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Yonni Meyer: Innerer Dialog – Heute: Ü30

Innerer Dialog – Heute: Ü30

Bild: shutterstock
31.03.2018, 10:4731.03.2018, 12:52
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Vernunft: Okay Kinder, jetzt mal ganz im Ernst: Wir müssen über unsere Altersvorsorge reden.  

Eitelkeit: Ich würde ja mega gerne, aber Dinge, die mit «Alter-» beginnen, haben mit unserer Person leider rein gar nichts zu tun, sorry.  

Realismus: Mir sind 36i, Alti. Sportler i oisem Alter sind Rentner. Okay, ussert de Roger Federer, aber er isch ja au s’Chind vome Einhorn und em Duracel-Häsli. Hach, oise Roger.  

Rebellion: Wo sind die Zeiten hin, da wir auf Badasses wie David Hasselhoff standen? Hä? Aren’t we looking for freedom anymore?!  

Realismus: David Hasselhoff ist 65. Der Mann ist tatsächlich ein Rentner.

Vernunft: KINDER! DRITTE SÄULE!  

Kind in mir: Hihihi, «dritti Süüle».  

Vernunft: Echt jetzt? Sogar Vorsorgepläne klingen für dich wie ein Alternativausdruck für Penis?!  

Kind in mir: Alles klingt wie ein Alternativausdruck für Penis. Ausser «Schnägg». Das ist ein Alternativausdruck für Vulva. Hihihi. «Schnägg».  

Unvernunft: Läck, seid Ihr ein langweiliger Haufen, hey. Rentner, Vorsorge... Wo bleibt das Leben? Hä? Lasst uns ausgehen! Gutes Essen essen, gute Drinks trinken, tanzen bis zum Morgengrauen.  

Stoffwechsel: Ich muss auf die Linie schauen. Seit ein paar Jahren geht jeder Bissen fettfreier Quinoa-Auflauf direkt auf die Hüfte...  

Alles von Yonni Meyer:

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Hüfte: WOTSCH SÄGE, ICH BIN DICK?!  

Stoffwechsel: Jap.  

Hüfte: DINI MUETER ISCH DICK!  

Stoffwechsel: Dini Mueter isch au mini Mueter, du Vollhirni.  

Hirn: Lasst mich da raus.   

Füsse: Tanzen gehen? Ich weiss nicht. Ich habe heute schon Sport gemacht.  

Unvernunft: Wir waren heute nur schnell beim Briefkasten.  

Füsse: Voilà: Sport.

Ohren: Aber es ist da im Ausgang dann nicht so laut, oder? Weil laut finde ich seit ein paar Jahren recht schwierig.  

Körper: Ausgehen? Müssten wir uns dafür umziehen oder geht auch im Pischi? Und darf ich dann auf dem Handy Netflix schauen im Club? Und sind da dann viele Menschen? Die finde ich amigs bitz unangenehm...  

Leber: ... ausserdem ist Samstag.  

Unvernunft: JA EBE!  

Leber: Was EBE?! Das heisst, wir hätten für einen Kater nur noch einen Tag Zeit. Das reicht schon seit drei Jahren nicht mehr. 

Unvernunft: Super. Und warum waren wir gestern nicht weg?  

Erwachsensein: Freitag. «Arena», dänk.  

Unvernunft: Echt jetzt? «Arena» statt Ausgang?  

Erwachsensein: Chasch nöd de Foifer und s’Weggli ha...  

Kind in mir: Hihihihi, «Weggli».  

Erwachsensein: Ich wüsste vor allem gar nicht, mit wem wir ausgehen könnten.  

Unvernunft: Manuel und Julia?  

Erwachsensein: Geht nicht, Mahatma-Urs hat die wilde Blaatere.

Unvernunft: Philipp?  

Erwachsensein: Wurde gerade 40 und fährt mit der Harley auf den Mount Everest.  

Unvernunft: Also zum Mount Everest, meinst du?  

Erwachsensein: Nein, auf.  

Unvernunft: Dann Marie? Wenigstens Marie?! Die war doch immer Sex and Drugs and Rock’n’Roll...  

Erwachsensein: ... hat jetzt ein Yoga-Studio mit Saftbar. Aber nur von Früchten, die sich freiwillig vom Baum gestürzt und im Fall noch entschleunigt haben.  

Unvernunft: Wow. Können wir uns dann wenigstens einen Action-Film anschauen, wenn wir schon selber keine Action bekommen?

Erwachsensein: Mal schauen, was auf «Arte» läuft. Oh, ein Stummfilm über Depressionen bei guatemaltekischen Bergziegen. In Schwarzweiss. O. M. G. Wow. Ich hole das ungesalzene Bio-Popcorn, das eigentlich aus Blumenkohl besteht.  

Unvernunft: Himmel, was ist bloss aus uns geworden?! Früher, da hat uns am Wochenende nichts zuhause gehalten, wir haben gelebt, getanzt, gelacht, unseren BH weggeschmissen und die Nacht zum Tag gemacht.  

Brüste: Hahaha, kein BH! Get real! Kännsch Gravitation?! Was einst prall und straff war, gleicht nun eher mit Cottage-Cheese gefüllten Sportsocken. Denkst du, das Alter geht spurlos an uns vorbei?  

Eitelkeit: Also an mir schon.  

Körper: Gang mal zum Optiker! Kannst die Augenringe, die Falten und die drahtigen Haare am Kinn gleich mitnehmen.  

Eitelkeit (hält sich wippend Ohren zu): LALALALA. Keine Ahnung, wovon du redest. LALALALA.

Unvernunft: Also mir ist jetzt alles egal. Wir gehen jetzt raus. LOS! Pischi weg, High Heels an, Haare machen, Makeup drauf... HOPPIGALOPPI! Wir sind jung, wild und frei. Nichts kann uns aufhalten...

Augen: Es regnet imfall.  

Unvernunft: ...wie hiess nochmal dieser Film auf «Arte»?

Yonni Meyer
Yonni Meyer (36) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 

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