Schweiz
Blaulicht

Lawinenniedergang in Crans-Montana

Lawinenniedergang in Crans-Montana fordert vier Verletzte, weitere Vermisste befürchtet

19.02.2019, 15:5119.02.2019, 22:27

Bei einem Lawinenabgang im Skigebiet von Crans-Montana im Unterwallis sind mindestens vier Menschen verletzt worden. Davon schwebte eine Person in Lebensgefahr, drei weitere wurden leicht verletzt. Die Polizei geht noch von vermissten Personen aus.

Augenzeugen hätten berichtet, es könnten weitere Menschen unter den Schneemassen begraben sein, sagte der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, Christian Varone, an einer Medienkonferenz am Dienstagabend. Die Rettungskräfte würden deshalb weiter nach möglichen Opfern suchen, auch während der Nacht.

Im Einsatz standen knapp 250 Rettungskräfte von Polizei, Rettungskolonnen und Armee. Weiter befanden sich acht Helikopter und zwölf Lawinenhunde vor Ort.

840 Meter lang und 100 Meter breit

Die Schneemassen hatten sich gegen 14.15 Uhr an einem Hang in der Region La Plaine Morte gelöst, dem höchstgelegenen Bereich des Skigebiets Crans-Montana. Die Piste Kandahar wurde dabei auf einer Länge von etwa 400 Metern verschüttet. Insgesamt hatte der Lawinenkegel mit einer Länge von 840 Metern, einer Breite von 100 Metern und einer Höhe von mehreren Metern ein gewaltiges Ausmass.

Es sei sofort Alarm ausgelöst worden und die ersten Einsatzkräfte seien schnell am Einsatzort eingetroffen, sagte Philippe Magistretti, Dirkotor der Bergbahnen von Crans-Montana.

Die Walliser Justiz leitete eine Untersuchung zu den Ursachen und Umständen des Lawinenabgangs ein. Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder hätten Schneesportler oberhalb der gesicherten Skipiste die Lawine ausgelöst oder diese sei spontan abgegangen, sagte Bezirksanwältin Catherine Seppey.

Experte geht von Gleitschneelawine aus

In der Region bei Crans-Montana galt am Dienstag eine mässige Lawinengefahr. Das ist die zweittiefste von fünf Gefahrenstufen.

Gesichert sei bisher zwar noch nichts, doch er gehe von einer Gleitschneelawine aus, erklärte Thomas Stucki, Leiter Lawinenwarndienst beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Gleitschneelawinen seien dieser Tage nichts Aussergewöhnliches, sie seien jeden Tag ein Thema. Und weil derzeit viel Schnee liege, könnten diese Lawinen auch entsprechend grösser ausfallen.

Unfälle mit Opfern auf offenen Pisten seien allerdings «extrem selten», betonte Stucki. In den vergangenen zehn Jahren habe es genau einen solchen Unfall mit einem Todesopfer gegeben. Eine absolute Sicherheit gebe es in den Bergen nicht.

Dass sich eine Lawine löste, könnte auf die Sonneneinstrahlung zurückgeführt werden. Wegen der Sonne und der tageszeitlichen Erwärmung seien an sehr steilen, besonnten Hängen unterhalb von rund 2500 Metern Nass- und Gleitschneelawinen zu erwarten, schrieb das WSL - Schnee- und Lawinenforschungsinstitut SLF am Montagabend in seinem Lawinenbulletin.

Kaum Einfluss auf Damen-Weltcuprennen

Zudem seien in der mittleren Schicht der Schneedecke im Wallis teils kantig aufgebaute, weiche Schwachschichten vorhanden. Diese seien insbesondere an eher schneearmen Schattenhängen und im Bereich der Waldgrenze «vereinzelt störanfällig», schrieb das SLF weiter.

Auf die am kommenden Wochenende angesetzten Skiweltcuprennen der Damen in Crans-Montana sollte der Lawinenniedergang keinen Einfluss haben, hiess es beim Internationalen Skiverband (FIS) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Lawine sei doch recht weit entfernt vom Renngebiet niedergegangen. (leo/whr/sda)

Aktuelle Polizeibilder

1 / 95
Aktuelle Polizeibilder: Lagergebäude durch Brand beschädigt
2.3.2020, Bremgarten (AG): Mehrere Feuerwehren rückten nach Bremgarten aus, nachdem ein Brand in einer Liegenschaft ausgebrochen war. Personen wurden keine verletzt. Die Kantonspolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.bild: kapo Aargau
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Drohne soll Lawinenopfer schneller orten

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Dübendorf ZH: 15-Jähriger bei Mutprobe bewusstlos gewürgt
Bei einer Würge-Mutprobe ist ein 15-jähriger Jugendlicher am Mittwoch in Dübendorf bewusstlos geworden. Die vermeintlich kontrollierte Probe zwischen ihm und einem 14-Jährigen führte zu einer lebensbedrohlichen Situation, wie die Zürcher Kantonspolizei am Freitag mitteilte.
Zur Story