liebe Weko, kontrolliert doch z. B. mal den Zürcher Baumeisterverband! Anlass dazu gibt es genug. Sind ab heute nicht alle 'Baumeisterverbändler' unter Generalverdacht?
  • Dusel 26.04.2018 12:14
    Highlight Highlight Danke Watson für den Artike 🙏
  • Snowy 26.04.2018 12:05
    Highlight Highlight Grossartige Hintergrundrecherche.
    U.a. darum habe ich die Republik abonniert (Ja, ich weiss, ich "bin" Verleger).
  • klugundweise 26.04.2018 12:01
    Highlight Highlight 7,5 Mio. bezahlt jeder von denen aus der Portokasse.

    Und wie sieht es in anderen Regionen (Wallis, Berner Oberland, etc.) aus?

    Durchwegs "bürgerlich" regiert, mit Jagd au Sozialempfänger, Asylsuchende, IV-Rentner etc. und mit Schutz der Steuerhinterzieher.
  • Etniesoph 26.04.2018 12:01
    Highlight Highlight Wieso dass der Graubündnerische Baumeisterverband ungeschoren davon kommt wird wohl dank der starken Lobby in Bern zustande gekommen sein! Anders kann ich mir das nicht erklären...
  • Der Kritiker 26.04.2018 12:01
    Highlight Highlight 100 Millionen ergaunert, aber nur eine Busse von 7.5 MCHF? Und da denken wir vollen Ernstes, dass wir in einem Rechtstaat leben???
  • TheManoure 26.04.2018 09:35
    Highlight Highlight Wie wärs mit Geld-/Haftstrafen für die verantwortlichen Führungskräfte? Für die Unternehmen selbst sind die Geldbussen ja nichts anderes als kalkuliertes Risiko..
  • Bullet-Tooth-Joni 26.04.2018 08:20
    Highlight Highlight 7,5mio Busse? Für alle zusammen?
    Wieviel haben die Aufträge den Firmen eingebracht? Ich befürchte weit mehr als die 7,5Mio! Von dem her werden die sich gewaltig ins Fäustchen lachen!
  • banda69 26.04.2018 07:53
    Highlight Highlight Ein riesiger Betrug am Schweizer Volk. Die Busse von 7.5 Mio ist lächerlich im Vergleich mit den ergaunerten Millionen.

    Hier gibts einige sehr spannende Details dazu zu lesen:

    https://www.republik.ch/2018/04/24/das-kartell-teil-1-der-aussteiger

    Ich verzichte darauf zu erwähnen in welcher Partei einige der Hauptverantwortlichen dieses Betrugs sind.

    • pamayer 26.04.2018 11:05
      Highlight Highlight demfall von der alternativen linken...
    • Etniesoph 26.04.2018 12:03
      Highlight Highlight Ja! Und die Busse können die Firmen noch von den Steuern abziehen! Bürgerliches Gewurstel...
    • x4253 26.04.2018 13:24
      Highlight Highlight Mal kurz zusammenrecherchiert:
      Roland Conrad (Foffa Conrad AG, Bezzola Denoth AG) - BDP
      Heinrich Zegg (Zeblas Bau AG Samnaun) - CVP
      Stefan Engler (Lazzarini AG) - CVP
      Robert Hüberli (Bezzola & Cie) - BDP
      Walter Schlegel (Kommandant Kt.Pol GR) SVP

      Sollten die Schilderungen wie im Artikel der Republik dargestellt stimmen, gehören Kantonsregierung und Amtschefs des Kantons abgesetzt und der Kanton zwangsverwaltet, da die Korruption sich dort tief bis in die Justiz durchgefressen hat.

      Wird wohl aber nicht viel passieren.

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