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Bild: gustavo fadel/shutterstock
Yonnihof

Streetparadé

31.07.2014, 09:5731.07.2014, 18:03

Am Samstag ist Streetparade. Darauf freuen sich sehr viele Menschen unglaublich – ich persönlich freue mich unglaublich, am Samstag nicht in Zürich sein zu müssen. 

Verstehen Sie mich nicht falsch, geschätzter Leser, geschätzte Leserin. Auch ich war meine zwei-drei Mal an der Parade. Damals. Als man noch Plastiknuggis trug und Röckli aus Kuhfellfaserpelz. 

Ich war zu jener Zeit sehr fest ein Landei (bin es heute noch, aber pssst) und abgesehen von alljährlichen Grossmütterbesuchen, verirrte ich mich selten in die grosse Stadt. 

Eine doppelstöckige S-Bahn! Oh Ämm Tschii!

Man stelle sich also meine Aufregung vor, wenn ich auf der Anreise jeweils mit so einer neuartigen, doppelstöckigen (Oh Ämm Tschii!!) S-Bahn fahren konnte. Bei uns draussen in der Provinz konnte man damals im Zug noch die Fenster runterlassen und auf den bereits fahrenden Zug aufspringen, wenn's sein musste. Was man in den olfaktorisch an Kläranlagen erinnernden WCs zurückliess, fiel sogleich auf die Schienen unter dem Zug, was an den Bahnhöfen morgens um sechs ab und an zu freudigen Überraschungen für die noch nicht ganz wachen, wartenden SBB-Kunden führte. Zitat: «Mami, lueg, en Gagg.»

Mehr zur Street Parade

Nun aber zurück zur Streetparade und zur kleinen, staunenden Yonni. Natürlich hätte ich vor meinen Freunden niemals zugegeben, dass ich das alles unglaublich faszinierend fand, denn ich war schliesslich ein Teenager und wahnsinnig cool und abgebrüht.

«Bummbummbumm!»

Überall waren sehr bunte Menschen, die mit anderen sehr bunten Menschen tanzten. Bummbummbumm. Mein Konzept von Drogen bestand dazumals aus «Kleiner Feigling», Nielen und Haschischzigaretten, von denen ich kotzen musste. Ich ging deshalb davon aus, dass die Zürcher einfach alle uuuuuuuuuuhueren lieb und glücklich waren und sogar Unterhaltungen mit Bäumen führen konnten, ohne dass das irgendwie was Spezielles war.

Ich drängelte mich dann mit meinen Freunden einmal rund ums Seebecken, wurde mit bunten Flüssigkeiten aus Wasserpistolen bespritzt und holte mir in kürzester Zeit einen Tinnitus für die nächsten paar Tage (Ohropax sind für Weicheier!!). 

Das alles fand ich unglaublich lässig. 

Für etwa zwei Stunden. Dann war's mir irgendwann zu laut und zu eng und ich fing an, mir Gedanken darüber zu machen, wer eigentlich die ganze Sauerei wieder aufräumt. 

Ich war an der Streetparade gewesen. Punkt.

Schon um 17 Uhr bestieg ich den Zug zurück gen Heimat und war glücklich, als ich in meinem alten Klapperbummler wieder das Fenster runtermachen konnte. Das sagte ich natürlich niemandem. Ich war an der Streetparade gewesen. Punkt. 

Und heute? Heute suche ich ganz freiwillig das Weite und komme erst wieder, wenn niemand mehr im Bahnhofbrunnen pennt und die Camper in meinem Hauseingang wieder abgereist sind.

Und so wünsche ich allen Zürchern und allen Besuchern eine fantastische Parade, gutes Wetter, geile Stimmung und viel Safer Sex in den Rabättli am Zürihorn. See you on the other side...

Yonni Meyer
Sie gilt als Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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