Angst vor Betrug: Ein Land will die WhatsApp-Nutzernamen nun stoppen
Indien geht gegen die Einführung von Nutzernamen beim beliebten Messenger WhatsApp vor. Das berichten die BBC und das US-Portal «TechCrunch» übereinstimmend. Demnach befürchtet die indische Regierung eine Zunahme von Betrugsversuchen.
Die BBC zitiert aus einer Mitteilung des indischen Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie. Nach Ansicht der Behörde könnte die Funktion Onlinebetrug, Phishing und Identitätsdiebstahl erleichtern.
Kriminelle könnten potenzielle Opfer kontaktieren, ohne ihre Telefonnummer offenzulegen. Ausserdem warnt das Ministerium davor, dass Nutzernamen echten Personen, Behörden, Banken oder öffentlichen Stellen ähneln könnten.
Wie die BBC berichtet, habe Binance-Gründer Changpeng Zhao auf dem Nachrichtenportal X mitgeteilt, dass er den Benutzernamen «cz_binance», den er dort verwende, nicht bei WhatsApp habe reservieren können. Vermutlich hatte sich jemand anders den Namen vor ihm gesichert.
WhatsApp verweist auf Schutzmassnahmen
Der WhatsApp-Mutterkonzern Meta verweist indes auf zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen. «Um Identitätsdiebstahl vorzubeugen, haben wir bekannte Namen wie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Regierungsstellen, Prominente und verifizierte Meta-Konten so reserviert, dass sie nur von ihren rechtmässigen Inhabern beansprucht werden können», zitiert die BBC einen Meta-Sprecher.
Zudem sollen andere Nutzer den exakten Benutzernamen kennen müssen, um einen anderen Anwender anzuschreiben. Eine weitere Sicherheitsmassnahme: WhatsApp wolle begrenzen, wie viele neue Personen ein Konto kontaktieren können. Wiederholte Versuche, Benutzernamen zu erraten, sollen blockiert werden, heisst es weiter.
Indien ist WhatsApps grösster Markt
Laut der BBC ist Indien für WhatsApp besonders wichtig. In dem Land nutzen rund 800 Millionen Menschen den Messenger. Weltweit hat WhatsApp mehr als drei Milliarden Nutzer.
Die indische Regierung begründe ihre Bedenken auch mit der Entwicklung der Cyberkriminalität im Land. 2024 wurden demnach fast 102'000 Cybercrime-Fälle registriert. Das waren 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Fast drei Viertel dieser Fälle betrafen Onlinebetrug.
Kritik einer Bürgerrechtsorganisation
Die Digitalrechtsorganisation Internet Freedom Foundation kritisierte das Vorgehen der indischen Regierung, berichtet die BBC weiter. Demnach habe die Forderung nach einer Blockade der Funktion «keine klare Grundlage im Gesetz». Indien versuche damit zu bestimmen, welche Softwarefunktionen ein Unternehmen einführen dürfe.
Der Fall sei ein weiterer Schritt Indiens, grosse Technologiekonzerne stärker zu kontrollieren. Im vergangenen Februar habe die dortige Regierung ihre Regeln für soziale Netzwerke verschärft. Rechtswidrige Inhalte müssten nach einer Meldung nun innerhalb von drei Stunden entfernt werden, zuvor habe eine Frist von 36 Stunden bestanden.

