DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Christoph Blocher am Mikrofon: Wie stark ist SVP-Präsident Albert Rösti?
Christoph Blocher am Mikrofon: Wie stark ist SVP-Präsident Albert Rösti?Bild: KEYSTONE

Wer führt die SVP? Albert Rösti ist zwar der Präsident, aber das Sagen hat immer noch Blocher

Auf dem Papier führt Albert Rösti die SVP, in der Praxis fallen die Entscheide weiterhin in Herrliberg. Die Frage ist, wie lange noch.
17.08.2016, 05:5017.08.2016, 07:58
Lorenz Honegger / Aargauer Zeitung

Die Szene ist auf YouTube bis heute ein Hit. Sie spielt im Herbst 1999 und zeigt den damaligen SVP-Präsidenten Ueli Maurer, wie er aus dem «Tele Züri»-Studio stürmt. Kurz davor hat ihn Fernsehmann Roger Schawinski als «Parteipräsidenten von Blochers Gnaden» bezeichnet.

Ueli Maurer verlässt das TV-Studio

Sommer 2016, knapp 17 Jahre später. Nationalrat Albert Rösti hat vor kurzem die Geschicke der SVP übernommen. Vieles ist anders als in den 90er-Jahren, vieles nicht. So muss sich Rösti wie damals Ueli Maurer bei jedem zweiten Interview fragen lassen, ob er ein Adlate Blochers sei.

Der freundliche Berner erzählt dann stets die gleiche Geschichte: Er habe nach seiner Wahl zum Parteioberhaupt ausdrücklich gewünscht, dass Alt-Bundesrat Blocher der SVP als Strategiechef erhalten bleibe. Präsident sei er. Rösti als starker Mann der SVP? Stimmt das?

Affront ohne Folgen

Einflussreiche Stimmen aus dem Berner Politbetrieb zeichnen ein anderes Bild. Der 75-jährige Blocher sei in TV-Diskussionen vielleicht nicht mehr ganz so schlagfertig wie in seinen besten Jahren, in seiner Partei habe aber immer noch er das Sagen und nicht Rösti.

Jetzt auf
«Berufspolitiker»: SVP-Nationalrat Frehner wird von Blocher attackiert.
«Berufspolitiker»: SVP-Nationalrat Frehner wird von Blocher attackiert.Bild: KEYSTONE

Zu dieser Einschätzung passt die jüngste Ausgabe von «Tele Blocher». In seiner persönlichen Internetsendung lässt der SVP-Parteistratege vergangenes Wochenende eine Bombe platzen: Er fordert zwei Monate vor den Basler Regierungs- und Grossratswahlen den Rücktritt des SVP-Kantonalpräsidenten Sebastian Frehner und bezeichnet den Nationalrat als «Berufspolitiker». Wer Blocher kennt, weiss: Wenn er «Berufspolitiker» sagt, dann ist das ein Schimpfwort. Dass er der Basler SVP so kurz vor den Wahlen Schaden zufügen könnte, scheint ihn nicht zu kümmern.

«Solange Blocher fit ist, wird sich niemand von ihm emanzipieren können.»

Parteipräsident Rösti ist dem Vernehmen nach nicht begeistert über den Affront, wagt es aber nicht, Blocher öffentlich in die Schranken zu weisen: «Von Christoph Blocher ist man gewohnt, dass er Klartext redet», lässt er gestern verlauten.

Röstis Beziehung zum SVP-Übervater ist weniger eng als die seines Vorgängers Toni Brunner, der in diesem einen Mentor sah. Er gilt aber in- und ausserhalb seiner Partei als intelligenter Politiker. Trotzdem trauen ihm wenige zu, aus Blochers Schatten zu treten. «Solange Blocher fit ist, wird sich niemand von ihm emanzipieren können», sagt ein namhafter bürgerlicher Parlamentarier.

«Die Partei gehört ihm»

Der Einfluss Christoph Blochers in der SVP beschränkt sich bis heute nicht nur darauf, zu sagen, was er will und wann er will. Auch inhaltlich dominiert der alt Bundesrat seine Partei nach Aussagen von Beobachtern weiterhin.

Als sich die Wirtschaftsverbände vergangenen Herbst mit der SVP und den anderen bürgerlichen Parteien zusammensetzen wollen, um über die Umsetzung der Masseneinwanderungs- Initiative zu sprechen, kommt von mindestens einem der Teilnehmer eine klare Bedingung: Nicht der damalige Präsident Toni Brunner, sondern Blocher müsse an den Gesprächen teilnehmen. Der Grund ist simpel: Ausser Blocher könne niemand verbindliche Zusagen machen, so eine gut informierte Person. «Die Partei gehört ihm.»

Neue Alphatiere

Was nach Blocher kommt, gilt als ungewiss. Der Abgang des langjährigen Generalsekretärs Martin Baltisser diesen Frühling – interner Spitzname: «General» – habe in der Partei ein Vakuum hinterlassen, was die strategische Koordination anbelange. Gleichzeitig seien mit den Sitzgewinnen bei den Nationalratswahlen 2015 zahlreiche «neue Alphatiere» zur SVP-Fraktion gestossen, die mehr oder weniger offensiv um ihre Reviere kämpften. Die zwei prominentesten Beispiele heissen Roger Köppel und Magdalena Martullo-Blocher, Christoph Blochers Tochter.

SVP-Abstimmungsplakate

1 / 14
SVP-Abstimmungsplakate
quelle: keystone / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

65 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Sapere Aude
17.08.2016 06:02registriert April 2015
Rösti ist lediglich Platzhalter für das Nachfolgerduo Martullo/Köppel. Ein netter Alibipräsident der die Thronnachfolge vorbereiten darf.
12028
Melden
Zum Kommentar
avatar
amazonas queen
17.08.2016 06:01registriert September 2014
Blochers Nachfolger kann nur seine Tochter sein. Nur sie hätte genügend Geldkoffer für die ganzen Wahlkämpfe. Die anderen könnten das nicht bezahlen. Die sind zwar auch steinreich, aber nicht reich genug.
8234
Melden
Zum Kommentar
avatar
FrancoL
17.08.2016 08:46registriert November 2015
Die Nachfolge Blochers?
Soll das ein Witz sein?
Machtmenschen wie Christoph Blocher verpassen es einen geeigneten Nachfolger wirklich aufzubauen.
Sie verpassen es BEWUSST, weil der Aufbau gelegentlich auch eine Meinungskorrektur zulassen müsste und das will der Machtmensch Blocher nicht.

Die Partei wird in der Nach-Blocher-Aera sich aus dem Stand neu formieren, erfinden und vermutlich auch etliche Grabenkämpfe ausfechten müssen, was meines Erachtens für die Schweiz nicht von Nachteil sein wird.
4219
Melden
Zum Kommentar
65
Wer beerbt wen im Ständerat? 6 Parteien, 6 Baustellen
In etwas mehr als einem Jahr finden die nationalen Wahlen an. Besonders spannend werden dürfte der Kampf um die frei werdenden Sitze im Ständerat. Die Parteien bringen sich schon jetzt in Position. Für keine von ihnen dürfte es einfach werden, viel eher stehen alle vor kleinen bis grösseren Baustellen.

In diesen Tagen und Wochen fallen wichtige Entscheide für die nationalen Wahlen 2023. FDP-Ständerat Ruedi Noser hat bekanntgegeben, dass er nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidiert. Mit Regine Sauter (FDP), Tiana Angelina Moser (GLP) und Balthasar Glättli (G) wollen gleich drei national bekannte Figuren den zweiten Zürcher Ständeratssitz erobern. In der Waadt wiederum duellieren sich die SP-Giganten Roger Nordmann und Pierre-Yves Maillard um die Kandidatur für die kleine Kammer. Wer gewinnt, hat intakte Chancen, nächstes Jahr für den Kanton Waadt in den Ständerat einzuziehen. Bei den Ständeratswahlen geht es um viel. Einfach werden dürfte es aber für keine Partei.

Zur Story