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Drei Generationen vereint. Ein solches Gefühl wird Robotern immer verwehrt bleiben. bild: shutterstock.

Warum Künstliche Intelligenz uns niemals glücklich machen kann

Künstliche Intelligenz soll uns länger und glücklicher leben lassen und die Zerstörung des Planeten Erde verhindern. Wirklich? Unser Schicksal wird nicht von Bio-Algorithmen bestimmt, sondern im Spannungsverhältnis zwischen Familie und Gesellschaft.

23.08.17, 17:43 20.10.17, 16:37


Künstliche Intelligenz (KI), Roboter und Expertensysteme, die immer häufiger unsere Arbeitswelt und unseren Alltag bestimmen, sind zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft geworden. Es geht dabei um mehr als selbstgelenkte Autos, Big Data und das Internet der Dinge. Es geht auch um die Frage, ob wir bald die Singularity erreichen werden, den Punkt, an dem die KI die menschliche Intelligenz übertreffen und Maschinen dem Homo sapiens überlegen sein werden.  

This combo of file images shows Facebook CEO Mark Zuckerberg, left, and Tesla and SpaceX CEO Elon Musk. An online smackdown between tech titans Zuckerberg and Musk over the possible threat of artificial intelligence underlines how little most people know about the rapidly advancing technology. (AP Photo/Manu Fernandez, Stephan Savoia)

Streiten sich über die Gefahren der künstlichen Intelligenz: Mark Zuckerberg (links) und Elon Musk. Bild: AP/AP

Diese Frage treibt Philosophen wie Nick Bostrom um, der überzeugt ist, dass eine künstliche Superintelligenz im Begriff ist, die Menschen zu überlisten und die Macht zu übernehmen. Sie führt zu erbitterten Diskussionen im Silicon Valley, wo Mark Zuckerberg und Elon Musk sich heftig über die Gefahren der KI streiten, und sie beschäftigt auch die watson-User, wie die vielen Reaktionen auf meine Buchbesprechung von Yuval Noah Hararis Buch «Homo Deus» zeigen.  

Harari stellt in diesem Buch die These auf, wonach das liberale Individuum der Aufklärung eine aussterbende Rasse ist. Im digitalen Zeitalter wird der Mensch zu einem Bio-Algorithmus und ist damit endgültig seine eingebildete Krone der Schöpfung los. «Die Algorithmen, die Menschen steuern, funktionieren über Sinneswahrnehmungen, Emotionen und Gedanken», stellt Harari gnadenlos fest. «Und genau die gleiche Art von Algorithmen steuert Schweine, Paviane, Otter und Hühner.»  

Es gibt derzeit eine Art philosophischen Boxkampf: In der einen Ecke steht das autonome Individuum des Humanismus – versinnbildlicht in der legendären Kurzformel des französischen Aufklärers René Descartes: «Ich denke, also bin ich». In der anderen finden wir die Biowissenschaften. Sie wollen weder von freiem Willen noch von Bewusstsein etwas wissen, sondern betrachten den Menschen als nicht mehr denn ein zufälliges Produkt der Evolution, als eine spezielle Art von Algorithmus.  

Der philosophische Boxkampf

In diesem Boxkampf hat das autonome Individuum schlechte Karten. Psychologen wie Amos Tversky und Daniel Kahneman haben eindrücklich demonstriert, wie leicht sich das Individuum übertölpeln lässt und wie manipulierbar wir Menschen sind. Auch die Einzigartigkeit des Menschen ist ein fragwürdiges Konzept geworden, seit wir wissen, dass fünf Facebook-Likes ausreichen um zu wissen, wie wir sexuell, politisch und überhaupt ticken.

Daniel Kahnemann (links) und Amos Tversky. Die beiden israelischen Psychologen haben das autonome Individuum entzaubert.

Es lässt sich nicht bestreiten, dass intelligente Software unsere Bedürfnisse besser ergründen kann als menschliche Intelligenz. Amazon & Co. beweisen das heute schon eindrücklich. Auch Kreativität und Empathie lassen sich faken. Inzwischen können beispielsweise selbst Experten nicht mehr unterscheiden, ob ein bestimmtes Musikstück von Mozart oder einer Software komponiert wurde.  

Es stimmt auch, dass Roboter immer klüger werden und KI nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken ist. Ob Verkehr, Gesundheitswesen oder Finanzsystem – immer mehr Expertensysteme regeln unseren Alltag, und das ist beruhigend. Auch der Krieg wird zunehmend digitalisiert. Das muss nicht schlecht sein. Viele von uns würden wahrscheinlich besser schlafen, wenn ein intelligentes Expertensystem und nicht Donald Trump den Finger am roten Atomknopf hätte.  

Warum Roboter mit Shakespeare nichts anfangen können

Trotzdem ist der erwähnte philosophische Boxkampf eine Illusion. Der Homo sapiens ist weder ein autonomes Individuum noch ein Bioalgorithmus. Menschen haben etwas, das Roboter nie haben werden: Eine Familie und eine Gesellschaft, und es ist entscheidend, wie sie damit zurecht kommen. Die ewig menschlichen Dramen – von den griechischen Sagen über Shakespeare bis zu Games of Thrones – spielen sich im Spannungsverhältnis von Familie und Gesellschaft ab.  

SIGMUND FREUD

Das Menschenbild von Sigmund Freud ist nach wie vor gültig. 

Sigmund Freud spricht nicht von einem autonomen Individuum, sondern von einem Ich, einem Über-Ich und einem Es. Er meint damit, dass unsere Individualität das Resultat davon ist, wie wir gesellschaftliche Moral und unsere Triebe unter einen Hut bringen. Das hängt einmal davon ab, wie ein Baby in die Familie integriert wird. In der Adoleszenz wiederholt sich dieser Vorgang, nur geht es diesmal darum wie der junge Mensch von der Gesellschaft aufgenommen wird. Beide Übertritte sind krisenanfällig oder können gar scheitern. Unsere Emotionen wie Liebe oder Hass werden davon geprägt, wie diese Übergänge gemeistert werden.  

Hararis These vom göttlichen Menschen geht davon aus, dass wir Hunger und Krankheiten besiegt haben und es künftig darum gehen wird, dass wir möglichst lange leben und dabei möglichst glücklich sind. Eine gefährliche These. Sie wird getragen von Allmachtsphantasien, der gefährlichsten aller Psychosen. Daran können alle Algorithmen dieser Welt nichts ändern.

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olaf44512 24.08.2017 00:43
    Highlight Klassisches Katz Maus Spiel. Vor 50 Jahren hiess es, Computer könnten nie symbolische Mathe lösen, das sei Menschen vorbehalten. Vor 40 Jahren meinte man Computer können nie den Schach Weltmeister schlagen, nur ein Mensch könne so schlau denken. Vor 20 Jahren hiess es Computer könnten nicht kreativ sein, Computer seien dumm und können nir so viel sein Meister. Jetzt kommt Löpfe und sagt Computer können keine Familie und keine Gesellschaft haben. Aber warum nicht? Sind wir vielleicht doch nur Computer?
    3 1 Melden
  • Rotbeisser 24.08.2017 00:35
    Highlight Der Begriff der Intelligenz wird dramatisch überdehnt.
    Es gibt keine künstliche Intelligenz und es wird sie in den kommenden 500 Jahren auch nicht geben.
    Was wir Roboter nennen, sind einfach nur Automaten. Selbst einem Schleimpilz schreibt man Intelligenz zu, obschon das beobachtete Phänomen durch einen einfachen physiologischen Regelkreis zustandekommt. Ähnlich ist's mit "Schwarmintelligenz", die auch nichts mit Intelligenz zu tun hat, sondern nur mit einer Verwechslung mit Intelligenz.
    Und so ist "Künstliche Intelligenz" auch einfach nur ein Hirngespinst.
    5 0 Melden
  • Tatwort 23.08.2017 23:34
    Highlight Wenn wir die Evolution betrachten, dann halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass der Mensch dereinst verschwindet und die nächste intelligente Lebensform technischen Ursprungs sein wird.
    1 2 Melden
  • mrmikech 23.08.2017 22:22
    Highlight Singularität wird es noch laaaaange nicht geben. KI ist generell sehr hilfreich in das verbesseren von forschung und produktivität. Viele sehen eine technologiewende mit angst entgegen, leider. Schlussendlich wird KI die lebensqualität von menschen verbessern, angst braucht es also nicht. Ich glaube das wir an den vorabend von viele positive entwicklungen stehen.
    7 10 Melden
    • Sensenmaa 24.08.2017 07:04
      Highlight Hmm, genau die Heutige Technologie sollt uns ja auch das Leben erleichtern das wir mehr Zeit für die wichtigen Dunge im Leben haben. Mal nach draussen blicken, ah ja hat funktioniert. Keine gestresst und unglücklichen leute. *räusper*
      1 0 Melden
  • neurot 23.08.2017 22:19
    Highlight Die technologische Singularität ist nicht erreicht wenn KI intelligenter ist als Menschen. Die Singularity beschreibt den Zeitpunkt, ab dem die Maschine fähig ist sich selber zu verbessern, und ihr somit keine Grenzen mehr gesetzt sind.

    Gestern: «Die Vorstellung, die Menschen würden immer über eine einzigartige Fähigkeit verfügen, die für nicht-bewusste Algorithmen unerreichbar ist, ist reines Wunschdenken.»

    Heute: «Menschen haben etwas, das Roboter nie haben werden: Eine Familie und eine Gesellschaft, und es ist entscheidend, wie sie damit zurecht kommen.»

    Ja was denn nun Herr Löpfe?
    14 0 Melden
  • Madison Pierce 23.08.2017 21:18
    Highlight Lässt man religiöse Konzepte wie die Seele weg, ist der Verstand eine Software, welche auf sehr komplexer Hardware (Hirn) läuft. Sehr, sehr viele Neuronen und noch mehr Verknüpfungen zwischen ihnen, das ist komplexer als jeder Rechner.

    Durch die heute erhältliche KI (wobei das "I" manchmal mehr Marketing ist) droht uns keine Konkurrenz.

    Aber man kann nicht sagen, ob Rechner nicht leistungsfähig genug werden können, um unser Hirn zu emulieren. Oder vielleicht gleich auf biologischer Basis laufen.
    9 4 Melden
  • xHascox 23.08.2017 21:04
    Highlight Falls sich jemanden für die Probleme mit KIs interessiert und Englisch kann, schaut mal den YT Kanal Robert Miles an. Er erklärt ein Paper ziemlich interessant und einfach.
    3 0 Melden
  • RozaxD 23.08.2017 20:44
    Highlight Ich finde nicht, dass Amazon meine Bedürfnisse gut erkennt...
    13 1 Melden
  • Vachequirit 23.08.2017 19:53
    Highlight Sorry, aber hier wird alles mögliche vermischt. Ein selbstfahrendes Auto, die Vorschläge von Amazon und sogar ein Expertensystem am roten Atomknopf sind selbst wenn sie alle zusammen eins wären noch meilenweit von "Singularity" entfernt und können nicht mal dran denken, sich selbständig an neue Gebiete anzupassen. Alles halb so wild, aber diese Ängste wollen halt bedient werden. (Und ja, ich hab in der KI gearbeitet- das ist harte Knochenarbeit!)
    17 3 Melden
  • nick11 23.08.2017 19:18
    Highlight Das Problem an der KI ist,dass sobald wir Singularität erreicht haben,wir nicht mehr vorhersagen können,wie sie sich weiter entwickelt. KI die sich selbst verbessern kann, kann theoretisch ins Unendliche wachsen. Nicht linear sondern exponentiell! Heisst, sie ist dann nicht etwas intelligenter als wir, sondern kann unvorstellbares leisten.Genügend Ressourcen hat es dazu im Universum.Was sehr interessant ist,so könnte die KI z.B. viele offenen Fragen der Physik beantworten, aber es ist eben auch sehr gefährlich.Wobei ich denke,dass wir nicht so nahe an der Singularität sind wie manche glauben.
    17 3 Melden
    • Sensenmaa 24.08.2017 12:42
      Highlight Borg incoming... 😁
      0 0 Melden
  • Paedu87 23.08.2017 19:10
    Highlight Macht das den Roboter nicht umso gefährlicher wenn er bei der Entwicklung des eigenen Weltbildes keine gesellschaftlichen Werte mitgegeben bekommt?
    Ich bin der Meinung das der Roboter den Menschen auch im Bereich des EQ übertreffen kann. Die Bauteile sind alle da, es fehlt nur noch der Code/ Algorithmus oder wie man dem auch sagen möchte. Was wir alleine nicht schaffen tun wir dann vielleicht in Zusammenarbeit mit der KI.
    4 9 Melden
  • Donald 23.08.2017 19:01
    Highlight Warum so viele Titel auf Watson wohl mit "warum" beginnen?
    26 0 Melden
  • Rotbeisser 23.08.2017 18:56
    Highlight Eine KI mit Traummassen und optimal tempereriert, würde mich schon glücklich machen können. Mal für Mal.
    10 4 Melden
  • solo31 23.08.2017 18:26
    Highlight Jeder der an AI interessiert ist sollte sich den Ted Talk von Sam Harris ansehen.
    5 3 Melden

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